426 O. Kellner und H. Immendorff: Beziehungen der Chemie zum Ackerbau.
Verbindungen des Kalkes mit Humusstoffen oder Silikaten der Säurebildung
entgegen.Absorpstions- Die Ackererde besitzt die Eigenschaft, aus Lösungen, die man durch sieVorgänge im hindurchlaufen läßt, gewisse Stoffe aufzunehmen und festzuhalten. Schon zu
Boden. ' b
Zeiten des Aristoteles war es bekannt, daß Meerwasser trinkbar wird, wennman es durch Erdfilter hindurchfließen läßt. Die Ursachen dieser Erscheinungsind freilich erst in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts näher er-forscht worden. Das Verdienst, die Aufmerksamkeit zuerst auf unseren Gegen-stand gelenkt zu haben, gebührt dem Italiener Gazzeri. H. S. Thompsonerkannte dann (1845) zuerst, daß Lösungen von kohlensaurem und schwefel-saurem Ammoniak bei ihrem Durchgang durch die Ackererde ihres Ammoniak-gehaltes bis auf Spuren beraubt werden und daß schwefelsaures Ammoniakdabei in schwefelsauren Kalk umgewandelt wird. Den Schlüssel zur Erklärungdieser Erscheinungen fand Th. Way. Er beobachtete, daß Lösungen von kohlen-saurem, salzsaurem und salpetersaurem Ammoniak oder Kali von tonreicherAckererde zerlegt werden, und daß, während das Ammoniak oder Kali fest-gehalten wird, die Säuren, größtenteils an Kalk gebunden, in Lösung bleiben.Dagegen wurde aus phosphorsauren Salzen auch die Phosphorsäure festge-halten. Da künstlich hergestellte Doppelsilikate, zeolithischer Natur, die Ton-erde und Kalk enthielten, genau dieselben Absorptionserscheinungen erkennenließen wie tonige Ackererden, so schloß Way, daß zwischen den Lösungen derKali- und Ammoniaksalze und den Doppelsilikaten durch die chemischenAffinitäten ein Austausch äquivalenter Mengen von Basen bewirkt wird, derart,daß Kali und Ammoniak von den Silikaten chemisch gebunden werden, währendKalk und Magnesia sich mit den Säuren der einwirkenden Lösungen vereinigen-Sand, der keine derartigen Doppelsilikate enthält, besaß auch kein Absorptions-vermögen.
So einfach, wie es nach den Way sehen Untersuchungen der Fall zusein scheint, liegen nun die Ursachen der Absorptionsvorgänge nicht. Dieweitere Forschung hat vielmehr gelehrt, daß man es hier mit sehr viel ver-wickeiteren Erscheinungen zu tun hat und daß nicht bloß manigfache chemischeVorgänge und physikalische Verhältnisse wesentlichen Einfluß ausüben, sondernauch die Art der Bodenbestandteile und die chemische Form der hinzutretendenVerbindungen, nicht zum mindesten auch die Konzentration dieser Verbindungeneine wichtige Rolle spielen. Im allgemeinen hat man alle Absorptionserschein-ungen lediglich als die Folgen der sich im Boden abspielenden, auf den Gleich-gewichtszustand der chemischen und physikalischen Kräfte gerichteten Vorgängeaufzufassen.
Außer den Doppelsilikaten, die größtenteils kolloider Natur sind, beteilige 11sich an der Absorption im Boden das auch in Form des Gels vorkommendeEisenhydroxyd, das Gel der Kieselsäure und die Humussubstanzen. Bei denDoppelsilikaten erfolgt die Absorption durch Auswechslung der Basen, doenkönnen die Silikate kolloider Natur, sowie das Gel der Kieselsäure auchfreie Alkalien, freie alkalische Erden und Ammoniak aus ihren Lösungen und