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Vorlesungen über chemische Technologie
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Künstlicher Dünger. Kreislauf des Stickstoffs.

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Zwecke benutzt werden, hat sich das Ammoniumsulfat in der Land-wirtschaft eingebürgert.

Dies führt von neuem auf die Rolle der Stickstoff Verbindungen inder Natur. Wie bei dem Vorkommen gesagt wurde, daß Pflanzen undTiere durch Fäulnis oder Verwesung ihre stickstoffhaltigen Bestandteilein Form von Ammoniak usw. abgeben, so ergibt sich eine allgemeineVerwendung stickstoffhaltiger Verbindungen aus dem Umstände, daßPflanzen und Tiere stickstoffhaltige Verbindungen zu ihrem Leben undWachstum gebrauchen.

Der Kreislauf der Stickstoffverbindungen in der Natur wird vonuns und von den Tieren in der Weise zuwege gebracht, daß wir wenigereinfach zusammengesetzte, schmackhafte Stickstoffverbindungen zurNahrung wählen; den Pflanzen aber führt man die einfachste Verbindungdes Stickstoffs, das Ammoniak, zu, weil dieses am besten »assimiliert«wird.

Die Zuführung geschieht von jeher in ziemlich unbestimmter Weisedurch Naturdünger, in bewußter, klarer und meßbarer Weise seitJ. Lieb ig durch künstliche Dünger.

J. Lieb ig hat den Satz bewiesen, daß man dem Boden diejenigenBestandteile, die man ihm in Form von Ernten entzieht, wiedergebenmuß ,wenn er weitere Ernten bringen soll.

Da nun jede Ernte von Weizen usw. viel Stickstoff Verbindungenenthält, so muß man dem Boden wieder Stickstoff zuführen, wenn erweiter tragen soll. Dies geschieht durch Naturdünger in unsichererWeise, weil das durch Zersetzung entstehende Ammoniak flüchtig ist;bestimmter schon und besser durch Kunstdünger, der Ammoniaksalzeenthält, wie Guano, dessen Stickstoffgehalt ermittelt wird, und am ein-fachsten durch Ammoniaksalze selbst, die nicht so flüchtig sind, wiedas durch Fäulnis und Verwesung entstehende, nur zufällig gebundeneAmmoniak.

Das also ist der Sinn der Worte: »Ammoniumsulfat hat sich inder Landwirtschaft eingebürgert« und man schätzt leicht, welcher Ver-brauch dadurch bedingt ist. Zugleich weist diese Betrachtung auf dasgroße Gesetz hin, nach welchem im Haushalte der Natur nichts ver-loren geht, wenn auch Form und Erscheinung sich ändern: keine Spurdes Ammoniaks, welches scheinbar in den weiten Räumen der Atmo-sphäre sich verliert, geht wirklich verloren. Es wird entweder oxydiertund liefert Verbindungen, auf die bei Salpeter zurückzukommen ist,oder es tritt in den Kreislauf des Werdens und Vergehens ein, in demw 'r selbst und die anderen Lebewesen stehen.

w ichelhaus, Chemische Technologie. III. Aufl. 13