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CCLXIII. Cerästium 1 ) L. Hornkraut. Franz.: Ceraiste; engl.: Mouse-earchick weed; ital.: Cencio-molle, orecchie di topo, peverina.
Ein- oder mehrjährige, meist behaarte Kräuter, seltener Halbsträucher, mit einfachenoder gabelartigen Zweigen. Laubblätter gegenständig, ganzrandig, ungestielt. Blüten zwitterig,meist in endständigen lockeren Trugdolden, seltener einzeln, in der Regel 5-, seltener 4-zählig(Fig. 601 b). Tragblätter krautig oder + hautrandig. Kelchblätter hautrandig. Kronblätter weiss,ungefähr bis zur Mitte 2-spaltig oder spitz ausgerandet. Staubblätter meist 10 (seltener 5 oder 4),einem Drüsenring eingefügt. Griffel 5 (Fig. 602 i, 603 f), selten 4 (Fig. 601 c) oder 3 (Fig. 600 b, c,g).Fruchtkapsel 1-fächerig, zylindrisch oder kegelförmig, meist hornartig gekrümmt (Taf. 105,Fig. 1 a, 2a, 5b; Fig. 600d,h), länger als der Kelch, an der Spitze mit 10 (8) kurzen, gleichlangenZähnen aufspringend; letztere entweder gerade oder nach aussen umgerollt (Fig. 600d, h,Fig. 605 i). Fruchtknoten kahl oder sehr selten (C. grandiflorum) im unteren Teil behaart.Samen zahlreich, zusammengedrückt, kugelig oder nierenförmig, körnig-warzig (Taf. 105,Fig. 2d; Fig. 602 e, f). Keimling fast ringförmig (Fig. 603n, o).
Die Gattung, deren Systematik noch sehr im Argen liegt, umfasst ca. 40 z. T. äusserst polymorpheArten, welche namentlich in der Behaarung und Drüsigkeit stark variieren. Auch die Samen können für dieSystematik kaum verwendet werden, da die Papillen der Samenhaut je nach dem Alter verschieden gestaltetsind. Im jugendlichen, turgeszenten Zustande sind sie stark vorgewölbt, später sinken sie zusammen. DieCerastien sind vorzugsweise in der nördlich gemässigten Zone verbreitet. Einzelne Arten repräsentieren weit-verbreitete, gemeine Ruderalpflanzen oder Ackerunkräuter, so besonders C. glomeratum und C. caespitosum. Mehrereteilweise sehr grossblütige Arten gehören den Alpen an. Arktisch-alpin sind C. cerastoides und alpinum, endemisch-alpin C. latifolium (auf Kalk), C. uniflorum, pedunculatum (beide auf Urgestein) und C. Carinthiacum. Aeusserstverbreitet in den Zentralalpen ist ferner die subsp. strictum von C. arvense (Fig. 606). Adventiv wurden ausserC. tomentosum gelegentlich einzig C. camp anulätum Viv. aus Südeuropa und Kleinasien aus der Verwandt-schaft von C. silvaticum (Hafen von Mannheim 1884; Bahnhof Zürich 1902, jedoch nicht im Wallis) sowie C. di ch6 -t o n u m L. aus dem Mittelmeergebiet aus dem Verwandtschaftskreis von C. semidecandrum und tetrandrum (Rüders-dorf bei Berlin 1894) angetroffen. Kultiviert werden als Zierpflanzen in Gärten einige weissfilzige Arten, vorallem C. tomentosum L. sensu strictiore (pag. 376), selten auch C. candidi's s imum Correns, C. grandi-florum Waldst. et Kit. aus den Küstengegenden der östlichen Adria (wie C. candissimum mit verzweigtenHaaren), C. argenteum Bieb. aus Westasien und C. Bieberstefnii DC. aus Taurien (die beiden letzterenwie C. tomentosum mit einfachen Haaren). Die Untergattung Dichodon Boiss., zu welcher die beiden ein-heimischen Arten C. anomalum und cerastoides gehören, weist 3 Griffel und aufrechte oder abstehende Kapsel-zähne (Fig. 600 d,h) auf und verbindet dadurch die beiden Gattungen Cerästium und Stellaria miteinander.
Die Blüten sind weiss und meist proterandrisch mit halbverbogenem Honig, der wie bei den GattungenStellaria und Malachium am Grunde der Staubblätter abgesondert wird. Verschiedene Arten sind gyno-dioecisch; die weiblichen Blüten sind dann stets kleiner und haben verkümmerte Staubblätter. Ebenso kannbei ausbleibendem Insektenbesuch leicht spontane Selbstbestäubung erfolgen. Mehrfach sind tetramere Blüten(C. arvense), apetale Formen sowie vergrünte Blüten — wohl hervorgerufen durch ein Insekt (Psylla Cerastii) —konstatiert worden. Ebenso wurden schon 3-gliedrige Wirtel an Stelle eines Blattpaares beobachtet.
Griffel in der Regel 3 (Fig. 600b, g)..................... 2.
Griffel in der Regel 5 (Fig. 603 f), seltener 4.................. 3.
Ausdauernde Alpenpflanze.Tragblätter und Kelch kahl od. fast kahl (Fig. 600c, d) C. c e r a s t o i d e s nr.970.
Einjähriges Kraut. Tragblätter und Kelch drüsig-flaumig (Fig. 600h). C. anomalum nr. 971.
Kronblätter klein (höchstens 8 mm lang), wenig länger, gleichlang oder kürzer als der Kelch,
selten auch fehlend......•......
3*. Kronblätter, besonders diejenigen der weiblis o lang als der Kelch............
4. Alle Tragblätter krautig, besonders an der Spitze abstehend behaart........ 5.
4*. Tragblätter wenigstens zum Teil hautrandig (Fig. 601 i, k, s), an der Spitze kahl .... 7-
5. Blüten normal 5-zählig.......................... 6-
5*. Blüten 4-(oder nur ausnahmsweise 5-) zählig (Fig. 601b, c). Einzig auf den Friesischen Inseln und
auf Helgoland......................... c - tetrandrum nr. 974.
J ) Gr. yJga^ [keras] = Hörn; nach den hornförmig gebogenen Fruchtkapseln.
1.
1*.
2.
2*.
3.
hen Blüten, gross (über 8 mm lang), mindestens l'/s mal................ 9.