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Auskunftsbuch für die chemische Industrie
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Mineralöle.

Braunkohlen, Holz, Torf und bituminösem Schiefer gewonnenen Öle, und zwarsoweit dieselben zur Beleuchtung, und vor allem soweit sie alsSchmiermittel für Maschinen verwendbar sind. Siehe hierüber dieArtikel „Braunkohlentee r", ,,H o 1 z t e e r", „P a r a f f i n", „Petro-leum", „S c h i ef e r ö 1", „Schmiermittel", „Solar öl", „Stein-kohlentee r", „V a s e 1 i n e".

Was man heutzutage gewöhnlich als Mineralöle bezeichnet, sindFabrikate aus den Rückständen von der Erdöldestillation. Bei dieser ver-bleiben nach Abtreibung der bis 280° siedenden Bestandteile Massen, die zurGewinnung von Mineralschmierölen mittels überhitzten Dampfes allmählichauf etwa 270° erhitzt werden. Hierbei destillieren die schweren Öle undwerden durch eine besonders konstruierte Kondensationsanlage, die die Tren-nung der verschiedenen Fraktionen ermöglicht, verdichtet. Meistens unter-stützt man die Destillation noch durch Luftverdünnung.

Die gewonnenen Mineralöle werden dann noch einem chemischen Reini-gungsprozess unterworfen, der dem beim Petroleum (s. d.) angewandtenrecht ähnlich ist: Man behandelt die öle zuerst mit 5 % H 2 S0 4 , wobei dieMischung durch eingehlasene Luft bewirkt wird. Dann wäscht man mit H 2 0,verrührt zur Entfernung der H 2 S04-Reste mit Natronlauge und wäscht schliess-lich nochmals mehrfach mit H 2 0. Um die Öle vollständig zu entfärben, werdensie in erwärmtem Zustande über Knochenkohle filtriert. Nach dem D. R. P.161924 werden die rohen Mineralöle zur Raffinierung längere Zeit miteiner gesättigten Lösung von NaCl und Na 2 C0 3 unter gleichzeitigem Durch-blasen von Luft behandelt; mittels einer körnigen Substanz erhält man dabeidie Salzlösung in feiner Verteilung. Schliesslich destilliert man das Öl beiGegenwart einer oxydierend wirkenden Manganverbindung ab. Eine Ab-änderung desselben Verfahrens umgreift das Zusatz-D. R. P. 161925. Einebesondere Form der Reinigung von Mineralölen mittels H 2 SÜ4 schützt D. R. P.175 453.

Zum Geruchlosmachen behandelt man nach dem D. R. P. 147 163 dieMineralöle mit Aldehyden und Ketonen, insbesondere mit Formaldehyd,in der Wärme unter Säure- oder Alkalizusatz und leitet Wasserdampf hin-durch. — Weber will den gleichen Zweck durch Schütteln mit terpenhal-tigen ölen und Alkali erreichen. — Das Verfahren des D. R. P. 153 585 zur•Behandlung roher Mineralöle behufs Gewinnung geruchschwacher viskoser öleeinerseits und schwefelfreier leichter öle anderseits besteht darin, dass mandas Rohöl mit 1 % neutral, oder bas. Bleiazetat in wässeriger Lösung versetzt,wobei diese Lösung zweckmässig das sp. G. des Öls hat. Dann destilliertman bei 180° mit überhitztem Wasserdampf, bis mindestens 20 % des Rohölesübergegangen sind; der Rückstand bildet ein geruchschwaches, wenig ge-färbtes dickes Öl, das Destillat ein helies schwefelfreies Brenn- oder Motoröl.

Wichtig geworden ist die Herstellung sogenannter wasserlös-licher Mineralöle. Sie sind sämtlich nur infolge ihres Gehaltes an Alkali-seite leicht mit Wasser emulgierbar und dienen in solchen Mischungen zurSchmierung von Werkzeugmaschinen, als Einfettestoffe beim Verspinnen vonWolle u. a, m. Nach dem Verfahren von Boieg (D. R. P. 122 451, 129 480und 148 168) werden Mineralöle (schwere Teeröle) durch Zusatz unraffinierterHarzöle und Verseifung der in diesen enthaltenen Harzsäuren mittels Lauge(ausserdem durch Seifen gewisser Fettschwefelsäuren, Ölsäuren und Naphten-säuren) sowie durch spätere oxydierende Behandlung unter Druck „wasser-löslich" gemacht und erlangen hierbei die Fähigkeit, Wasser in sehr erheb-lichen Mengen klar gelöst aufzunehmen. Das neueste Bolegsche Patent istdas D. R. P. 155 288; hiernach stellt sich das Verfahren, wie folgt, dar: DieKohlenwasserstoffe werden in einem geschossenen, mit einem Konden-sator verbundenen Apparat durch indirekten Dampf von 50—70° steigenderwärmt, während gleichzeitig fein verteilte Druckluft durchgeblasenwird. Meistens lässt man auch etwas Natronlauge und Wasser zu-tropfen. Die so vorbehandelten Mineralöle werden dann mit verseiften Harz-ölen unter weiterer Zufuhr von Druckluft innig gemischt. Endlich folgt nocheine Erhitzung im Autoklaven unter Überdruck. — Derartige wasserlösliche