Ätiologie, Prognose und Therapie des Tetanus 1 ).
Geschichtliche Bemerkungen zur Ätiologie und Therapie.
Der Starrkrampf (Tetanus), welcher im Anschluß an mancheVerletzungen der Haut, der darunter liegenden Weichteile undKnochen auftritt, ist eine Infektionskrankheit, welche nur unterder Mitwirkung eines von außen stammenden Virus und des von ihmproduzierten Giftes zustandekommt.
Dieser vor ca. 30 Jahren entdeckten Tatsache stand die zellular-pathologische Krankheitslehre von Rudolf Virchow, demmagister mundi in medizinischen Dingen, gegenüber, nach welcherder Wundstarrkrampf die Folge einer mechanischen Reizwirkungauf das Nervensystem sein sollte. „Wenn jemand — sagt Vir-chow im zweiten Bande seines Archivs S. 28 — sich einen Glas-splitter in den Fuß tritt und Tetanus bekommt, so wird der letztere"buch die Entfernung des Splitters und die Herstellung einer ein-fachen Wunde geheilt werden können, solange noch nicht durch dieungeheuere Steigerung der Nervenströmungen eine Veränderungan den Nervenapparat gesetzt ist, welche die Erscheinungen desI'etanus hervorzubringen oder zu unterhalten vermag."
Der zwingenden Beweiskraft tierexperimenteller Forschung,welche unwiderleglich die infektiöse Natur des Tetanus demon-strierte, konnte Virchow auf die Dauer sich nicht verschließen;es bedurfte aber harter Kämpfe, bevor er und seine Schüler meineBehauptung gelten ließen, daß der Tetanus durch Unschädlich-machung des Tetanusgiftes im Inneren des Organismus mit Erfolgbekämpft werden kann. Nach Virchow konnte nur eine solcheTherapie auf Erfolg rechnen, welche auf Zellen und Organe ein-wirkt. Von der Chininwirkung bei der Malaria sagt er beispiels-weise (1 c. S. 34): „Man begnügt sich beim Wechselfieber, die Anfälledurch Chinin zu unterbrechen, obwohl man unmöglich glaubenkann, daß das in die Blutmasse aufgenommene Miasma durch dasChinin sogleich beseitigt wird; es ist daher notwendig, anzunehmen,daß nur die Impressionabilität des Nervensystems ge-
*) Aus „Schmidts Jahrbüchern der gesamten Medizin" Bd. 321 (1915).
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