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Nicht selten in feuchten Gebüschen (besonders in den Erlenbrüchen), Hecken, anWaldrändern, an Flussufern, Zäunen, von der Ebene bis in die Alpentäler (Trins imGschnitztal in Tirol 1300 m, Parpan in Graubünden 1500 m, Lötschental im Wallis 1540 m).Fehlt auf den Friesischen Inseln (auf Norderney eingeschleppt).
Allgemeine Verbreitung: Gemässigte Zonen der alten und neuen Welt.
Diese sehr wichtige Kulturpflanze wird in Deutschland mindestens seit dem 8. Jahrhundert gepflanzt(angebaut wird immer nur die weibliche Pflanze!). So wird der Hopfen aus den ersten Jahren des 9. Jahrhundertsin dem Palyptychon des Irmino erwähnt; nach den Urkunden des Stiftes Freising (Oberbayern) kommen daselbstum die Mitte des 9. Jahrhunderts Hopfengärten vor. Auch der hl. Hildegard und Albertus Magnus war derHopfen bekannt. Aus Schlesien wird er aus dem Jahre 1204 erwähnt. Später verbreitete sich der Anbau so sehr,dass dafür im Sachsen- und Schwabenspiegel besondere Rechtsbestimmungen getroffen werden mussten. Diebeiden schon seit alters her Hopfen bauenden Länder sind Böhmen und Bayern. Der grösste Hopfenmarkt derErde ist Nürnberg. Die besten Hopfen-Sorten stammen aus Böhmen, wo der Hopfen seit dem 14. Jahrhundertbesonders in dem Streifen von Auscha gegen Raudnitz (in der Auschauer Gegend nehmen die Hopfengärten1582 ha Fläche ein!), ferner bei Saaz, Pilsen, Leitmeritz, Falkenau, Melnik, Dauba im grossen gebaut wird.In Bayern wird Hopfenbau südlich der Donau namentlich in der Holledau (Wolnzach, Mainburg) betrieben,nördlich der Donau um Spalt, Hersbruck, Lauf, Langenzenn, Altdorf, Neustadt, Hochstedt, Feuchtwangen etc.Der bayerische Hopfen ist im allgemeinen kräftiger, aber weniger fein als der böhmische. Allgemein bekanntist namentlich der Spalter Hopfen. Ausserdem wird Hopfen in Baden (geschätzt ist der Schwetzinger Hopfen),in Württemberg (besonders im Schwarzwaldkreis) gebaut, ferner im Unter-Elsass, in der Altmark (Gardelegen),in Posen (Neu-Tomysl), in Nordwestdeutschland (im Ammerland, um Hamburg), in Mähren (erst seit Ende des19. Jahrhunderts), in Steiermark (bei Neuhaus und im Cillier Becken bei Hochenegg, Cilli, Sachsenfeld, Prassberg),in Kärnten (im grossen um St. Veit), in England, Belgien, Frankreich, Nordamerika. In der Schweiz findensich nur wenige Hopfenanlagen (im Bezirk Yverdon). In Deutschland sind ca. 38 000 Hektar mit Hopfen bepflanzt,wovjon 24 374 Hektar allein auf Bayern fallen. Der Hopfen verlangt eine nach Süden offene Lage und einen leichterwärmbaren Boden; besonders geeignet sind Sandmergel-Böden. Er wird im Herbst durch sogenannte „Fechser",d. h. 12 bis 18 cm lange letztjährige Stammstücke mit 4 bis 5 Augen vermehrt (seltener durch Wurzelfechser).Die Pflanzen werden dann an Stangen (kostspielig) oder an Drähten gezogen; im Frühjahr müssen sie geschnittenund gut gedüngt werden. Der kultivierte Hopfen, welcher zuweilen durch wilden Hopfen (Dolden grösser, aberweniger gewürzhaft!) verfälscht wird, liefert keinen Samen, ist dagegen sehr reich an Drüsen. Seine Verwen-dung in der Bierbrauerei geht ungefähr auf das 16. Jahrhundert zurück. Bis dahin waren unter anderem dieBlätter von Myrica Gale (vgl. pag. 11) als Bitterstoff benützt worden. Der Hopfen verleiht dem Bier den bitternund aromatischen Geschmack und erhöht dadurch, dass er die Entwicklung der Milchsäurebakterien hemmt,dessen Haltbarkeit. Die wichtigen Stoffe, welche auch medizinisch verwendet werden, finden sich in den soge-nannten „Hopfen- oder Luplindrüsen" (gländulae Lüpuli). Diese sind namentlich auf den Fruchtschuppen undPerigonblättern der Fruchtzapfen (Strdbuli Lüpuli) stark vertreten. Wie die Entwicklungsgeschichte lehrt, gehen dieDrüsen aus einzelnen Epidermiszellen hervor (Fig. 5021 bis q). Im fertigen Zustande (Fig. 502 r) stellen siekreisel- oder hutpilzartige, kurzgestielt-schüsselförmige Gebilde von 0,14 bis 0,25 mm Durchmesser dar. Deruntere Teil zeigt ein Gewebe aus kleinen, polyedrischen, derbwandigen, reihenförmig gestellten Tafelzellen, währendder obere Teil aus der durch die Absonderung einer gelben Harzsubstanz abgedrängten und stark aufgewölbtenCuticula gebildet wird. Nicht selten sind die Abdrücke der Innenzellen der Schüssel an dem Häutchen nochzu erkennen. Beim Abschütteln, Absieben oder Abklopfen der Fruchtstände fallen die Drüsen (Fig. 502 r) abund bilden im frischen Zustande ein grünlichgelbes, klebriges, später gold- oder braungelb werdendes Pulver,das Hopfenmehl oder Lupulin, welches einen eigenartigen, durchdringenden, etwas an Baldriansäure erinnerndenGeschmack besitzt. Die Droge enthält 2,25 (1 bis 3)°/o ätherisches Oel (mit dem Sesquiterpen Humulen; danebenMyrcen, Geraniol, Linalool, Linalysononylat sowie ein Diterpen), 55 °/o Harz, 10°/« Bitterstoff, 5 °/o Gerbstoffferner Cholin, Asparagin und das narkotische Alkaloid Hopei'n. Das ätherische Oel enthält Valerol, aus welchemmit der Zeit Baldriansäure entsteht. Die Droge (Pharm. Austr., Helv.) wird bei Blasenleiden, Pollutionen,Gonnorrhoe, bei gastrointestinalen Affektionen, Magenkrämpfen, bei nervöser Atonie, Darmneurosen, Kardialgien,sowie als Diuretikum, Sedativum (zur Beruhigung), Hypnotikum und Narkotikum angewendet. — Die biegsamenStengel, welche einerseits bandartige, flache, an den Enden abgerundete, grosslumige, andrerseits englumige undscharf zugespitzte, bis 10 mm lange Fasern enthalten, werden in einzelnen Ländern zu Leinwand (Russland)oder zu Stricken, Matten, Säcken (Schweden) verarbeitet. Die fleischigen unterirdischen Sprosse liefern eineSpeise, welche im Frühjahr ähnlich dem Spargel als Hopfensalat gegessen wird. Im Süden werden dieseauch der Minestra beigegeben. Von dem Kultur-Hopfen existieren zahlreiche Sorten, so unter anderen; FeinerSpalter, Elsässer, Auschauer, Aischgründer, Wolnzacher, Grossweingarter, Steiermärker, Saazer etc. Nach der Zeit