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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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Fig. 716. Adonis vernalis L. auf der Prinzregent Luitpoldheidebei München. Phot. f Inspektor B.Othmer, München.

(nördlich bis Bernburg, Neuhaldensleben), in Brandenburg (an der Oder zwischen Frankfurt und Küstrin bisauf die Rüdnitzer Berge, Angermünde, Krussow, früher an der Netze bei Driesen), in Pommern (Passberg bei

Pyritz), Posen (Meseritz, Slesin und Trzeciewnicaim Regierungsbezirk Bromberg) und in West-preussen (einzig im Kreise Kulm im Gebiete derWeichsel bei Kulm, Parowe bei Plutowo, um Kielp.Glodowo); fehlt im übrigen Deutschland, so vorallem in Ostpreussen, Schlesien, Sachsen, Württem-berg, Baden, Lothringen, Schleswig - Holstein.Mecklenburg und dem Nordwesten vollständig. InOest er reich zerstreut in Böhmen (mittlere undwestliche Elbegegend, Dauba, Niemes, Kger undBilagebiet), in Mähren (Nikolsburger und Pollauer-berge, Znaim, Eibenschitz, Czaitsch, Ungar. Hra-disch) und in Niederösterreich (im Gebiete derpannonischen Flora). In der Schweiz einzig imWallis (von Follaterres bis zum Vispertal).

Allgemeine Ve rbreitung:Südöstliches und mittleres Europa (nörd-lich bis Pommern, Insel Oeland und Gothland), in Südwesteuropa selten in Spanien,Cevennen.

Adonis vernalis ist zweifelsohne ursprünglich in Deutschland viel verbreiteter gewesen. Heute istdiese pontische Art namentlich auf das Stromgebiet der Weichsel, Oder, der Saale, Um, Wipper, Bode, Ohre,Oker, des Mains und des Rheines beschränkt. In dem trockenen Sandgebiet zwischen Mainz und Bingen istdie Pllanze an zahlreichen Stellen noch reichlich vorhanden, kommt daselbst aber selten zum Blühen, weil siestark beschattet ist (über die Begleitpflanzen vgl. pag. 282). Auf dem nunmehr geschützten Gipshügel zwischenKülsheim und Erkenbrechtshofen bei Windsheim (Franken) erscheint A. vernalis neben zahlreichen anderninteressanten Xerophyten wie Stipa pennata und capillata, Phleum Böhmeri, Poa Badensis, Festuca sulcata,Carex humilis, Allium fallax, Silene Otites, Anemone Pulsatilla, Alyssum montanum, Spiraea filipendula, Potentillaarenaria und rubens, Rosa glauca, Astragalus Cicer und Danicus, Euphorbia Gerardiana, Falcaria Rivini, Bupleurumfalcatum, Stachys rectus, Veronica spicata und praecox, Asperula cynanchica, Aster Linosyris, Artemisia campestris,Scorzonera purpurea etc. Auf der Garchingerheide (Fig. 716) nördlich von München zählt A. vernalis zu den auf-fälligen Frühlingsformen der Heideformation (pag. 535). Ausgedehnte Bestände bildet die Art stellenweise imGebiete der Oder und Weichsel, wo sie dem Zuge des alten Urstromtales bei Slesin und Trzeciewnica folgt. Im KreiseKulm erscheint A. vernalis im Verein mit andern interessanten Steppenpflanzen wie Artemisia scoparia, Oxytropispilosa, Scorzonera purpurea, Campanula Sibirica, Anemone silvestris, Stipa pennata und capillata etc. Auch imböhmischen Mittelgebirge bedeckt die Blüte im Frühjahre stellenweise ganze Flächen, so dass Domin von einerAdonis-Steppe" spricht. In Niederösterreich tritt Adonis vernalis im Gebiete der pannonischen Flora als Nieder-wuchs in den Wäldern von Pinus nigra auf neben Coronilla Emerus, Cyclamen Europaeum etc. Das getrockneteblühende Kraut Herba Adonidi s (Feuilles d'adonis, falsches oder böhmisches Niesswurzkraut, Christwurzkraut)ist heute noch in Oesterreich und in der Schweiz (Pharm. Austr. und Helv.) offizinell; auch in Deutschland(z. B. in einzelnen Gebieten von Bayern) wird die Droge als wertvolles Herzgift (Ersatz für Digitalis) noch heutebenützt. Früher war Radix Adonidis mehr im Gebrauch. In Rumänien wird die Wurzel bei gewissen Krank-heiten der Pferde verwendet. Angebaut wird die Pflanze in Thüringen (bei Jenalöbnitz und Greussen). Sieenthält das Herzgift Adonidin (wohl ein Glykosid), das in diesem enthaltene Picroadonidin, ferner ein demQuercitrin ähnlicher Bestandteil und Adonidinsäure. 1892 wurde von E. Merck aus den Blättern der ZuckeralkoholAdonit gewonnen; dieser gilt als der einzige Pentit, dessen natürliches Vorkommen in der Pflanze erwiesenist. Versuche vonTrebo.ux ergaben, dass entstärkte Blätter mit grosser Leichtigkeit Stärke aus dargebotenemAdonit zu bilden vermögen. In der Pllanze ist Adonit in einer Menge von annähernd 4°/o enthalten. Adonis.vernalis wurde früher mit Helleborus des Hippokrates verwechselt. Die gelben Blüten breiten sich imSonnenschein, der Sonne sich zuwendend, zu einer weithin sichtbaren Scheibe von 3 bis 7 cm Durchmesseraus. Ausser Fremdbestäubung tritt auch bei Sonnenschein leicht Selbstbestäubung ein. Als Besucher kommenbesonders pollensammelnde Bienen und pollenfressende Käfer und Fliegen in Betracht. Die Früchte gehörenzu den Myrmekochoren, speziell zum Hepatica-Typus. An verschiedenen Stellen ist diese prächtige Pllanze ver-schwunden, (so bei Kreuznach, auf den Beiendorfer Bergen bei Bernburg), an anderen (bei Schifferstadt in derPfalz) sehr gefährdet. In Bayern (München, Windsheim), Wien (hier auch Verkaufsverbot!) und in Wernigerodeim Harzgebiet ist die Pflanze staatlich geschützt.