Tafel 116.
Erklärung der Figuren.
Fig. 1. Anemone Hepatica (pag. 528). Habitus.
„ 1 a. Staubblatt (vergrössert).
„ 1 b. Einzelfrucht.
,, 1 c. /. alba-
„ 1 d. Fruchtstand.
„ 2. Anemone ranunculoid.es (pag. 520). Habitus.
„ 2 a. Staubblatt.
„ 2 b. Einzelfrucht.
„ 3. Anemone nemorosa (pag. 522). Habitus.
„ 3 a. Staubblatt.
Fig. 3 b. Einzelfrucht.
„ 3 c. Längsschnitt durch dieselbe.
„ 3d. Vergrünung.
„ 4. Anemone pratensis (pag. 538). Habitus.
„ 4 a. Einzelfrucht.
„ 5. Anemone Pulsatilla (pag. 535). Habitus.
„ 5 a. Fruchtstand.
„ 5 b. Fruchtboden nach Entfernung der Früchte
,, 5 c. Einzelfrucht.
läppten Blättchen. Blüten einzeln, langgestielt, nickend, end- oder blattwinkelständig, zu-weilen in der Mitte des Stengels mit 2 sitzenden ganzrandigen bis gelappten Tragblättern.Blütenhüllblätter 4, breitkeilig eiförmig, stumpf mit schmalem Grund, dunkelviolett oderrot, mit kahlem Mittelstreifen und breit wellig-filzigen Rändern. Honigblätter fehlend.Staubblätter kurz, gelb. Früchte rundlich, bis 1 cm im Durchmesser, kahl, mit breitemRandwulst" und kahlem, höchstens ebensolangem, schwach gekrümmtem Schnabel (Fig. 668 c).— VI bis VIII.
Im Mitteleuropa nirgends wild, jedoch häufig in Gärten zur Bekleidung von Laubenkultiviert und deshalb hie und da verwildert und fast eingebürgert, so in Schlesien (beiBreslau und Grünberg), in Franken (Tiergarten bei Appetshofen im Ries), in Steiermark(im Schlosswalde von Ober-Radkersburg), in Baden (Unterzeil auf der Insel Reichenau),bei Bern (am Aareufer unweit der Hunzikenbrücke und bei Seihofen) etc. Heimat: Süd-und Südosteuropa, Orient, Kaukasus.
CCIC. Anemone 1 ) L. Windröschen. Franz.: Anemone, passe-fleure.
Ausdauernde Kräuter oder Stauden (selten niedrige Sträucher) mit kräftigem Wurzel-stock. Grundständige Laubblätter wechselständig, 1 bis viele. Stengelständige Blätterzu 3 (seltener 4), quirlig, zu einer Hochblatthülle (involücrum) vereinigt, von der Blüte ±entfernt, den grundständigen Blättern gleich- oder anders gestaltet. Blüten 1 bis viele,endständig oder durch Verzweigung aus den Achseln der Hüllblätter cymös. Perianth-blätter kronblattartig, hinfällig, 5 bis ca. 20. Honigblätter vorhanden oder fehlend. Staub-blätter zahlreich (Fig. 669c). Fruchtknoten zahlreich (Fig. 672f), mit 1 hängenden Samen-anlage mit 1 Integument. Früchte nussartig, zuweilen von der Seite zusammengedrückt,durch den kurzbleibenden Griffel geschnäbelt (Taf. 115, Fig. c bis e; Fig. 670 d, 672 d)oder durch den bis 5 cm sich verlängernden, abstehend behaarten Griffel geschwänzt(Taf. 115, Fig, la; Taf. 116, Fig. 5c), sehr selten eine Beere (Untergattung Knowltönia).
Die Gattung, welche vielfach in die Gattungen Anemone im engeren Sinne (Griffel zur Fruchtzeitnicht verlängert. Honigblätter fehlend), Pulsatilla (Griffel zur Fruchtzeit verlängert, federig geschwänzt.Honigblätter fehlend oder ausgebildet), Hepatica (Aussenhülle der Blüte genähert, kelchartig) etc. gegliedertwird, umfasst ca. 120 Spezies, welche über die gemässigte und wärmere Zone verbreitet sind. Von diesen120 Arten fallen 76 Arten auf die Gattung Anemone sensu strictiore (davon 66 im nördlich extratropischenFlorenreich, 5 im palaeotropischen, 11 im südamerikanischen und 2 im altozeanischen) und 5 Arten auf Hepatica(vgl. hierüber Ulbrich, Eberhard. Ueber die systematische Gliederung und geographische Verbreitung derGattung Anemone L. Englers's Botan. Jahrbücher Bd. XXXVII, 1905). Oekologisch sind unsere einheimischenAnemonen teils feuchtigkeitsliebende Mesophyten (Anemone nemorosa, ranunculoides, trifolia und He-patica), teils ausgesprochene Xerophyten mit Tunica-Bildung sowie mit stark geteilten oder filzig behaarten
') Gr. aV6/UO£ (änemos) = Wind; wohl, deshalb weil die bald abfallenden Blütenhüllblätter leicht vomWinde entführt werden. Der Name ävejlövri (anemöne) erscheint zuerst bei Theophrast.