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3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
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2-blättrig, glockenförmig, später zurückgeschlagen. Hieher 46 Sorten, die nach der Form der Nüsse in dieOrdnungen der Platt-, Rund- und Langnüsse geschieden werden. Der Name Zellernüsse soll von dem KlosterZell bei Würzburg herrühren. Stammpflanze ist C. Avellana var. Pöntica (K. Koch) Winkler. III. Lamberts-nüsse (auch Langbartsnüssegeheissen). Stammpflanze ist C. maxima (vgl. pag. 71). IV. Bastardnüsse. Hierhandelt es sich um Kreuzungen zwischen C. Avellanaund maxima. V. Amerikanis che Haselnüsse. Früchtesehr klein, platt oder seitlich flach gedrückt, mit ungemein dicker und harter Schale. Stammpflanzen sind ameri-kanische Haselnusssträucher (namentlich C. AmericanaWalt., C. rostrdta Ait). VI. Baumhaselnüsse. Früchtegleichfalls klein, mit sehr dicker und fester Schale. Stammpflanze ist C. Colurna (vgl. pag. 71)- Corylus Avellanaist auf etwas fruchtbaren Böden fast überall - in der Regel aber in untergeordneter Einmischung, seltener vor-oder alleinherrschend anzutreffen; arme Sand- und Sumpfböden meidet der Strauch im allgemeinen (kommtzwar gelegentlich in den Schwarz-Erlen-Beständen vor). Während er nördlich der Alpen gern als Unterholz inBuchen- und Eichenwäldern (im Süden auch in Kastanien- und Grau-Erlenwäldern) wie auch am Saume vonFichtenwäldern auftritt, nimmt er am Südfuss der Alpen bis über 1300 m nicht selten einen hervorragendenAnteil an der Zusammensetzung der Buschvegetation, wo er bis 90°/o des Buschwaldes ausmachen kann undder Landschaft ein charakteristisches Gepräge verleiht. Hier findet er sich häufig in Gesellschaft von Populustremula, Ostrya (pag. 69), Rosa rubrifolia, abietina, glauca etc., SorbusAria, Berberis vulgaris, Crataegus monogyna,Cytisus Laburnum und hirsutus, Cornus sanguinea, Fraxinus excelsior, Clematis vitalba, Luzula nivea, Orchismaculatus, Listera ovata, Rumex scutatus, Silene nutans, Italica, rupestris und venosa, Dianthus vaginatus,Medicago lupulina, Potentilla argentea, Chaerophyllum aureum, Pimpinella saxitraga, Laserpitium latifolium,Daucus Carota, Geranium sanguineum und nodosum, Brunella vulgaris, Calamintha Clinopodium, Melittismelissophvllum, Lamium Orvala (stellenweise), Verbascum Chaixii, Symphytum tuberosum, Galium aristatumoder rubrum, Achillea millefolium, Cirsium Erisithales, Carduus defloratus, Prenanthes purpurea, HieraciumPilosella und murorum etc. Nach den Studien von Robert Keller dürfen wir den Haselbuschwald, welcherteils durch die Bewirtschaftung des Menschen, teils durch die Wirkung des Weidganges entsteht, als einekünstliche, zoogene (durch Tiere stark beeinflusste) Pflanzengenossenschaft bezeichnen. Im Karstwalde findetsich C. gleichfalls häufig als Ober- oder Unterholz vor neben Celtis, Pistacia Terebinthus, Rhamnus fallax, Rosarepens, Pirus communis, Prunus spinosa, Mahaleb und Morasca, Acer Monspessulanum, Colutea, Lonicera Etrusca,Fraxinus Ornus, Tilia cordata, Viburnum Opulus etc. C. Avellana ist zweifelsohne eine spät-tertiäre (pliozaene)Art, von welcher im Oligozän (C. avellanoi'des Engelhardt, C. insi'gnis Heer) und im Jüngern Tertiär (C. Mac QuärriiHeer) nahestehende Formen existierten. Die letztere Art wird geradezu als Vorläufer unserer heutigenHaselnuss betrachtet, die sich im Pliocaen zur C. Avellana ausgestaltet haben soll (vgl. hierüber die interessanteArbeit von Rob. Keller. Die Haselstr'auchformation der Punta di Larescia [Mitteil, der naturforschend.Gesellsch. Winterthur 1904], in welcher sich auch ausführliche Literaturangaben über die Phylogenie undheutige Verbreitung der Haselnuss vorfinden). Gelegentlich an unserem Haselstrauch auftretende atavistischeBlattrückschläge weisen auch auf den genetischen Zusammenhang zwischen C. Avellana und der miocaenenC. Mac Quarrii hin. Zahlreiche Funde (Blätter) Hegen ferner aus dem Diluvium (Quartär, Pleistozän) vonNorddeutschland, Frankreich, Dänemark, Schweden, Schottland etc. vor, und zwar konnte die Haselnuss inallen vier von Gunnar Andersso n aufgestellten postdiluvialen Vegetationsperioden (Periode der Birke, derKiefer, Eiche und der Buche) nachgewiesen werden; ebenso findet sie sich in den interglazialen Fundstellenvon Hoetting, Pianico-Sellere etc. In Schweden reichte Corvlus im Postglazial bedeutend weiter nach Norden. DieKultur der Haselnusssträucher ist eine sehr alte. Schon von den Kulturvölkern des Abendlandes wurden gewisseArten angebaut. Auch von den naturwissenschaftlichen und landwirtschaftlichen Schriftstellern der Griechen undRömer, wie Theophrast, Palladius, Cato, Plinius, Vergil, werden Haselnüsse erwähnt, ohne dass wir aber genauwüssten, um welche Arten es sich hierbei handelt. Reste von Corylus Avellana wurden auch in Pompeji (79 n. Chr.)nachgewiesen (Wittmack), ebenso in der römischen Niederlassung Vindonissa (Schweiz). Heutzutage bildetdie Haselnuss namentlich im Süden und Osten von Europa einen wichtigen Handelsartikel. Im nördlichenAnatolien (Hauptmarkt Kerasunt) wurden im Jahre 1903 228 580 Zentner Nüsse geerntet. Ebenso versendet,wie im Altertum, die Stadt Avellino noch heute ganze Schiffsladungen. Grössere Kulturen befinden sich auchin Böhmen (auf den Schwarzenbergschen Gütern und in Calsot bei Reuding), im Piemont und in Spanien.Die Haselnuss dient als Dessertobst und kann im Haushalt vielfach die Stelle von Mandeln vertreten. Einepikante Delikatesse bilden die geschälten und in Oel gesottenen Haselnüsse, welche in manchen Städten vonMitteleuropa von Italienern zubereitet und alsnoces" feilgeboten werden. Aus den Früchten wird ein wohl-schmeckendes, fettes Speiseöl (Nussöl; ca. 60 %) hergestellt, welches in der Oelmalerei sowie in der Parfümeriegeschätzt ist. Das heiss gepresste Oel kommt als Brenn- und Maschinenöl in den Handel und findet in derSeifenfabrikation Verwendung. Das weiche, feine, gut spaltbare, aber wenig dauerhafte Holz wird zu Fass-reifen, zu Klärspänen in der Bier- und Essigfabrikation, in der Drechslerei und Tischlerei, zur Herstellung desschwarzen Schiesspulvers sowie zu Brenn- und Zeichenkohlen verwendet. Die Ruten liefern Material zu