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Auskunftsbuch für die chemische Industrie
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Mineralgerberei.

bindungen besteht. Die wichtigste Art der Miueralgerberei war ursprünglichdieWe issgerberei, wobei AI uminiumsalze gerbend wirken; neuer-dings ist aber die Mineralgerberei mit Chrom Verbindungen, welchedas Chromleder liefert, viel wichtiger geworden. Ausserdem gerbt manauch wohl mit Eisenverbindungen; das entsprechende Produkt wirdals Eisenleder bezeichnet.

Bei der Weissgerberei (Alaungerberei), die meistens mit Alaunbetrieben wird, werden die gereinigten und enthaarten Häute in einer lau-warmen Alaun-Kochsalzbrühe hin- und hergezogen; dann lässt man sie einenTag liegen und hängt sie ungewaschen zum Trocknen auf. Das trockne steifeLeder wird angefeuchtet und durch Kratzen mit Messern weich gemacht. Beider Glac6gerberei muss das Enthaaren und Entkalken sehr schonend geschehen;der Alaun-Kochsalzbriihe werden Eidotter und Weizenmehl beigemengt. —Das Franz. Pat. 334 006 betrifft ein Schnellgerbeverfahren, wobei die Häutezunächst mit Alaun und Kochsalz gegerbt und dann direkt in starke vegetabi-lische Gerbebrühen gebracht werden, ohne dass dies nachteilig für dasLeder ist.

Die Chromgerberei arbeitet im wesentlichen nach zwei Verfahren,die aus Amerika stammen, nämlich nach dem Ein badverfahren undnach dem Zweibadverfahren. Von den Chromsalzen wirken auf dietierische Haut nur die Chromoxydsalze, und von diesen besonders die basischendirekt gerbend, während die chromsauren Salze zuerst in Chromoxydverbin-dungen übergeführt werden müssen. Dementsprechend gerbt man beim Ein-badverfahren in Lösungen basischer Chromoxydsalze, so namentlich in b a s i -schem Chromsulfat und Chromoxychlorid. Bei dem Zwei-badverfahren durchtränkt man die Blossen zunächst mit einer durch HCl an-gesäuerten Lösung von Bichromaten (K 2 Cr 2 07 oder Na 2 Cr 2 0r); dann erfolgt imzweiten Bade die Reduktion der Chromsäure zu einer Chromoxydverbindung, fürwelchen Zweck man meistens eine mit HCl angesäuerte Lösung von Natrium-thiosulfat verwendet. Nach der Gerbung wird das Gerbmaterial durch Lösungenvon Bleizucker, Bariumchlorid oder Seife fixiert. Schliesslich wird das Ledergewaschen, getrocknet, gereckt und durch Eintauchen in warme Lösungen vonParaffin in Benzin eingefettet. —• Das geschilderte Prinzip der Chromgerbereiist durch zahlreiche neue Verfahren nach vielen Richtungen hin modifiziertworden, jedoch ohne dass dadurch grundlegende Änderungen bewirkt wordenwären. Man hat die Chromgerberei auch vorteilhaft mit der vegetabilischenGerbung kombiniert und so Leder erzeugt, welche die Vorzüge des Chrom-leders mit denen des vegetabilisch gegerbten Leders vereinen. Der grosseVorteil der Chromgerberei besteht nicht nur in der kurzen Gerbdauer, sondernauch in der grossen Wasserdichtheit und Zugfestigkeit des Chromleders sowiein seiner hohen Widerstandsfähgkeit gegenüber äusseren Einflüssen, wiehoher Temperatur und heissen Wasserdämpfen. Interessant sind die neuer-dings immer mehr Bedeutung gewinnenden Verfahren, bei denen die Häute ineinem Bade gleichzeitig gefärbt und gegerbt werden. Wir nennen in dieser Hin-sicht das Amer. Pat. 622 563 sowie das D. R. P. 133 757; aus dem letztgenanntenPatente geht hervor, dass man bei richtiger Wahl von Farbstoffen einerseitsund von Chromoxydsalzlösungen anderseits vorzüglich gegerbte Produkte er-hält, die gleichzeitig viel haltbarer gefärbt sind, als wenn die Färbung nachdem Gerben erfolgt. Die für das Verfahren geeigneten Farbstoffe können denverschiedensten Gruppen angehören; sie dürfen jedoch mit Chromsalzlösungenallein oder auch auf Zusatz von Tannin nicht ausfallen oder höchstens dochnur so, dass nach dem Filtrieren noch eine zum Färben genügende Menge Farb-stoff in Lösung bleibt. Als Chromsalze werden Chromalaun, Chromchlorid,Chrombisulfit oder -thiosulfat benutzt, vorzugsweise in der Form der basischenSalze. Beim Gerben beginnt man mit sehr verdünnten Lösungen, z. B. % bis1° Be und verstärkt das Bad nach und nach bis zu 6° Be. Von geeigneten Farb-stoffen seien genannt: oxydierter Blauholzextrakt, die sogen. Karminfarbenfür Baumwolle, Metanilgelb, Orange II u. a. Man kann auch solche Substanzenbenutzen, welche erst beim nachträglichen Behandeln mit Oxydationsmittelngefärbte Verbindungen liefern, wie Pyrogallussäure, p-Amidophenol, Dimethyl-