26
742. Salix incäna Schrank (= S. rosmarinifölia Gouan, = S. linearis Forb., = S. ripäriaWilld., = S. Elaeagnos Scop.). Grau-Weide. Franz.: Säule drape, S. ä feuilles
cotonneuses; ital.: Salice ripajuolo, Vetrice bianca. Taf. 80, Fig. 2, und Fig. 451 o, p.
Bis 6 m hoher, aufrechter, reich verzweigter Strauch (seltener 10 bis 16 m hoherBaum) mit langen, aufrechten, brüchigen, scheinbar gegabelten Zweigen; letztere anfangsgraufilzig, später + behaart oder kahl, nach dem Laubfall grünlichgrau und nebst denzahlreichen, stumpfen, etwas flaumigen Knospen meist rot überlaufen. Laubblätter lineal-lanzettlich bis schmal-lineal, 6 bis 14 mal so lang als breit (Fig. 45lo, p), 5 bis 12 cm lang undbis 10 mm breit, zugespitzt, gegen den Grund zu verschmälert, ± fein drüsig-gesägt oderwellig geschweift, am Rande ± umgerollt, anfänglich beiderseits weissfilzig, später oberseitsfast kahl, schmutzig dunkelgrün, unterseits mit Ausnahme der vorragenden, kahlen, gelbenoder rötlichen Mittelrippe dicht weissgraufilzig. Nebenblätter in der Regel fehlend.Kätzchen vor oder gleichzeitig mit den Laubblättern hervorbrechend, schlank, zylindrisch, fastsitzend, meist gekrümmt. Männliche Blüten mit nur 1 (hinteren) kurzen, rundlich-nieren-förmigen Drüse. Tragblätter abgerundet, am Rande gewimpert oder kahl, oft gleichfarbig,gelb bis gelbgrün oder die der weiblichen Blüten oben etwas rötlich. Staubblätter 2. Staub-fäden in der Regel unten oder bis zur Mitte verwachsen, unten behaart (Taf. 80, Fig. 2 c),doppelt so lang als das Tragblatt. Fruchtknoten kahl, kurz gestielt (Stiel 2 bis 3 mal solang als die Drüse), schmal kegelförmig, mit deutlichem, dünnem Griffel (Taf. 80, Fig. 2d).Narben länglich, geteilt, abstehend. — IV. V.
Stellenweise häufig im Kies, auf Geschiebe, Schotterbänken der Bäche und Flüsse,am Ufer von grösseren Flüssen, an Böschungen, Dämmen, an felsigen, mageren Abhängen;besonders auf kalkreichem Boden (gern auf Mergel). Von der Ebene bis in die unterealpine Region (Graubünden: Sufers 1400 m und Splügen 1460 m, Campatsch 1700 m, Ofen1800 m; Tirol: Seiseralpe in Südtirol ca. 1850 m). Ausserdem hie und da angepflanzt(Brandenburg, Posen, Oberschlesien, Böhmen etc.) und verwildert.
S. incana ist namentlich in den Tä'ern des Alpengebietes (vor allem in den Kalkalpen) stark ver-breitet ; hier tritt sie häufig als Begleiterin der Wasserläufe — oft in Gesellschaft von andern Weiden(namentlich nr. 740 und 741), von Alnus incana oder von Hippophaes rhamno'ides (zuweilen auch herabgeschwemmteLegföhren) — in grösseren Beständen auf. Nicht allzuselten erscheint sie in den Alpentälern auch auf vollkommentrockenem, mergeligem Sand- oder Schuttboden, in Gesellschaft von Petasites niveus, Dryas octopetala, Parnassia,Tofieldia calvculata, Erica carnea, Polygala chamaebuxus und vulgare var. pseudo-alpestre Gren.. Sorbus aria, Epi-pactis atropurpurea (Bd. I, pag. 376) etc. Ausserhalb der Alpen erscheint S. incana namentlich im Oberlaufe desRheins und der Donau; in Elsass nur in der Rheinebene (fehlt in Lothringen, im Sundgau und in den Vogesen gänzlich),in Baden in der Rheinebene, im Juragebiet und in der Bodenseegegend, in Württemberg zerstreut im Oberland, seltenim Unterland (an der Wurm) sowie an der Nagold, in Bayern besonders sudlich der Donau (nördlich davon seltenim Jura, an der Wörnitz und Schwarzach. in der Vorderpfalz zerstreut), in Mähren im Flussbett der Ostratwitzaund bei Saar und in Schlesien einzig im Teschener Kreise (Jablunkau, Teschen. Freistadt, Weichsel, Ustron, Bielitz;bei Beuthen wohl nur angepflanzt); fehlt wild in Böhmen (bei Wittingau angepflanzt). — Aendert wenig ab:var. lavandulaef ölia (de la Peyr.) Koehne (= f. angustifölia, asplenifolia, Otites, rosmarinifölia hört.). Blätterschmäler (nur 3 bis 5 mm breit). Zuweilen als Zierstrauch kultiviert; selten auch verwildert (Ursprungstal beiNürnberg). — f. monändra O. Buser. Staubfäden fast bis zur Spitze verwachsen.
Allgemeine Verbreitung: Süd-und Mitteleuropa (nördlich bis Schlesien), Kleinasien.
743. Salix viminälis 1 ) L. (= S. longifölia Lam., = S. virescens Vill.). Korb-Weide,Band-, Hanf- oder Elb-Weide. Franz.: Säule viminal, Säule ä longues feuilles, Osier blanc,vert ou noir, O. de riviere, O. des lies, engl.: Osier willow, Twiggy willow, Common osier;
ital.: Brillo, Vetrice, Vimine, Vinco, Salice viminale. Taf. 80, Fig. 1 und Fig. 451 q.
Gewöhnlich 1,5 bis 3,5 m hoher Strauch, seltener baumartig. Zweige schlank,dicht beblättert, anfangs grün, ausgewachsen von der Spitze bis auf ca. 2 / 3 ihrer Länge
') Lat. vi'men (Gen. viminis) = Rute, Flechtwerk; mit Beziehung auf die dünnen, biegsamen Zweige.
•mm!**!'