Druckschrift 
3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
Entstehung
Seite
40
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

I

40

Fig. 460. Sal ix 1 i vi da Wahlenb. aSterilerSpross ( J /:i natürl. Grösse), b Zweig mitmännlichen Kätzchen, c Männliche Blütemit Tragblatt, d Zweig mit weiblichenBlüten, e Weibliche Blüte mit Tragblatt.

755. Salix lfvida Wahlenb. (= S. depressa L., = S. vagans Anderss., = S. StarkeänaWilld., = S. bicolor Fries). Bleiche Weide. Fig. 460 und 452g.

Meist niedriger, 20 cm bis 1 m hoher, aufrechter,dünnästiger Strauch (seltener baumartig). Zweige lang,dünn, grünlich oder braun, kahl, glänzend (junge Triebekahl oder kurz grau-behaart). Knospenschuppen rötlich,kahl. Laubblätter gestielt (Stiel bis 0,5 cm lang), rundlich-eiförmig bis länglich (Fig. 452 g), spitz oder mit kurzer,gefalteter Spitze, am Grunde keilförmig oder zuweilenetwas herzförmig, 2 bis 4 cm lang, 1 bis 2 cm breit, wellig-gesägt oder gekerbt, nach dem Grunde zu ganzrandig,in der Jugend kahl oder seidig bis filzig behaart, späteroberseits etwas behaart oder kahl, sattgrün, glänzend, unter-seits kahl bis filzig (var. cinerascens), grau-behaart, hellgrünbis blaugrün, beim Verwelken braun werdend. Adernetzweitmaschig, nicht scharf hervortretend. Nebenblätter ge-wöhnlich stark ausgebildet, halb-nierenförmig, grob gesägt.Kätzchen aufrecht, (oft nur kurz) vor den Blättern er-scheinend, schlank zylindrisch, 1 bis 3 (5) cm lang, ca. 1 (2) cmdick, etwas lockerblütig, mit grau-behaarter Achse. Trag-blätter zweifarbig, gelb, an der Spitze rotbraun, lang be-haart. Staubblätter 2, frei, viel länger als das Tragblatt(Fig. 460b), kahl oder am Grunde spärlich behaart. Frucht-knoten sehr lang gestielt (Stiel 4 bis 6 mal so lang als die hintere Drüse), klein, aus eiförmigemGrunde pfriemlich (Taf. 460 e), später sehr verlängert, meist anliegend graufilzig behaart,

seltener kahl. Griffel kurz. Narben ausgerandet oder geteilt, aufrecht-abstehend. __ IV V.

Selten und zerstreut auf Mooren, Sumpfwiesen, in Brüchen; fast nur im nord-östlichen Deutschland. Fehlt in Oesterreich und in der Schweiz gänzlich.

In Deutschland in Ostpreussen (am häufigsten im Kreise Memel und in Masuren), in Westpreussen(Kr. Strasburg, Schwetz, Tuchel, Thorn, Stuhm, Bereut, Konitz), Posen (Kr. Bromberg, Hohensalza, Schubin,Czarnikau, Posen-Ost, Schrimm), sehr vereinzelt in Brandenburg (angeblich bei Sommerfeld), in Schlesien(Gr. Tschirnau bei Guhrau; vielleicht eingegangen), in Baden (zwischen Donaueschingen, Sumpfohren, Gut-madingen, Dreilerchen und dem Himmelberg) und auf der bayerischen Hochebene (Truderinger Waldspitze beiMünchen). Fehlt in Oesterreich und in der Schweiz wohl vollständig. S. livida, die in der Aus-bildung der Blätter ziemlich veränderlich ist und daher neuerdings (ob mit Recht?) in mehrere Formen ge-gliedert wird, tritt in Deutschland am häufigsten in Ostpreussen auf, wo sie in zahlreichen Wiesenmoorenmeist mit S. aurita und repens Bastarde bildend vorkommt. Auf einem Moore im Kreise Schwetz beiMiedzno wurde der erste Bastard (nach Scholz) auch ohne die Eltern aufgefunden. An andern Stellenerscheint S. livida, wie z. B. am Abrauer-See im Kr. Tuchel, in Hochmooren, in Gesellschaft von Trollius.Cnidiumvenosum, Pedicularis sceptrum Carolinum, Betula humilis, Swertia perennis, Centaurea Phrygia, Thalictrumaquilegifolium, Gymnadenia conopea, Radiola linoides, Pirola rotundifolia, Piatanthera bifolia, Listera ovata,Euphrasia Rostkoviana, Tofieldia calyculata, Trisetum llavescens (nebst der subvar. variegatum), Calamagrostisneglecta etc. Gelegentlich tritt sie in den Mooren auch auf den aus Heidesand bestehenden und teilweise miterratischen Blöcken bedeckten Hügeln in Begleitung von Juniperus communis und Genista tinctoria auf (nachPreuss). Ueber die Begleitpllanzen dieser Art bei München vgl. Bd. II. pag. 271.

Allgemeine Verbreitung: Skandinavien (nördlich bis zum Torneä-Lappland),nordöstliches und südliches Deutschland, Russland (nördlich bis zum Enare-Lappland, Kolaund bis zum arktischen Ural), nördliches Asien (vom Ural durch ganz Sibirien bisKamtschatka, Turkestan, Mandschurei), Nordamerika (vom arktischen Gebiet südwärts bisPennsylvanien und Minnesota, Rocky Mountains), Gebirge von Colorado, Nordarizona etc.).