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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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Fig. 632.

Anemone Pulsatilla L. auf der Prinzregent Luitpold-Heide bei München.Phot. E. R. Pfenninger, München.

Ueber den Namen Küchenschelle', der als richtiger Volksname selten zu sein scheint, existierenverschiedene Deutungen. Fest steht jedoch, dass der erste Bestandteil mitKüche" nichts zutun hat; fraglichist aber auch, ob diesesKüchen-" =Kühchen-" ist. Von einigen wirdKucke" (= Eischale), von anderen

wiederGugel" (kapuzen-ähnliche Kopfbedeckung)herangezogen; vgl. auch denzweiten Bestandteil vonArstguck'n, Aschgupn,Oarguka (Niederöster-reich), Arschgucke(Steiermark), sowie denersten in Gockerlenze(Steiermark), Guggelore,Ginggelore (Schweiz)und das gleichbedeutendefranz. coquelourde, aus demKadeluse (Nahegebiet)verderbt zu sein scheint.Nach der Blütenform wirddie Küchenschelle auch

Klockenblome,-blaume (NordwestlichesDeutschland), G 1 ö c k 1(Nordböhmen), Trolla[vgl. Trollius pag. 459](Schwäbische Alb), nachder Behaarung Wolf spfote (Rheinlande), Wolfs-Blueme (Schweiz), Rauchf angkehrable aml [behaarterFruchtstand!] (Niederösterreich) geheissen. Da die Art in dem dürren Gras der Weiden versteckt die Blütennur wenig öffnet, nennt man sie auf der schwäbischen Alb Heu-, Heura-Schlaufa, im HennebergischenHeu-, Tags chläf erl e , in Thüringen Schi af sack. Auf die frühere Blütezeit gehen schliesslich Osterblom(Mark Brandenburg), Osterblumen (Moselgebiet, Zürich, schwäbische Alb), Usterblummen (Gotha),Osterglocka (schwäbische Alb). Merznbecherl (Niederösterreich), März e (n)bluem (Elsass), Merze-glogge, -blueme (Schweiz), Haberblume [zur Zeit der Hafersaat blühend] (schwäbische Alb).

Ausdauernd, 5 bis 40 cm hoch, mit sehr kräftigem, oft mehrköpfigem, fast schwarzem,faserigem und meist absteigendem Wurzelstock. Grundständige Laubblätter rosettenförmig,nach der Blüte erscheinend, langgestielt, unpaarig 2- bis 3-fach gefiedert mit unregelmässigtief gespaltenen und eingeschnittenen Abschnitten, deren Endlappen lineal-lanzettlich und2 bis 4 mm breit sind und mit einem fast ebenso gestalteten, jedoch gestielten Endblättchen,besonders in der Jugend samt dem Stiel sehr lang behaart, später verkahlend. Stengelaufrecht, 1-blutig. Hochblatthülle dicht silberweiss behaart, in schmallineale Zipfel zerschlitzt,zur Blütezeit mindestens 1 bis 2 cm von der Blüte entfernt, aufrecht. Blüten einzeln, auf-recht, zuerst glockenförmig, später ausgebreitet, mit meist 6 schmal-eiförmigen, oft etwasspitzen, 3 bis 5,5 cm langen, dunkel- bis hellvioletten, selten weissen, aussen zottigbehaartenBlütenhüllblättern. Staubblätter zahlreich, halb so lang als die Blütenhülle. Staubkolbendottergelb. Fruchtknoten zahlreich, mit violetten, langen Narben. Früchte auf dem ver-längerten Blütenstiele länglich, behaart, mit ca. 3,5 bis 5 cm langem behaartem Griffel(Taf. 116, Fig. 5 a, c). III bis V (selten nochmals im Herbst blühend).

Ziemlich häufig an sonnigen Hügeln, auf steinigen Abhängen, Heidewiesen, inlichten, trockenen Waldungen; nur in der Ebene und mit Vorliebe auf kalkhaltiger Unter-lage. Fehlt in einzelnen Gegenden vollständig, so im grössten Teil der Alpen, in Krain,Küstenland, in West- und Ostpreussen.

Allgemeine Verbreitung: Südliches Schweden und Norwegen, Dänemark,England, Nord- und Mittelfrankreich, West-, Nord- und Mitteldeutschland (bis ins nördliche