Druckschrift 
3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
Entstehung
Seite
443
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

443

und Laubblätter vorhandenen Gerbstoffschläuche oder alkaloidhaltigen Zellen betrachtet werden. Da dieSchnecken nur die epidermalen Gewebeschichten bis zur Zone der alkaloidführenden Schläuche, nicht abedie starken Endigungen der Leitbündel abzufressen vermögen, gelangen dadurch oft unregelmässig spitz ge-zähnte Laubblätter zur Ausbildung. Wie bei verschiedenen andern Wasserpflanzen (Chara. Ceratophyllum,Potamogeton) sind die frisch aus dem Wasser genommenen Seerosenblätter nicht selten mit einer Kalk-inkrustation versehen, welche offenbar durch Zerlegung von Calciumbicarbonat infolge der Assimilation entstandenist. Ebenso finden sich die Spaltöffnungen nur auf der Blattoberseite (den untergetauchten einfachen oder geteilten[Cabomba] fehlen sie vollständig) und zwar kommen bei Nymphaea pro 1 qmm 460, pro Blatt ä 2,59 qdmU,5 Millionen Spaltöffnungen. Auch dann, wenn~die Seerosenblätter sich über die Wasserfläche erheben, bildensich gleichwohl auf der Unterseite keine Spaltöffnungen aus. Nymphaea alba bildet wie Nuphar luteum(zuweilen beide gemischt) in der Verlandungszone der Seen und Teiche nicht selten eine charakteristischeSeerosenzone" (vgl. Bd. I, pag. 274). Moorgräben können von Seerosen zuweilen vollständig ausgefüllt sein.

Die sehr grossen, weissen, schwach wohlriechenden Blüten enthalten keinen Honig, produzieren abeisehr viel Blütenstaub (Pollenblumen"). Sie sind tagsüber von Morgens 7 Uhr bis Nachmittags 4 Uhr geöffnet.Wie bei der folgenden Art kommen auch bei N. alba, (allerdings sehr selten) halbgeöffnete Blüten vor. DieBestäubung wird durch Fliegen und Blumenkäfer, für welche die Blüte eine Herberge darstellt, vollzogen.Die Staubbeutel beginnen am Tage des Aufblühens oder einen, seltener einige Tage später sich zu öffnen.Gelegentlich können auchsubmerse" Laubblätter (vgl. Nuphar) konstatiert werden. Die Blüten- und Blattstiele sindsehr biegsam und mit grossen Lufträumen ausgestattet (Taf. 109, Fig. 2 c, d). Die Samen besitzen einen sack-artigen, sie lose umschliessenden, lufthaltigen Samenmantel (Fig. 626e bis h). Zur Zeit der Fruchtreife löst sichdie ganze Frucht vom Stiele ab, die Wände zerreissen und ein kugeliger Klumpen von Samen mit schleimigerUmhüllung bleibt übrig. Dieser vermag infolge des Luftgehaltes auf der Wasserfläche zu schwimmen. Nachund nach löst sich der Klumpen auf, der Samenmantel verschwindet und die ziemlich schweren Samen sinkenauf den Boden. Bei der Keimung bleiben die Kotyledonen unter der Erde. Von Monstrositäten wurden alsSeltenheitenDoppelblüten" (2 Blüten an einem Stiele) sowie vergrünte Blüten, ferner solche mit 3- oder 5-bis 7-zähligem Kelch beobachtet. In neuerer Zeit werden die Blüten vielorts zu Kränzen (Trauerbuketts)verwendet. In Oberbayern und Schwaben-Neuburg sowie im Kanton Aargau ist deshalb das gewerbsmässigeSammeln von N. alba, Nuphar luteum und pumilum polizeilich verboten. Eigenartige mit Goldspiralen ver-zierte, zu Kränzen gewundene Nymphaeaceenstengel wurden nach Wittmack in einem Hügelgrab zu Pergamonaufgefunden. Es handelt sich um einen bisher wohl völlig unbekannten Kultus. Kraut und Wurzelstock derNymphaea- und Nuphar-Arten enthalten Gerbstoff und werden hie und da zum Gerben verwendet. Der jungeWurzelstock ist zudem reich an Stärke.

1048. Nymphaea Candida Presl (= N. alba L. var. oocärpa Caspary, = var. oligostigma

Caspary, = N. biradiäta Sommerauer, = N. punctata Karel. et Kiril, = N. pauciradiäta

Bunge, = Castälia Candida (Presl) Schinz et Thellung, = C. alba Wood var. minor DC,

= C. biradiäta Hayek, = Leuconymphsea Candida O. Kuntze). Fig. 626 i und k.

Aehnlich nr. 1047. Ausdauernd. Wurzelstock kriechend, sehr lange, bis zumWasserspiegel reichende Blatt- und Blütenstiele entwickelnd. Eaubblätter eirundlich mit+ genäherten bis übereinandergeschlagenen, stumpfen bis spitzen Basallappen. Blütenachsemit gerundeten Ecken bis schwach 4-kantig, hervortretend. Kelchblätter 4, grün, länglich-eiförmig, längere Zeit bleibend. Kronblätter weiss, 15 bis 18 (20), allmählich in die Staub-blätter übergehend, die äusseren nur wenig länger als der Kelch. Die innersten Staubblätterlanzettlich, etwas verbreitert (Fig. 626 k). Pollenkörner fein höckerig, ohne Stacheln (Fig. 626 i).Fruchtknoten halbkugelig bis kurz-eiförmig, ziemlich weit hinauf von den Staubblätternbedeckt. Narbe + konkav, gelb, oft purpurn, mit eiförmigem bis zapfenförmigem Zentral-kegel und 6 bis 20 Narbenstrahlen. Frucht rundlich-eiförmig bis eiförmig, nicht oderunregelmässig aufspringend. VII bis IX.

Zerstreut in stehenden oder langsam fliessenden Gewässern (besonders in Moor-gräben und Moorseen) der Ebene (zuweilen wohl übersehen).

In Deutschland ziemlich verbreitet westlich bis zum Rhein (Elsass-Lothringen, Pfalz), östlich bisWestpreussen (bis zur Weichsel im Kreise Flatow). In Oesterreich vereinzelt in Böhmen (verbreitet),Mähren, Niederösterreich, Steiermark (Gaishornsee und Triebener Lache), Salzburg (Uttendorf im Pinzgau) und

82*