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E. v. Behring's Gesammelte Abhandlungen
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VIII
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VIII

Vorwort.

und wie nach meiner Kenntnis der Sachlage man es anzufangen hat,,um auf dem Wege der immunisierenden Diphtherieantitoxinbehand-lung zu einer erfolgreichen präventiven Diphtheriebekämpfungzu gelangen.

Alsbald nach der Entdeckung meines Diphtheriemittels habeich es, zusammen mit meinem Freunde Wernicke, zunächst alsProphylaktikum empfohlen und mit gutem Erfolge namentlich imOldenburg i sehen unter Mitwirkung des damaligen Stabs-arztes Muttray zur Verhütung von Schulepidemien unter ähn-lichen Verhältnissen, wie sie jetzt aus Groß-Berlin und anderenStädten berichtet werden, nutzbar gemacht. Ich habe nun nicht dengeringsten Zweifel, daß man auf diesem Wege konsequent weiterfortgeschritten wäre, wenn nicht — entgegen meiner Erwartung —mein Diphtheriemittel sich als ein so gutes Heilmittel entpuppthätte.

Muttray bekam für die Präventivtherapie im Jahre 1891/92noch sehr geringwertige Sera und hat im Einzelfall nicht mehr als20 bis höchstens 100 Antitoxineinheiten in 1—5 ml Serum subkutaneingespritzt und trotzdem bei dieser Dosierung ganz unzweideutigeSchutzwirkung erreicht. Durchschnittlich war unser Diphtherie-serum damals noch nicht 20facli, also 20mal weniger stark, wie dieschwächsten Heilsera, die jetzt im Handelsverkehr zugelassen wer-den. Für Heilzwecke war damit nichts rechtes zu erreichen, undwenn es dabei geblieben wäre, so würden wir alles daran gesetzthaben, die diphtheriebedrohten Individuen vor der Erkrankung zuschützen, nötigenfalls, mit Rücksicht auf das Allgemeinwohl, ähn-lich wie bei der Verhütung der Pockengefahr, durch zwangsweiseImmunisierung. Der Einwand, daß die J e n n e r sehe Impfungmehrere Jahre lang, das Serum aber nur für wenige Wochen Krank-heitsschutz gewährt, wäre nicht stichhaltig; denn wir wußten da-mals schon, daß wir auf einem Umwege das Serum zur Erreichungeines langdauernden Diphtherieschutzes tauglich machen können.Fügt man ihm nämlich Diphtherievirus oder Diphtheriegift insolcher Dosis hinzu, daß eine eben noch wahrnehmbare Allgemein-reaktion eintritt, die nicht bloß ebenso unschädlich, sondern nochweniger schädlich ist, wie die Vakzination, und die außerdem besserabgestuft werden kann, dann erlangen wir damit eine Immunisie-rung, die kaum weniger lange anhält, wie der Pockenschutz nachder J e n n e r sehen Impfung. Die Ursache für den differentenImmunisierungseffekt einerseits nach der reinen Serumbehandlungund andererseits nach der kombinierten Behandlung 1 ) ist Ihnen be-kannt. Sie wissen, daß in jenem Fall die Immunität bedingt wirddurch fremdartiges (heterogenes) Immunprotein oder Anti-

') Mit dem jetzt von mir „TA" genannten Diphtheriesohutzmittel.