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E. v. Behring's Gesammelte Abhandlungen
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XIV
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XIV

Vorwort.

Mundhöhle, auf den Mandeln oder im Nasenrachenraum beherbergen.Man kann nämlich experimentell den Beweis dafür liefern, daß dasAntitoxin, wenngleich es in vitro ohne Einfluß auf die Lebens-fähigkeit der Löfflersehen Bazillen ist, in vivo trotzdem einensehr merklichen antibakteriellen Effekt ausübt. Das ist schon vorlanger Zeit in meinem Marburger Institut von Eansom festgestelltworden gelegentlich von Studien betreffend das Verhalten von viru-lenten und avirulenten Diphtheriebazillen in der Bauchhöhle vonMeerschweinchen. Eansom fand da, daß zwar avirulente,aber nicht virulente Bazillen, wenn sie in physiologischer Koch-salzlösung suspendiert in die Bauchhöhle gebracht werden, derPhagozytose anheimfallen; fügt man dagegen der Suspension einegeringe Antitoxindosis hinzu, dann werden auch die virulentenBazillen von Freßzellen aufgenommen und gehen in ihnen allmäh-lich zugrunde. Mit dieser Beobachtung bringe ich die Tatsache inZusammenhang, daß beispielsweise in der Diphtherierekonvaleszenzvon neuem sich einstellende diphtherische Beläge nicht bloß auf-fallend schnell durch die lokale Antitoxinbehandlung beseitigt wer-den, sondern daß auch der Bazillenschwund dadurch beschleunigtwird. Für die klinische Forschung wäre es eine dankbare Aufgabe,statistisch den Wert einer lokalen Antitoxinbehandlung dermit Diphtheriebazillen behafteten Schleimhautoberflächen zu prü-fen und gleichzeitig zu untersuchen, ob danach ein beschleunigterBazillenschwund mit einer gesteigerten Phagozytose Hand in Handgeht. Es darf nicht in Zweifel gezogen werden, daß — unter Vor-aussetzung der klinischen Bestätigung meiner vorstehenden An-gaben — zur Diphtherietilgung durch die antitoxische Lokalbehand-lung aller Bazillenträger sehr viel beigetragen werden kann. AlsLösungsmittel für das Antitoxin empfehle ich eines der gebräuch-lichen, für die Schleimhäute indifferenten Mundwässer, und zwarsoll die Antitoxinlösung durch einen Spray-Apparat oder energi-sches Betupfen zu einer möglichst intensiven Imprägnation derbazillentragenden Schleimhaut gebracht werden.

Noch mehr hoffe ich zur Tilgung der Diphtherie als Endemiebeitragen zu können durch die Einführung eines Antitoxinpräpa-rats, nach dessen Anwendung für prophylaktische Zweckewir nicht mehr zu befürchten brauchen, daß die nachherige Behand-lung mit einem der gebräuchlichen Handels-Sera zu Heilzweckenanaphylaktische Erkrankungssymptome auslöst. Das Tierexperi-ment liefert, wie Sie in eigenen Versuchen gesehen haben, einwands-frei den Beweis dafür, daß mein „gereinigtes" 1 ) Antitoxinprä-parat dieser Forderung in hohem Grade gerecht wird.

*) Mein „gereinigtes" Serum, welches jetzt zur staatlichen Prüfung und zum ge-schäftlichen Vertriebe durch die Bolmngwerke zugelassen ist, führt den Namen vonBehrings Semenserum".