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Staubblättern (Taf. 82, Fig 2a). Staubbeutel vor dem Verstäuben rot, später gelb.Weibliche Blüten mit nur 1 (hintere) Drüse. Fruchtknoten kurz gestielt, aus eiförmigemGrunde kegelförmig verschmälert, in der Regel kahl. Griffel sehr kurz (Taf. 82, Fig. 2b),an der Spitze gabelig-geteilt. Narbe kurz, geteilt. — VII, VIII.
Häufig auf steinigen Triften, mageren Weiden, an Felsen, in feuchten Rasen, aufGeröllhalden, in Runsen, Muhren, Erdabrissen der Alpen, Voralpen und des Schweiz. Jura(Dole, Noiremont, Mont Tendre, Lande etc. bis zum Chasseral, von ca. 1200 bis 1680 m), vonca. 1700 bis 2500 m (am Gornergrat im Wallis noch bei 3000 m); auf Kalk- und Urgestein.
Allgemeine Verbreitung: Pyrenäen, Alpen (von den Seealpen bis Nieder-österreich), Jura, Karpaten (von Rozudec bis Banat), Balkan, Apenninen, Hochgebirge vonSchottland, Altai.
Aendert im Gesamthabitus und in der Form der Blätter stark ab; die verschiedenen Formen bildendurch Uebergänge eine gleitende Reihe: var. vulgaris Wimm. (= var. genüina Rchb., = var. integrifoliaKerner, = var. denticulata Kerner). Exemplare von mittlerer Grösse, mit lang kriechenden, oft wurzelndenAesten. Laubblätter 8 bis 20 mm lang und 5 bis 8 mm breit, stumpf oder ausgerandet (an Blatttrieben aberauch spitz). Kätzchen reichblütig (mehr als 10 Blüten). Drüsen der männlichen Blüten ungleichlang. Staubbeutelin der Jungend rot (Verbreitet). — var. Kitaibeliäna (Willd.) Rchb. (= var. multifiora Gaud.). Wuchs kräftiger.Stämmchen bis 30 cm lang, aufrecht oder liegend. Laubblätter ziemlich gross, 15 bis 32 mm lang, 5 bis10 mm breit, stumpf oder spitz, nicht selten gesägt (Karpaten, in den Alpen selten). — var. rotundäto-oboväta Rob. Keller. Blätter rundlich-verkehrteiförmig, mit 7 bogig zum Rande verlaufenden Nervenpaaren,die z. T. durch Anastomosen verbunden sind. Blattrand ganz oder selten selbst 1 is über die Mitte drüsig gezähnelt(Tessin: Bleniotal). — var. pilösula Beck. Blätter am Rande bewimpert (In Bosnien beobachtet; vielleichtauch in den Alpen anzutreffen). — var. trichocärpa Buser. Fruchtknoten behaart. — Wichtiger ist diesubsp. serpyllifölia (Scop.) Seringe (= var. microphvlla Schur). Quendelblättrige Weide. Taf. 82, Fig. 3. Wuchskleiner, viel gedrungener, ganz niederliegende Rasenpolster bildend. Zweige dicht beblättert. Laubblätter kleiner,sehr kurz gestielt, spitzlich, 4 bis 10 mm lang und ca. 3 mm breit, ganzrandig (Fig. 4511) oder am Grunde klein gesägt.Kätzchen klein (bis 0,5 cm lang), wenigblütig (3 bis 8 Blüten). Drüsen lang, schmal, fast linealisch (Taf. 82,Fig. 3 b). — S. retusa bewohnt ohne Unterschied des Substrates fast die ganze Alpenkette, von ca. 1700 man aufwärts. An zahlreichen Stellen lässt sie sich — auch in der Unterart serpyllifölia — bis in die Vor-berge (Schnebelhorn 1295 m und Dürrspitz 1179 m im Zürcher-Oberland; Bernegg bei St. Gallen) oderinnerhalb der Alpen bis in die Talsohlen hinab verfolgen (Nordtirol. Achensee bis 930 m, bei Seefeld1180 m [subsp. serpyllifölia; nach Murr Glazialrelikt], Laliderertal in der Riss; Allgäu: Spielmannsau beiOberstdorf, 980 m [hier nach Bornmüller allem Anschein nach herabgeschwemmt]; Niederösterreich:Oetschergraben 500 bis 700 m). Ebenso findet siesich eigentümlicherweise in den kühlen Dohnen desKarstes (z. B. in der Eishöhle Paradano bei Görz)in Begleitung von andern alpinen und subalpinenArten, wie Salix grandifolia, Clematis alpina, Rosaalpina, Lonicera alpigena und caerulea, Mulgediumalpinum, Heliosperma quadrifidum, Paederota ageria,Valeriana saxatilis und tripteris, Saxifraga rotundi-folia und cuneifolia, Doronicum Austriacum etc.(nach Beck). S. retusa liebt in den Alpen im all-gemeinen frische, etwas beschattete Stellen; auf denWeiden tritt sie zuweilen in grösseren Beständenauf und nimmt dann besseren Pflanzen, ohne indessenwesentlich zu schaden, den Platz weg. Von denSchafen werden die Blätter gelegentlich abgeweidet.Auf steinigen, beweglichen Böden ist sie von grossemNutzen. Sie bindet den Boden und überzieht denlosen Schutt mit ihrem verzweigten Astwerk in Gestaltvon grossen Strauchrasen, worin sich Humus, Schlammusw. ansammeln kann. Derartige Rasen hängen häufig
an langen, straff
gespannten „Wurzeltauen" (Schröter).
Fig. 457. Salix retusa L., aus den bayerischen Kalkalpen.Phot. Dr. G. Hegi.