180
Von den zahlreichen aufgestellten Formen mögen als wichtigste genannt sein: var. multifidus L.DC. Spiessecken der Laubblätter handförmig 2- bis vielteilig, mit lanzettlichen oder linealen, oft fädlichenZipfeln (Häufig). — var. integrifölius Wallr. Laubblätter nicht spiessförmig schmal, länglich, lanzettlichoder linealisch, nach dem ganzrandigen Grunde zu verschmälert oder kurzzähnig (Verbreitet). — var. angio-cärpus (Murbeck). Innere Fruchtblätter der nicht ausfallenden Frucht dicht anliegend (scheinbar verwachsen)und so lang wie dieselbe (vornehmlich in südlichen und wärmeren Gegenden, so in Niederösterreich, Kärnten,Krain, Ungarn, Böhmen und Thüringen). — var. rubropunctätus Beck. Fruchtklappen mit zahlreichenroten Drüsen besetzt. — Der kleine Sauerampfer erscheint in Kleeäckern, auf sandigen Triften, in Torfmooren,auf Aufschüttungen als ein lästiges Unkraut, dessen geselliges Vorkommen durch die an den Wurzeln reichlichvorkommenden Adventivsprosse bedingt wird. Starkes Auftreten dieser Art ist stets als ein Zeichen vonKalkmangel des betreffenden Bodens anzusehen; denn R. Acetosella fehlt im allgemeinen auf einem kalkhaltigenSubstrat. Er ist als eine schlechte Futterpflanze anzusehen, welche höchstens für Schafe ein geeignetes Futterliefern kann. Wie die folgende Art erzeugt sie beim Vieh, wenn in grösserer Menge genossen, durch Oxal-säurevergiftung leicht Durchfall. Mehrfach wurde R. Acetosella auch als Ueberpflanze auf Weiden etc. an-getroffen. Andrerseits stellt er sich gern auf Maulwurfshügeln sowie auf frühern Kohlenmeilern ein, an letztererStelle zuweilen in Begleitung von Senecio silvaticus, Epilobium angustifolium, Urtica dioeca, Veronica officinalis etc.
829. Rumex Acetösa L. (— Läpathum Acetösa Scop., = L. pratense Lam.). Grosser
Sauerampfer. Franz.: Oseille commune, o. sauvage, o. des pres, grand oseille, surelle,
surette, vinette; engl.: Sorrel; ital.: Acetösa, saleggiola. Taf. 92, Fig. 1.
Das Wort Ampfer (ahd. ampfaro, mhd. ampfer) ist ursprünglich nichts anderes als ein Adjektivum,zu dem das Substantivum (Würz, Kraut) zu ergänzen ist, vgl. niederländ. amper = scharf, bitter, und schwed.amper = sauer, bitter. Man vermutet, dass das lat. amärus (= bitter) mit dem deutschen Worte Ampfer urverwandtist. Die Bezeichnung „Sauerampfer" für R. Acetösa ist also eine „Tautologie", da „Ampfer" und „sauer"ungefähr dasselbe bedeuten. Dieser Name erleidet in den verschiedenen Mundarten die mannigfachsten Ver-änderungen. Einige derselben sind: Suramp (Westpreussen), Surampel (Nordthüringen, Westfalen),Sauerampf'n (Oesterreich), Sauampfer (Böhmerwald), Sauerämpfela (Schwäbische Alb), Surampfle(Graubünden). Surampala (St. Gallen); Surhamfel, Surhampflete (Elsass), Surhampfle (Aargau,Zürich), Surhampfera (St. Gallen), Hampfelisur (Aargau); Sauerrampfer (Gotha), Sauerrampf(Thüringen), Sauerranzen, Sauranzen (Henneberg); Sau-Pompfer, Sau-Pflompfer, Saustompfer,Zauzompfer (Böhmerwald). An den Bezeichnungen Suredampf (Aargau), Sauersenf (Henneberg),Sauersanf (Gotha), Surisenf (Aargau) [von „Senf"!]; Sauerhanf (Schlesien), Sauerhefl (SchwäbischeAlb) hat die nie rastende Volksetymologie ihren Anteil. Andere Benennungen sind: Sauere Lumpe (Anhalt),Sauerlump (Riesengebirge, Nordostböhmen, Schlesien), Haderlump (Nordostböhmen), Sauerlond(Böhmerwald); Sauerkraut (Böhmen), Shauerkraut (Krain: Gottschee), Surchrut (Aargau); Suer-maasch (thüring. Niederhessen), Saueramorsch (Böhmerwald); Sauerwein (Schweiz: Henggart); Süer-keb laden (Ostfriesland); Süern, Süerken, Süertjes, Sürelkes (Nordwest!. Deutschland), Sürlink,Suren (Westfalen), Sür (Pommern), Saierling (Nahegebiet), Sure, Sürlig, Sureni (Schweiz). Wie diemeisten, lediglich von Kindern gegessenen wildwachsenden Pflanzen (vgl. Oxalis Acetosella, Tragopogon pratensis)wird auch der Sauerampfer mit dem Kuckuck in Verbindung gebracht: Kuckucksbrod (Oldenburg),Gugotzakraut (Oberösterreich), Guggisur, Gugger-Chrut, Surigogger (Schweiz). Die zahlreichenSamen unserer Pflanze werden gerne mit Läusen verglichen, ja die Kinder sagen, dass der Genuss der Samender Ampferarten diese Parasiten erzeuge, daher in der Schweiz: Lüsarä (Waldstätten), Lusampfara (St. Gallen),die Blüten und Früchte: Lüsch (Appenzell, Zürich), Lüs (St. Gallen). Nach den rötlich gefärbten Stengelnheisst die Pflanze (vgl. Polygonum aviculare: Isern Hinrik, Chenopodium bonus Henricus: Guter Heinrich,Lytrum Salicaria: Stolzer Heinrich): Roen Hinrik, Roden Hinnerk (Westfalen: bei Minden), RoodeRidder (Ostfriesland). Im romanischen Graubünden gelten die Bezeichnungen: arschücla, fögl' ascha,vangias (Unterengadin), arschoulas (Bergün), uschievlas (Oberengadin), pan cuc (Unterengadin), schülas(Heinzenberg), pandalkük, schigula (gilt auch für Rumex arifolius), im Tessin (auch für nr. 828 und 832)pancucch oder panicüca.
Ausdauernd, 30 bis 100 cm hoch. Wurzelstock ästig, mehrköpfig, mit langenFasern. Stengel aufrecht, gestreift, beblättert, kahl oder wie die ganze Pflanze papillösflaumig. Laubblätter pfeilförmig, dicklich, etwas fleischig, mit undeutlichen Nerven, sauerschmeckend, meist 2 bis 3 cm breit, die untern lang gestielt, elliptisch-länglich, am Grundeherz-, spiess- oder pfeilförmig, mit meist nach abwärts gerichteten Spiessecken, ganzrandig,