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Vorlesungen über chemische Technologie
Entstehung
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Zellulose. — Kunstseide.

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Die Herstellung solcher Fäden, die nun als künstliche Textilstoffein großem Umfange Verwendung haben, wurde im Jahre 1884 voneinem Franzosen, Comte Chardonnet, ins Leben gerufen. Er stelltesich die Aufgabe, die Arbeit der Seidenraupe, welche den Seidenfadenspinnt, indem sie eine schleimige Masse aus ihren Kopfdrüsen hervor-drückt, nachzuahmen.

Es gelang ihm zuerst unter Benutzung eines Zelluloseesters, desZellulosenitrats, und zwar der unter dem Namen Kollodium bekanntenLösung dieses Esters. Wenn man diese Lösung durch eine feineÖffnung in Wasser treten läßt, so bildet sich ein seidenartig glänzenderFaden; ist die Lösung gefärbt worden, so ist es der Faden ebenfalls.

Durch Verbesserung der Einrichtung, namentlich durch Verstärkungdes Drucks, welcher die Masse aus Öffnungen von 8 /ioo mm Durch-messer ununterbrochen und langsam hervortreten läßt, hat man es da-hin gebracht, daß der auch ohne Hilfe von Wasser durch Verdunstungdes Lösungsmittels entstehende Faden sehr fein wird. Allerdings er-reicht man nicht die Festigkeit des Seidenfadens, den die Raupe spinnt;aber man macht Fäden, die für viele Zwecke brauchbar sind und sichgut färben lassen.

Zum Beispiel wird auf diese Weise der Glühkörper für elektrischeLampen gemacht. Man bildet den einmal oder mehrmals verschlungenenFaden aus Zellulose, verkohlt ihn unter Luftabschluß und behält denebenso geformten Kohlenfaden, der aus der spröden Substanz der Kohlegar nicht zu machen wäre. Ja, man kann sogar feine Röhrchen ausKohle in dieser Weise herstellen, indem man die Masse um einen Dornaustreten läßt, also Nudelform erzielt und diese verkohlt.

Für die massiven Fäden, welche in der Textilindustrie bereits einegewisse Rolle spielen, ist nun außer den Zellulosenitraten die entsprechendeGruppe der Zelluloseacetate und weiter die gelöste Zellulose selbst inAufnahme gekommen, mit dem Erfolge der Herstellung sogenannterKunstseiden und anderer Produkte.

Dabei kommen die beiden erwähnten Lösungsmittel in Benutzung,also erstens die Kupferoxydammoniakflüssigkeit. Darausfälltman die Zellulose, indem man Säuren anwendet, welche das Kupferbinden; zweitens Schwefelkohlenstoff und Natron. Diese bilden mitZellulose eine wasserlösliche Verbindung, ein Xanthogenat, ungefährder Formel

^\SNaentspechend.

Nach dem oben Gesagten wird das Molekül größer sein. Da dessen