.. "»tii»i..fcA>»;wA, ■
455
mit Hähnen und Hennen verglichen: Häntje un Hentje (Ostfriesland), Hänl, Henl (Nordböhmen), Gokelund Henne (Altbayern). Auf die dunkelrote Blumenfarbe nehmen Bezug: Schwartrose (Nahegebiet),Kohlrose (Elsass), Cholrose (Schweiz), Blutrose (Harz, Altbayern, Oberösterreich), Brandrosa, Für-rose (Schweiz). Auch gegen Krankheiten findet unsere Pflanze (bezw. die Samen) mannigfache Verwendung,so gegen den „Schreck" des kleinen Kindes (eclampsia infantium), gegen Ohnmacht und gegen Gicht; eineKette aus den Samen („Krallen" ■= Korallen) hängt man den kleinen Kindern um, damit sie leichter „zahnen".Schreckrose (Nahegebiet), Schreckhorn (Nassau); A'machtsblome (Bremen), Gichtrose (Elsass,Schweiz), Tänkrallen, Kinnerperlen [die Samen] (Mecklenburg), Chinde(n) - w e-Blue m, Chindli-wehrose (Schweiz). Eine grosse Gruppe bilden die Benennungen, die nichts weiter als (oft bis ins Un-kenntliche gehende) Verstümmelungen des lat. „paeonia" sind. Dahin gehören z.B. Pegunje, Pujenge,Bijönje, Bugenjen, Böginnen, Bugeinis, Pegonis (Nordwestdeutschland), Bigonje, Bigenge,Bigonnie, Bujenge (West- und Ostpreussen), Put elj enblau me (Braunschweig), Butünje (Westfalen),Battenjen (Thüringen), Budenden (Gotha), Partening (Erzgebirg). Patonirose, Pitonirose (Steier-mark), Bedauna, Betannirosn (Oberösterreich), Buttonirosn, Botennarosn, Bor do nne r r osn(Niederösterreich), P etoniken (Gottschee); Matönj e (Göttingen). Zu Babb elrues (Gotha), Bobl (Böhmer-wald), Bobberrosen (Oberösterreich), Pappelrosn vgl. Malva [oder zu Pumpelrose?], zu Klapprosen(Eifel), Klatschrose (Westpreussen) Papaver Rhoeas!
Die Gattung umfasst ca. 15 Arten, welche besonders in Zentral- und Ostasien zu Hause sind. Ausder Mittelmeerflora strahlen die beiden folgenden Arten an mehreren Stellen in die Karstheide und Südalpenaus. Mehrere Arten werden, besonders mit gefüllten Blüten, als „Pfingstrosen" (Fig. 634), sehr oft in Gärtengezogen und zwar ausser P. corallina und P. foemina die folgenden Arten: P. tenuif ölia L., mit feingestieltenBlättern, einheimisch vom Kaukasus und Südrussland bis Siebenbürgen (diese Art ist im südlichen Russlanddurch' Ankauf einer 100 ha grossen Steppenfläche geschützt), P. albiflöra Pall. aus China, Sibirien,Himalaya und Japan, mit oberseits glänzenden Blättern, P. anömala L. aus Nordrussland, Sibirien, China,P. Wittmanniana Stev. (Persien, Krim) mit gelben Blüten, P. Moütan Sims (japanisch Phonzo Zoufou)in China und Japan, im Gegensatz zu den vorhin genannten (krautigen) Arten strauchig und Diskus denFruchtknoten oft fast ganz einschliessend. Von letzterer prächtigen Art, deren Blüten von Jahr zu Jahrschöner werden, sind zahlreiche Farbenvarietäten bekannt, so z.B. Beauty of Canton (hellrosa, gefranst), ColonelMalcolm (dunkellila), Elisabetha (karminlachsfarben), Jeanne d'Arc (zartlachsfarben mit Silberschein), KaiserLeopold (weiss, innen zartlila), Mme. Stuart Low (feurig-lachsfarben), Rosamunde (zartsalmrosa) etc. P.D elawäyiFranchet aus China, ist gleichfalls strauchig. Die getrockneten Blüten (flores Paeoniae)von P. foemina dientenfrüher als Teesurrogat.
1. Abschnitte der Laubblätter ganzrandig. ungeteilt. Fruchtknoten meist 5 (Fig. 635 a)
P. corallina nr. 1053.
1*. Abschnitte der Laubblätter in 2 oder 3 ganzrandige, ca. 1 cm breite Lappen endigend (Fig. 635b).Fruchtknoten 2 bis 3 (Fig. 633 e, f)............•......P. foemina nr. 1054.
1053. Paeonia corallina 1 ) Retz. (= P. officinälis ß mäscula L., = P. mas Garsault,
= P. integra Murr., = P. integrifölia Link). Grossblätterige Pfingstrose. Franz.:
Pivoine male; engl.: Coralline Paeonv. Fig. 635a.
Ausdauernd, krautartig, bis 50 cm hoch, mit rübenförmig verdickten, knolligen,gegliederten Wurzelfasern. Stengel aufrecht, krautig, kahl, unverzweigt, 1-blutig, beblättert.Laubblätter doppelt 3-zählig, mit kahler, dunkelgrüner, glänzender Oberseite und mit hellgrüner,meist fein behaarter Unterseite. Blattabschnitte länglich-lanzettlich, spitz, ganzrandig, dermittlere deutlich keilförmig. Kelchblätter 5, grün, breit-eiförmig, sich deckend, bleibend.Kronblätter 5 bis 8, 4 bis 5 (6) cm lang, breit-eiförmig, + unregelmässig ganzrandig, tiefpurpurrot, selten weisslich oder gelblich. Staubblätter zahlreich, am Grunde zu einem dieFruchtblätter nur am Grunde umgebenden Drüsenring verwachsen, gelb. Fruchtknotenmeist 5, getrennt, in der Jugend dicht goldgelb behaart, später verkahlend, mit kurzen,breiten Narben. Balgfrüchte gekrümmt, wagrecht abstehend. Samen rund, glatt, glänzend,bis 8 mm dick, zuerst rot, später dunkelblau, zuletzt tiefschwarz. — (III) IV, V.
Sehr selten an lichten buschigen Abhängen, in Holzschlägen; wild einzig im süd-lichen Oe st erreich.
*) Korallenartig; die Samen sind zuerst rot und werden oft zu Ketten („Krallen") vereinigt.