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E. v. Behring's Gesammelte Abhandlungen
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IL Diphtheriebekämpfung.

Eiweißes des Mittels sowie der in ihm enthaltenen Karbolsäure beim Säugling anund für sieh eine lokale Entzündung hervorrufen kann, die mit der spezifischen Wirkungnichts zu tun hat, ist bekannt. Zur Entscheidung dieser Frage bin ich so vorgegangen,daß ich sämtliche Injektionen in genau der gleichen Menge und Verdünnung doppelt vor-nahm, und zwar am rechten Arm mit aktivem, am linken mit stark aufgekochtem TA.Es ergab sich, daß tatsächlich auch mit gekochtem, also sicher nicht mehr spezifisch wirk-samem TA lokale Reaktionen sowohl I. als auch IL Grades erhalten werden, welche sichvon den durch ungekochtes TA hervorgerufenen in ihrem Aussehen in keiner "Weiseunterscheiden. Reaktionen III. Grades (Lymphdrüsenschwellung) wurden dagegen mitgekochtem TA auch dann nicht erzielt, wenn eine solche an dem gleichzeitig mit unge-kochtem TA behandelten anderen Arm recht deutlich ausgesprochen auftrat. ReaktionenIII. Grades sind daher unter allen Umständen spezifisch, während diesbei solchen I. und IL Grades zweifelhaft ist. Allerdings bleibt in den einzelnenFällen, sobald die Reaktionen stärker werden, die mit gekochtem TA hervorgerufene hinterder mit aktivem TA hervorgerufenen meistens, wenn auch durchaus nicht immer, zurück,zuweilen sogar recht merklich, so daß hier auch bei Reaktionen II. Grades, ja selbstI. Grades, eine spezifische Reaktion sicher vorliegt, wie ja auch die Antitoxinbildungbeweist.

In bezug auf die Intensität der lokalen Reaktion verhalten sich die Säuglinge imAlter von 5 bis inklusive 8 Monaten wie diejenigen von 2 bis 4 Monaten: 0,1 unver-dünntes TA ruft nur Reaktionen IL, zum Teil I. Grades hervor. Die Kinder von 5 bis8 Monaten antworten hierauf mit Antitoxinbildung, die jüngeren Kinder nicht. Auf diegleiche Dosis erfolgen vom 9. Monat ab Reaktionen HL Grades, aber mit nur geringerAllgemeinreaktion: Die Antitoxinbildung ist hier also nicht größer als bei den fünf- bisachtmonatigen Säuglingen mit schwächerer Lokalreaktion.

Auf eine thoretische Erörterung der Ursachen dieses verschiedenen Verhaltens vonReaktion und Antitoxinbildung in den einzelnen Abschnitten des ersten Lebensjahres möchteich in dieser kurzen Mitteilung nicht eingehen. Betreffs des weiter zu befolgenden prak-tischen Vorgehens dürfte es sich empfehlen, die Dosierung so zu wählen, daß ReaktionenIII. Grades eben noch vermieden werden. Um diese Grenzdosis auch bei Kindern unter5 Monaten festzustellen, wird es zunächst nötig sein, die Dosis zu bestimmen, welche indiesem Alter eine Reaktion III. Grades mit schwacher, eben noch unzweifelhaft nach-weisbarer Allgemeinreaktion (Temperaturerhöhung, Drüsenschwellung) hervorruft.

An einem größeren Material werden auch weitere Fragen zu entscheiden sein, wiez. B. die Beziehungen zwischen intrakutaner und subkutaner Applikation des Mittels beimSäugling, sowie der Einfluß des Gesundheitszustandes, des Zustandes der Haut (Atrophie!),von Konstitutionsanomalien usw. auf Dosierung, Reaktion und Antitoxinproduktion. Hiersollte vorläufig nur der Nachweis geführt werden, daß es auch beimSäugling möglich ist, eine wirksame Diphtheriesohu tzimpf ung mitdem v. Behringschen Mittel vorzunehmen.