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Bd. XVII 1899. — Ausser diesen genannten Formen sind eine ganze Reihe von Monstrositäten bekannt,welche unter sehr verschiedenen Namen in der Literatur figurieren. Die Vergrünungen (f. bracteäta) sindwohl z. T. parasitären Ursprunges. Letztere kann man in allen Abstufungen von vollständiger Vergrünungaller Kreise bis zur Vergrünung der Perianthblätter allein verfolgen (Taf. 116, Fig. 3d). Oft sitzen die 3(selten 2 oder 4) Hüllblätter direkt unter der verlaubten Blüte; auch können mehrere (2 oder 3) dreiblätterigeQuirle von Involukralblättern am Schafte vorkommen. Von den 6 Blütenhüllblättern, welche sich auf 2 Kreiseverteilen, können die 3 äusseren grünlich, kelchartig gefärbt sein. Gelegentlich sind auch die Staub- undFruchtblätter korollinisch (weiss) ausgebildet, so dass dann „gefüllte Blüten" zur Ausbildung gelangen.Sehr selten fehlen die Staubblätter (f. monöica). Ausnahmsweise entspringt in der Achsel eines Hüllblattesein Stengel, welcher 3 Hüllblätter und eine kleine Blüte trägt (m. ramösa Justus Schmidt). — Die Blütensind sämtlich schwach proterogyn. Anfangs werden die Narben von den Staubblättern überragt und sind vorBerührung geschützt. Bei fehlendem Insektenbesuch (Bienen, Fliegen, Käfer) ist spontane Selbstbestäubung leichtmöglich. Die Grösse der Blüten schwankt recht bedeutend von 40 mm Durchmesser bis nur 15 mm. DieAntheren springen sehr unregelmässig auf. Der Pollen ist weiss, elliptisch bis kugeltetraedrisch, sehr feinwarzig. Obgleich keine Anlockungsmittel wahrgenommen werden konnten, nimmt S er n and er gleichwohlan, dass diese Art einen grossen Grad von Myrmekochorie besitzt. In der Postfloration biegt sich derobere Teil des Blütenstieles um und der Fruchtstand ist während des sehr rasch beendigten Fruchtabfallesnach abwärts gerichtet. Bei der Keimung bleiben die Keimblätter in der Erde. Die auf langen Stielenstehenden Blüten neigen sich des Nachts und bei trübem Wetter nach unten, wodurch die Staub- und Frucht-blätter gegen Regen und Tau geschützt werden. — A. nemorosa ist eine sehr weit verbreitete und wenigwählerische Art, welche mit Vorliebe auf dem humosen Boden der Laub- und Nadelwälder — von derEbene bis in die alpine Region — auftritt, in Buchenwäldern (pag. 98) oft begleitet von Mercurialis perennis,Chrysosplenium alternifolium, Asperula odorata, Oxalis acetosella, Milium effusum, Paris quadrifolius, Pul-monaria officinalis, Primula elatior, Lathyrus vernus etc. Anderseits bildet A- nemorosa nicht selten eine hervor-ragende Zierde der Torfwiesen im Frühjahre, im nordöstlichen Deutschland dann zusammen mit A. ranun-culoides, Gagea pratensis und lutea. An Bachrändern wird sie oft angetroffen im Vereine mit Allium ursinum(Bd. II, pag. 229), Arum maculatum, Gagea lutea, Caltha palustris, Geum rivale, Petasites officinalis, Pri-mula elatior, Scirpus silvaticus etc. Sogar in den Dünentälern von Norddeutschland ist A. nemorosa vertreten,hier im Frühjahr neben Stellaria holostea (pag. 355), Chrysosplenium alternifolium, Gagea minima et lutea, ViolaRiviniana und silvestris etc. — A. nemorosa besitzt weitaus das grösste Gesamtareal aller Anemonen. NachUl brich müssen wir 3 getrennte Areale, das europäische, das ostasiatische und nordamerikanische unter-scheiden. In jedem der drei Gebiete tritt A. nemorosa in besonderen charakteristischen Formen (subsp.Europia Ulbrich, Amurensis Korshinsky.und Americana L.) auf. Das amerikanische Areal ist dasgrösste und zugleich formenreichste; hieher var. quinquefölia L., Lyalii (Britton) Robinson und var. Oregäna(Gray) Robinson.
1096. Anemone Baldensis : ) L. (= A. Drummondii Watson, = A. Pavoniäna Boissier,= A. alpina Scop. nee L., = A. fragifera Wulf., = Pulsatüla Baldensis Delarb.). Tiroler-Windröschen. Franz.: Anemone fraise. Fig. 672a bis e.
Ausdauernd, zur Blütezeit 5 bis 12 cm hoch, im Fruchtstadium bis 20 cm hoch.Stengel aufrecht, 1-blutig, flaumig behaart, zur Fruchtzeit verlängert. Wurzelstock fastschwarz, rundlich, absteigend. Grundständige Laubblätter langgestielt (Stiele zerstreutbehaart, später verkahlend), 3-teilig. mit gestielten, doppelt 3-teiligen Abschnitten und 2bis 3 gelappten Zipfeln (Fig. 672 a, b). Hochblätter in der Gestalt den grundständigen Laub-blättern ähnlich, meist unter der Stengelmitte, mit scheidenförmig verbreitertem Blattstiel.Blüten langgestielt, meist einzeln, etwas nickend, weiss, 2,5 bis 4 (5) cm im Durchmesser, mitmeist (6) 8 bis 10 eiförmigen, spitzen, ausgebreiteten, weissen, aussen zottig-behaarten Blütenhüll-blättern und gelben Staubblättern. Fruchtköpfchen auf sehr verlängertem Stiel aufrecht,eiförmig, mit zahlreichen flachgedrückten, schwarzbraunen, geschnäbelten, mit schmalemFlügelrand versehenen, an den Kanten kurzrauhhaarig-bärtigen Früchtchen (Fig. 672 b); letz-tere von den am Fruchtschnabel entspringenden weissen Wollhaaren eingehüllt (Fig. 672 d,e).— VI bis VIII.
*) Nach dem Vorkommen am Monte Baldo (östlich vom Gardasee).