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Pikrinsäure.
Nachher trat Frost ein und es wurde neue Gefahr dadurch geschaffen,daß sich überall Kristallisationen bildeten. So kam eine zweite Explosionzustande, als die Taucher das Wrack untersuchten und dabei un-vorsichtig zu Werke gingen.
Daß gefrorenes Nitroglyzerin durch Stoß und Reibung explodierenkann, lehrt schon mancher Unglücksfall. Bei Frost kann sogar durchheftiges Stoßen oder Werfen der Kisten eine Explosion des darin ver-packten Dynamits herbeigeführt werden.
Also, was bei Zündmitteln zu Anfang hervorgehoben wurde, istzu wiederholen: je nach den Bedingungen ist die Wirkung dieserStoffe ziemlich verschieden. Bei dem Propenylnitrat ist auch derAggregatzustand von Bedeutung.
Diese vielseitige Verwendung von Nitraten der Zellulose und desGlyzerins hat natürlich weitere Anregung zu Versuchen gegeben.Namentlich kommt in Betracht, daß Nitroverbindungen der aromatischenReihe als brauchbar erkannt wurden. Infolgedessen gehört die Pikrin-säure, wie schon erwähnt, zu den am meisten benutzten Sprengstoffen.
Eigenschaften der Pikrinsäure, das ist 2,4,6,1 —Trinitrophenol:
OH
O a N-
-N0 2 1).
N0 2
Pikrinsäure ist eine in kaltem Wasser wenig lösliche, überausbitter (icixpö;) schmeckende Säure, welche in blaßgelben Blättchenkristallisiert und bei 122,5° schmilzt. Sie ist giftig.
Bei vorsichtigem Erhitzen sublimiert Pikrinsäure, und bei starkemErhitzen verpufft sie, während Sprengwirkungen erst eintreten, wenndie geschmolzene oder gepreßte Substanz durch starke Initialwirkungentzündet wird oder glühende Stoffe in die geschmolzene Masse ein-geführt werden.
Die Pikrate verhalten sich anders; sie werden leicht zur Zersetzunggebracht durch Erhitzung wie durch Reibung und Stoß, worauf sieheftig und unregelmäßig explodieren. Deshalb sind die Salze allgemeinvom Verkehr und von der Benutzung ausgeschlossen, während dieSäure selbst in großem Maßstabe benutzt wird, namentlich als Granat-
J ) Das Sechseck ist das übliche Zeichen für Benzol, C 6 H 6 , und läßt erkennen,wie die Gruppen NO,, OH usw. in Benzol eingeführt sind.