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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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Fig. 564. Agrostemma Githago L. a Samenkapsel.b, c Keimstadien. Viscaria vulgaris Rcehling. (/Samen-kapsel im geöffnetem Kelch, e Drüsenhaare des Leimringes(Vergrössernng 250fach). f Blütendiagramm (nach Eichler).

behaart. Kapsel hart, länglich, ungestielt, einfächerig, an der Spitze in 5 (selten 4) Klappenaufspringend, länger als die Kelchröhre (Fig. 564 a). Samen nierenförmig, gegen den Nabelkeilförmig verschmälert, schwarz, 3 bis 3,5 mm im Durchmesser, mit reihenweise angeordnetenWarzen besetzt (vgl. Einleitung Fig. 51 c, d). VI bis IX.

Häufig und verbreitet in Getreidefeldern (gelegentlich auch in Kleefeldern oderverwildert), von der Ebene bis in die Voralpen (im Oetztal bis 1533 m, Mortitsch inFassa 1500 m, ob Casaccia in Graubünden [Gerstenäcker] bis ca. 1520 m, Saas-Fee imWallis 1800 m, Chandolin 1980 m).

Die Heimat der Kornrade, welche zur Zeit nirgends wild vorkommt(vgl. pag. 273), ist wahrscheinlich imMittel-meergebiet zu suchen. Heute ist sie aber in ganzEuropa, im gemässigten Asien(östlich bis zumBaikalsee), inNordamerika(soll hier erst 18/9 aufgetreten sein), Algier, Südafrika Australien und Neu-Seeland aber immer nur auf Kulturland

weit verbreitet. In Mitteleuropa stellt sie eingefürchtetes,ungern gesehenes Unkraut der Getreidefelder dar, welchessich bis an die obere Grenze des Getreidebaues verfolgenlässt und zuweilen in Unmenge auftritt. In Tirol wurdeneinmal 50 Exemplare auf dem Quadratmeter festgestellt,demnach mindestens 500 000 Pflanzen mit ca. 72 MillionenSamen auf den Hektar. Ziemlich allgemein wird ange-nommen, dass die Samen giftig (sie enthalten bis 6,56 °/oeines giftigen glykosidischen Saponins von der Formel2 Ci7 H28 O11) sind und dem Getreide beigemischt demMehl schädliche Eigenschaften mitteilen sollen. DasGift ist ausschliesslich im Keimling, in den Keimblätternund in der Radicula enthalten. Nach Winkelmann(bei Ascherson) wird das Mehl dadurch minderwertig,dass es bei Anwesenheit von Agrostemma-Samen zu-sammenklebt und im GebäckWasserstreifen" erzeugt.Vielerorts werden deshalb die Samen durch besondereReinigungsmaschinen aus dem Getreide entfernt. Während die Samen an Rinder ohne merklichen Schadenverfüttert werden, können Schweine dieselben nicht ertragen. Verkohlte Samen kennt man bereits aus denPfahlbauten der Jüngern Steinzeit (Robenhausen); diese stimmen in der Grösse mit den heutigen überein. Auchvon Pompeji und aus der Karhofhöhle in Westfalen (Hallstadt, germanische Zeit) sind solche bekannt. Heutegehört die Kornrade neben der Kornblume und dem Feuermohn zu den auffallendsten Erscheinungen unserer Getreide-felder, namentlich der Kornfelder. Häufig ist sie daselbst mit andern Unkräutern vergesellschaftet, so mit Nesleapaniculata, Lithospermum arvense, Lamium purpureum und amplexicaule, Spergularia arvensis, Vicia hirsuta,und sativa, Lathyrus tuberosus. Ranunculus arvensis, Adonis aestivalis, Delphinium consolida, Caucalis daucoides,Euphrasia Odontites, Sinapis arvensis, Melampyrum arvense, Anagallis arvensis, Raphanus Raphanistrum,Erysimum cheiranthoides, Cirsium arvense, Rumex crispus und Acetosella, Reseda lutea, Polygonum Convolvulusund aviculare, Sherardia arvensis, Myosotis intermedia, Veronica Buxbaumii, hederaefolia, polita, agrestis,arvensis und triphyllos, Galeopsis Tetrahit, Scleranthus annuus, Melandrium album, Papaver Argemone, Trifoliumarvense, Capsella Bursa pastoris, Thlaspi arvense, Geranium dissectum, Erophila verna, Equisetum arvense,Erodium cicutarium, Stellaria graminea, Knautia arvensis, Specularia speculum, Campanula rapunculoides'Valerianella olitoria, Alchemilla arvensis, Anthemis arvensis, Camelina sativa, Fumaria officinalis, Euphorbiaexigua, Gypsophila muralis, Sonchus arvensis, Matricaria inodora, Lycopsis arvensis, Setaria glauca und viridis,Agrostis Spica venti, Bromus mollis, Linaria minor, Arenaria serpyllifolia etc. Selbstredend wechseln dieBegleitpflanzen stark nach der Höhe, Bodenunterlage etc. In Mähren finden wir z. B. nach Laus in Getreide-feldern neben der Kornrade vielfach noch Rapistrum perenne, Erysimum repandum, Salvia nemorosa undverticillata, Bupleurum rotundifolium, Allium rotundum, Nonnea pulla, Atriplex Tataricum (pag. 247), Hibiscus-Trionum, Achülea collina, Anthemis Austriaca, Crepis rhoeadifolia, Conringia Orientalis, Caucalis daucoides,Euphorbia falcata und virgata etc., also verschiedene südosteuropäische Arten. Die Kornrade ist als eineproteranderische bis homogame Tagfalterblume zu bezeichnen. Die Kronröhre ist eng, die Krone purpurrot,gefärbt und besitzt auf der Platte als Saftmal weissliche Blasen, dunkelpurpurne Linien und dunkelblaue Flecken.Bei ausbleibender Fremdbestäubung können die Staubfäden zu den Narben emporwachsen, wodurch als Not-behelf Selbstbestäubung eintreten kann. Die Blüten schliessen sich weder bei Nacht noch bei schlechtemWetter. Ausser Zwitterblüten kommen auch kleinerblütige Formen vor mit stärker entwickelten Fruchtblättern,und weniger ausgebildetem Saftmal. Die grossen Samen besitzen keine besondern Verbreitungsmittel. Abänderungen