484 Otto N. Witt : Wechselwirkung zwischen der chemischen Forschung usw.
verdichtetenGase.
Chemie desWassers.
welche der früher als unantastbar betrachtete Begriff der Incoerzibilität gewisserGase über den Haufen geworfen wurde. Durch eine richtige und geschickteIndustrie der Verwendung der so gewonnenen Erkenntnis entstand die Industrie der ver-flüssigten Gase, welche man als eine Gehilfin der gesamten chemischen Technikbezeichnen kann. Wie große Bedeutung dieselbe in dem inzwischen ver-flossenen Vierteljahrhundert gewonnen hat, wie heute sogar die flüssige Luftnicht mehr das interessante Resultat eines Vorlesungsversuches, sondernschon seit Jahren ein wichtiges und viel verwendetes technisches Hilfsmittelgeworden ist, das ist zu allgemein bekannt, als daß es in dieser kurzen Darstel-lung in seinen Einzelheiten geschildet werden sollte.
Das Wasser ist sicher der älteste Bundesgenosse des Menschen bei seinergewerblichen Arbeit. Wenn wir heute erkennen müssen, daß wir Jahrtausendegebraucht haben, ehe wir gelernt haben, die gewaltigen Kräfte uns voll z u "nutze zu machen, mit denen das Wasser auf seinem Kreislauf beladen wird)so verdanken wir die Möglichkeit des erzielten Fortschrittes auf diesem Ge-biete lediglich einer zielbewußten Anwendung der Ergebnisse wissenschaftlicherForschung.
Aber auch die an sich so einfache Chemie des Wassers ist dem Menschenaußerordentlich lange verhüllt geblieben. Ich meine nicht bloß die Zusammen-setzung des Wassers aus den in ihm verbundenen Elementen Wasserstoff undSauerstoff. Die Ergründung dieser Zusammensetzung fällt zusammen mit derEntstehung der modernen chemischen Wissenschaft überhaupt. Technischwar von nicht minder großer Bedeutung die von der Wissenschaft geschaffeneund allmählich zum Gemeingut gewordene Kenntnis der Verunreinigungen)die das Wasser in seinem Kreislauf aufnimmt und in seinen verschiedenenErscheinungsformen mit sich führt.
Daß verschiedene Arten des Wassers in ihrem Wesen sehr verschiede»sein können, das hat schon das Mittelalter erkannt und von dieser Tatsach esogar manchen Gebrauch gemacht. Eine kritische Auswahl des für technischeZwecke erforderlichen Wassers aber ist doch erst auf Grund quantitativeranalytischer Methoden möglich geworden. Wie wir heute wissen, daß selbstdas früher für ganz rein gehaltene, in Form von Regen und Schnee aus derAtmosphäre herabfallende Wasser in einem gewissen Gehalt an Ammoniurfl-nitrit eines der wichtigsten Nährmittel der Pflanzenwelt auf den festen Erd-boden herabträgt, geradeso kennen wir auch die nützlichen und schädlichenWirkungen, welche diejenigen Substanzen hervorbringen, die das Wasser be'seiner Wanderung durch die feste Erdrinde aufnimmt. Wir wissen, daß derKesselstein, jenes unbequeme, Wärmeverluste verursachende und unter Um-ständen sogar höchst gefährliche Inkrustationsprodukt unserer Dampfkessel)den Kalk- und Magnesiumsalzen des Kesselspeisewassers seine Entstehungverdankt, wir wissen aber auch, durch welche Maßnahmen wir seine Bildungvermeiden können. Wir kennen auch die wohltätige Wirkung, die der Kai»'und Magnesiagehalt des Wassers in vielen seiner Verwendungen ausübt, kurz»wir können unser für technische Zwecke bestimmtes Wasser zweckmäßig auS"