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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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Alsine verna, welche oft als ein alpiner oder arktisch-alpiner Typus angesehen wird, wird richtigerder mitteleuropäischen Flora zugezählt. Denn die Art ist fast über ganz Europa allerdings mit Bevorzugungder gebirgigen Teile verbreitet. Auffallend ist, dass A. verna im westlichen und mittlem Teile der Alpen(Schweiz, Bayern) ausschliesslich auf die subalpine und alpine Region beschränkt ist, während sie im östlichen Teilin der Ebene und in den Vorbergen angetroffen wird. Hervorzuheben ist ferner noch die grosse Anpassungs-fähigkeit an den Boden (äusserstbodenvag"). Denn wir finden A. verna sowohl auf Kalk und Dolomitwie auch auf Glimmer- und Tonschiefer, Gneis, Granit, Porphyr, Kupferschiefer, Rotliegenden, Zechstein, Gal-meiboden etc. Ausser den ausgeprägt proterandrischen Zwitterblüten kommen besonders im Hochgebirgegynomonoecische und gynodioecische, kleinere Blüten vor. Auch rötliche und gefüllte Blüten wurden schongelegentlich beobachtet; die letztern sind in der Kultur konstant. Als Bestäuber kommen in den Alpen Fliegen,einzelne Käfer, Ameisen und Schmetterlinge in Betracht.

Fig. 615. Alsine verna Wahlenb. a Habitus einer Alpen form (natürl. Grösse). Alsine Villarsii Mert. et Koch, b Habitus

(natürl. Grösse), c Blütenlängsschnitt, d Kelchblatt, e Kapsel mit Kelch. Honckenya peploides Ehih. /, g Samen von

aussen und im Schnitt, i Wachstumszunahme des Stengels infolge Erhöhung des Sandbodens (nach Warming und

Graebner). k Stengelquerschnitt (ep = Epidermis; rp Rindenparenchym; end Endodermis; ph = Phellogenschicht;

cbCambium; Ib ~ Leitbündel; m Mark. Schematisiert nach Brick). Arenaria serpyllifolia L. h Samen.

1014. Alsine recürva Wahlenb. (= Minuärtia recurva Schinz et Thellung, = Arenariarecurva All., = Tryphane recurva Rchb.). Krummblätterige Miere. Fig. 613c bis h.

Ausdauernd, 2 bis 20 cm hoch, dichtrasig, oft polsterbildend, blühende und nicht-blühende Sprosse treibend. Stämmchen liegend, ästig, auch verholzt, schwärzlich. Blüten-stengel aus niederliegendem Grunde aufrecht, einfach, entfernt beblättert, kahl, meist1- bis 3- (seltener viel-) blutig. Laubblätter pfriemlich-lineal, dick, meist sichelförmigund nach einer Seite gekrümmt, am Grunde in eine längere Scheide verwachsen, getrocknet3-nervig. Blüten geöffnet 5 bis 12 mm im Durchmesser, auf sehr dünnen, 5 bis 15 cmlangen, aufrechten, drüsig-flaumigen Stielen. Kelchblätter eilanzettlich, lang zugespitzt, un-deutlich 5- bis 7-nervig, 4,5 mm lang, grün oder häufig violett überlaufen. Kronblätterweiss (sehr selten rötlich), elliptisch oder eiförmig, stumpf, am Grunde ziemlich plötzlichin einen sehr kurzen Nagel zusammengezogen (Fig. 613 g), so lang oder länger als derKelch. Kapsel eikegelförmig, wenig länger als der Kelch (Fig. 6131). Samen nierenförmig,matt, braun, schwach punktiert, 1,2 mm breit, am Rücken abgeflacht. VII, VIII.

Zerstreut auf Moränen, Felsen, kiesigen Stellen, im Gerolle der Hochalpen, vonca. 1700 bis 3100 m; selten tiefer (bei Ratzes in Südtirol herabgeschwemmt 1200 m, ander Moll bei Sagritz 1000 m). Besonders auf Urgestein, selten auf Kalk.

Fehlt in Deutschland gänzlich. In Oesterreich zerstreut in Tirol, Steiermark (Rothkofel beiTurrach; angeblich auch auf dem Krebenze bei St. Lambrecht), Kärnten (Ziethen, Rodresnock, Torwand,Raibl [auf Galmeihalden], an der Moll bei Sagritz) und Salzburg; für Vorarlberg sehr fraglich. In derSchweiz in den Zentralalpen auf Urgestein ziemlich verbreitet.