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Vorlesungen über chemische Technologie
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Sicherheitssprengstoffe.

Für alle diese Verwendungen bietet die Industrie der Explosivstoffenun besondere, dem Zweck angepaßte Mittel. Das ist der erste, inder Sache selbst liegende Fortschritt, welcher in Zahlen etwa so zuerkennen ist:

Allein in Deutschland gibt es etwa 160 Fabriken, welche Zünd-mittel, Schießmittel und Sprengstoffe herstellen. Dies geschieht insolchem Umfange, daß wir nicht allein den Bedarf der inländischenBergwerke, der Tunnel- und Wegebauer befriedigen, sondern nochjährlich für etwa 40 Millionen Mark ins Ausland versenden.« x )

Obwohl nun dadurch die Benutzung der Explosivstoffe viel um-fangreicher und mannigfaltiger geworden ist, hat sich

II. die Sicherheit im Verkehr mit diesen Stoffen erhöht. Das istder zweite, nicht weniger wichtige Fortschritt. Dieser liegt darin be-gründet, daß bei neueren Schießmitteln und Sprengstoffen die Wirkungnoch mehr von den Bedingungen abhängt, als dies schon bei demSchwarzpulver der Fall ist.

Schießbaumwolle und Nitroglyzerin brennen, wie erwähnt, untergewissen Bedingungen ruhig ab, einzelne Gemenge derselben sogarso ruhig, daß man ausblasen und ausdrücken kann. Unter anderenUmständen wirken diese Stoffe und ihre Gemenge äußerst kräftig.Man kann demgemäß bei allen neueren Explosivstoffen im allgemeinenVerkehr große Sicherheit schaffen, während man andererseits durch dieArt der Verwendung jeden Frfolg erzielt.

Dies hat allmählich zu der Herstellung besonderer »Sicherheits-sprengstoffe« geführt. Diese Bezeichnung, die zuerst wie einecontradictio in adjecto erscheint, hat in der Tat ihren vollen Sinn.

Der Typus der Sicherheitssprengstoffe ist der Ammoniaksalpeter.Das Amoniumnitrat, welches im allgemeinen Verkehr gar keine be-sondere Gefahr bedingt, ist unter Umständen ein Sprengstoff. Eszerfällt durch starken Stoß von Knallquecksilber nach der Gleichung:

NH 4 -NO a = 2H 2 0 + N 2 + O

Ammoniumnitrat Wasser Stickstoff Sauerstoff.

Man kann daher noch Wasserstoffverbindungen, die durch denSauerstoff verbrannt werden, zusetzen und hat viele Sicherheitsspreng-stoffe im Gebrauch, die aus Ammoniumnitrat mit etwas Harz, Wachsusw. bestehen. Dazu kommen ebenso viele Gemische von Ammonium-nitrat mit Nitroverbindungen der aromatischen Kohlenwasserstoffe, alsomit Dinitrobenzol usw., ferner mit Anilin, Salpeter usw.

Die auffallende Bezeichnung ist zunächst insofern richtig, als auch

] ) Vgl. F. Fischer, Jahresbericht für technische Chemie, (Leipzig 1906,) 589.