Nitroglyzerin.
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Das D. R. P. 183 183 lässt Nitriersäure und Glyzerin mit Hilfe geeigneterStreudüsen vermischen, indem die unter Druck stehende Nitriersäure dasGlyzerin ansaugt und zum Betriebe der die Vermischung bewirkenden Streu-düse dient.
Das D. R. P. 181489 bezweckt bei der Nitroglyzerinfabrikation eineschnellere Abscheidung des Glyzerins dadurch, dass man während der Her-stellung sowohl den Säuren als auch dem Glyzerin ein Reagens (am bestenein Alkalifluorid) zusetzt, durch das etwa entstandene emulgierende oderkolloidale Substanzen wieder in Lösung gehen.
Aus 100 kg Glyzerin erhält man 200—205 kg reines Nitroglyzerin (theo-retisch 246,74 kg). Dasselbe ist ein farbloses oder kaum gelbliches, geruch-loses, sUsslich schmeckendes, sehr giftiges öl, sp. G. 1,6; in H 2 0 ist es nicht,leicht dagegen in Alkohol und Äther löslich. Bei — 15° wird das Nitroglyzerindickflüssig, ohne zu erstarren, während es bei Temperaturen von + 8° bis — 11°in langen Nadeln kristallisiert. Ist es einmal gefroren, so taut es erst bei + 11°wieder auf. Durch heftigen Stoss oder Druck (z. B. durch Knallquecksilber-Detonation) sowie durch Erwärmen auf etwa 250° C. wird es zur Explosion ge-bracht. Hierbei zersetzt es sich entsprechend der Gleichung:
2 C 3 H 5 (ON0 2 ) 3 = 6 C0 2 + 6 N + 5 H 2 0 + O.
1 1 Nitroglyzerin liefert 1298 1 Explosionsgase, die sich im Augenblick der Ex-plosion auf 10 400 1 ausdehnen (G u 11 m a n n). Gefrorenes Nitroglyzerinexplodiert schwieriger als flüssiges; unreine Produkte sind meistens sehr ge-fährlich. Es dient zur Darstellung von Dynamiten (s. d.), von rauch-losem Pulver (siehe „Schiesspulve r"), hier und da auch als Arz-neimittel.
Aufsehen erregt hat das Franz. Pat. 341911 und Engl. Pat. 8041 von 1904 zurHerstellung von Dinitroglyzerin und Dinitroglyzerinspreng-stoffen. Guttmann schreibt darüber (Chem. Zeitschr. IV, 175) folgen-des: Dem Dinitroglyzerin wird nachgerühmt, es sei viel stabiler als Trinitro-glyzerin, weniger empfindlich gegen mechanische Einflüsse und gegen Wärme,und durch Entzündung sei noch nie eine Explosion hervorgerufen worden.Mit Trinitroglyzerin gemischt, massige es dessen gefährliche Eigenschaften.Seine Erzeugung sei gefahrlos, Zersetzungen selbst bedeutender Mengen be-dingen keine Explosion. Es ist so gut wie ungefrierbar, und, wenn demTrinitroglyzerin zugesetzt, erniedrigt es dessen Gefrierpunkt, z. B. eineMischung von 60 % Dinitroglyzerin und 40 % Trinitroglyzerin gefriert nichtmehr. Da Dinitroglyzerin nicht genug, und Trinitroglyzerin zu viel Sauerstoffzur vollständigen Verbrennung des Kohlenstoffs enthält, so könne man durcheine entsprechende Mischung ein stöchiometrisch dosiertes Produkt erhalten,welches kräftiger ist, als das Trinitroglyzerin. Mit Dinitroglyzerin erzeugtePulver entwickeln weniger Wärme und langsamer ihre Gase. Das Dinitro-glyzerin löst sich nicht nur leicht auf in Trinitroglyzerin, sondern man kannauch direkt ein beliebiges Gemisch der beiden herstellen. Dinitroglyzeringelatiniert ferner ebensogut wie Trinitroglyzerin. Die Erzeugung des Dinitro-glyzerins erfolgt durch Mischung unter Kühlung von 10 Gew. T. Glyzerin vomsp. G. 1,262 mit 33 T. HN0 3 vom sp. G. 1,50, wobei die HN0 3 langsam in dasGlyzerin laufen gelassen und umgerührt wird. Man lässt dann nötigenfallsmehrere Stunden lang bei 10° absitzen, bis das ursprünglich hauptsächlich ge-bildete Mononitroglyzerin in Dinitroglyzerin verwandelt ist. Sodann wird dasGemisch mit etwa 10 T. kalten Wassers verdünnt und die HN0 3 durch ge-eignete Mittel neutralisiert, bis die Lauge, z. B. bei CaC0 3 , eine Dichte von1 58 hat. Das Dinitroglyzerin steigt nach oben und lässt sich leicht trennen,reinigen und trocknen. Die in der Lauge noch enthaltenen Reste von Dinitro-glyzerin können durch Äther ausgezogen werden. Das erhaltene Dinitro-glyzerin ist leicht löslich in H 2 0 und kann deshalb durch Abdampfen oderfraktionierte Destillation in ganz reinem Zustande erhalten werden. SeinN-Gehalt ist theoretisch 15,38 %, und durch Analyse wurde ein Mittel von
Biücher IX.
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