Druckschrift 
3 (1912) Dicotyledones : (I. Teil)
Entstehung
Seite
38
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

38

oder länger als der Fruchtknoten), aus schmal-eiförmigem Grunde lang verschmälert,dicht filzig (Fig. 458 c), oft zurückgebogen. Griffel sehr kurz« Narben 2-lappig, ab-stehend. IV bis V.

Häufig an Ufern der Gebirgsbäche, an Waldrändern, an feuchtschattigen Abhängen,in Schluchten, auf Schutthalden, an Quellen, zwischen Legföhren, Erlen der Alpen undVoralpen (bis 2200 m hinaufsteigend). Mit Vorliebe auf Kalk.

S. grandifolia ist in der ganzen Alpenkette, allerdings hauptsächlich in der subalpinen und montanenRegion, beheimatet. In höheren Lagen tritt sie mit Vorliebe in den Beständen der Grünerle oder im Krumm-holz auf. An zahlreichen Stellen steigt sie innerhalb des Gebirges mit den Bächen in die Talsohle hinab(bis ca. 500 m), findet sich zuweilen auch in den Buchenwäldern; auf der oberbayerischen Hochebene geht siebesonders in den grossen Flusstälern ziemlich weit nach Norden (bis Memmingen, Maria Einsiedel ob München,Kirchheim Bez. Tittmoning und bis Laufen an der Salzach). Im Karst findet sie sich in tiefen Lagen in denDolinen. Ausserhalb der Alpen erscheint S. grandifolia im Schweiz. Jura und sehr vereinzelt im Schwarzwald(Feldberg), im Württemberg. Allgäu (Höll im Oberamt Waldkirch), auf der Schwab. Alb (ein männlicher Strauchzwischen Frittlingen und Gosheim im Oberamt Speichingen), im Bayerischen Wald (Rachelseewand 1180mund Riesloch am Arber 956 m) sowie im westlichen Böhmerwald (oberhalb des Schwarzen- und Plöckensteiner-sees). In den Sudeten (wird dort durch nr. 751 ersetzt) und in den Vogesen fehlt sie vollständig. Ausserdemselten angepflanzt (z. B. im Schleissheimer Park und [früher] im Englischen Garten bei München). Aendert ab:var. lancifölia Wimm. Blätter breit-lanzettlich, spitz, nach dem Grunde zu lang-verschmälert. var.fagifölia Wimm. Blätter gross, breit-oval, an beiden Enden abgerundet. var. microphvlla O. Buser.Laubblätter 2 bis 6 cm lang. var. cineräscens O. Buser. Laubblätter beiderseits flaumhaarig. f. parvaToepffer. Nur 10 bis 15 cm hohes, reich verzweigtes Sträuchlein. Blätter 20: 12 mm (die grössten derSommertriebe 30 : 15), kahl oder mit zerstreuten Härchen, nur die untersten und die jungen Triebe fein-seidig.Weibliche Kätzchen 25 mm lang und 7 mm dick, kurz gestielt, von 2 laubblattähnlichen Blättchen gestützt(Hochalpen). Die Blätter von S. grandifolia sind zuweilen wie nr. 750 (vgl. Fig. 450 c) ganz bedeckt vonkraterähnlichen Pockengallen einer Gallmilbe (Oligotrophus capreae).

Allgemeine Verbreitung: Pyrenäen, Apenninen (bis Kalabrien), Alpen (vonder Dauphine bis Niederösterreich und Kroatien), Jura, Karpaten, Siebenbürgen, Balkan;Russland ?

753. Salix albicans Schleicher (= S. stipuläris Bonj. nee Sm., = S. grandifolia Ser.B. albicans Ser., = ßlanätaGaud., = var. pubescens Anderss.).Weissfilzige Weide. Fig.452f.

2 bis 3 m hoher, aufrechter, vom Grunde oder erst von der Mitte an verästelterStrauch. Junge Triebe wollig-filzig. Zweige stark knotig, weiss-, später beinahe schwarz-filzig, der Filz lange bleibend. Laubblätter in der Jugend dicht weiss-wollig, später ± ver-kahlend oder nur längs des Mittelnerven etwas stärker behaart, ziemlich dünn (dünner als beinr. 752), beim Vertrocknen etwas schwärzlich werdend, breit-eiförmig (Fig. 452 f), länger alsbreit, 3 bis 7 cm lang, mit 9 bis 14 entfernt stehenden Seitennerven. Adernetz weitmaschig,oberseits nicht eingesenkt (eher vorspringend), unterseits schwach vortretend. Kätzchenlockerblütig, länger zylindrisch als bei nr. 752. Staubblätter 2, dicht behaart. Frucht-kätzchen bis 7 cm lang und bis 1,5 cm dick. Fruchtknoten filzig. Stiel kürzer als derFruchtknoten, nicht zurückgebogen. V, VI (blüht ca. 1 Monat später als nr. 752).

Sehr selten an felsigen Stellen, auf Alluvionen der Alpen der Schweiz und von Tirol.

In der Schweiz sehr vereinzelt im Kanton Waadt (am Gletscher des Martinets bei Pont de Nants,ca. 2000 m), im Wallis (Creux de Dzeman ob Collonges; beim Rhonegletscher ?), im Tessin (Piano-Becaro)und im Oberengadin (Delta von Isola am Silsersee: Hegi). In Oesterreich als Seltenheit in Nord-Tirol (Längentalbei Lisens, 19001960 m). S. albicans ist eine ziemlich kritische Weide, die keinen ausgesprochenen, eigenenHabitus besitzt. Vielmehr hat sie eine entfernte Aehnlichkeit mit S. grandifolia und glauca. Aus diesem Grundewurde sie schon mehrfach (von Wimmer, Wichura, Arvet-Touvet, Camus) als Bastard S. grandifolia X glaucaoder S. grandifolia X nigricans angesprochen, während sie von andern (Seringe, Andersson) für eine Form von S.grandifolia gehalten wird. Bus er hält sie entschieden (Schedae zu Dörfler, Herb, normale, XXXIII [1897]