Vorwort.
XI
verhindern kann, daß mit dem Wiederbeginn der Schule „Bazillen-
g e r" das Virus von neuem mitbringen, liegt klar zutage
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Die Heilkraft des Serums hat sich, wie der bekannte Kinder-arzt Geh. Bat Baginsky in dieser Versammlung erklärte, nieglänzender gezeigt als jetzt. Auch die Schutz Wirkung wurdeallgemein zugestanden, und das Vertrauen auf die prophylaktischeHeilserumwirkung ist dadurch zum Ansdruck gekommen, daß ver-schiedene Gemeindevertretungen Geldmittel bewilligt haben zurkostenfreien Serumabgabe an die Ärzte zum Zweck der Präventiv-injektion. Damit wird nun zwar sicherlich schon viel genützt, aberes ist doch nicht alles, was man im Interesse der serumtherapeuti-schen Diphtheriebekämpfung tun kann. Man müßte daraufausgehen, die Diphtherie, die nicht immer eineendemische Krankheit in europäischen Ländernwar, wieder zu einer exotischen Seuche zu machen,wie die Pocken, nachdem sie Jahrhunderte lang inMitteleuropa geherrscht hatten, wieder eine exo-tische Krankheit für uns geworden sind.
Diese Hoffnung dürften wir nicht hegen, wenn die Diphtherie-bazillen ein bei uns auch in der freien Natur vegetierendes Viruswaren, wie es z. B. das Typhusvirus und die ihm nahestehendenBazillen der Koli-Gruppe sind, die vielleicht im menschlichen Orga-nismus zum krankmachenden Virus sich umwandeln; oder wenn dasDiphtherievirus, wie der Tuberkelbazillus, in vielen Tieren gute Exi-stenzbedingungen vorfände; wenn endlich drittens der diphtherie-erzeugende Bazillus, bei allen Menschen auf der Schleimhaut derMund- und Nasenhöhle vorkäme. So liegt aber die Sache nicht.
Was zunächst sein Vorkommen in der freien Natur angeht, sowürde jeder Winter dem Diphtherievirus bei uns bald ein Endemachen. Ich kenne kein Bakterium, welches kälteempfindlicherist, wie der Löff lersehe Bazillus der menschlichen Diphtherie.Das habe ich mit Wer nicke erfahren, als wir im Winter 1891/92unsere Kulturen von dem damals mit der Charite verbundenen In-stitut für Infektionskrankheiten nach der Chirurgischen Klinik in• ler Ziegelstraße transportierten, um dort unsere Immunisierungs-versuche dem Geheimrat von Bergmann zu demonstrieren. DasMißtrauen, welches dieser große Chirurg lange Zeit gegen die ex-perimentelle Begründung meiner Serumtherapie gehegt hat, isthauptsächlich auf das Mißlingen unserer damaligen Demonstra-tion zurückzuführen. Die von uns vorbehandelten Meerschweineblieben nämlich zwar gesund, ebenso aber auch zu unserergroßen Verwunderung die geich zeitig infizierten Kontrolltiere.Später fanden wir, daß bei dem an einem Kältetageerfolgten Transport die Diphtherie bazillen ab-gestorben waren! Durch die Bildung von Dauertormien