Urea.
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cyanats (cyansauren Kalis) direkt in eine koncentrirte, wässerige Lösung von 100 g neu-tralem Ammoniumsulfat und dampft die Flüssigkeit bei gelinder Wärme auf dem Dampf-bade auf ein kleines Volumen ein. — Hierbei erleidet das nunmehr in Lösung befindlicheAmmoniumcyanat eine molekulare Umwandlung. Es geht in den isomeren Harnstoff über.
Das nach dem Erkalten der abfiltrirten Lösung auskrystallisirte Kaliumsulfat trenntman von der Mutterlauge, dampft diese auf dem Wasserbade zur Trockne ein und entziehtdem Trockcnriickstande den gebildeten Harnstoff durch kochenden Alkohol. Der nach demAbdestilliren oder Verdunsten des Alkohols hinterbleibende Harnstoff wird aus Alkoholunter Zusatz von etwas Thierkohle umkrystallisirt.
Eigenschaften. Der Harnstoff bildet farblose, geruchlose, luftbeständige pris-matische Krystalle von bitterlich salzigem und kühlendem Geschmack. Es löst sich in' Th. kaltem Wasser, in 5 Th. kaltem Alkohol von 90 Proc, in 1 Tb. siedendem Alkohol,fast gar nicht in Aether. Die Lösungen sind neutral. Das spec. Gewicht des Harnstoffsls t 1,35, der Schmelzpunkt liegt bei 132,5° C. — Wird Harnstoff erhitzt, so schmilzt erzunächst, bei weiterem Erhitzen entweicht Ammoniak, und die Schmelze wird allmählichundurchsichtig und fest unter Uebergang des Harnstoffs in Cyanursäure, Biuret undAmmelid. Hierauf beruht der Nachweis des Harnstoffs durch die sog. Bimet-Reaktion.(S unten.) Die wässerige Lösung des Harnstoffs geht durch Kochen langsam in Ammo-uiumkarbonat über; diese Umwandlung kann rasch vollzogen werden durch Erhitzen derwässerigen Lösung über 100° O. unter Druck, ferner beim Erhitzen der wässerigen Lösungr -iit ätzenden Alkalien (Kali-, Natron- oder Barythydrat). Auch durch die Thätigkeit vonMikroorganismen (Harngährung oder -Fäulniss) geht der Harnstoff in wässeriger Lösung inAmmoninmkarbonat über. — Beim Erhitzen mit konc. Schwefelsäure wird der Harnstoffunter Abspaltung von Kohlensäure in Ammoniumsulfat übergeführt. Durch Einwirkungv on salpetriger Säure werden Kohlensäure, Stickstoff und Wasser gebildet: CO(NH s ) a -j-N a O, = C0 2 -f- 2 N 2 -f- 2 H 4 0. — Wird eine wässerige Harnstofflösung mit einer Lösungton Natriumhypochlorit oder Natriumhypobromit in der Kälte behandelt, so entweicht«•er ganze Stickstoffgehalt des Harnstoffs als freier Stickstoff. Hierauf gründet sich dieBestimmung des Harnstoffs im Azotometer oder Nitrometer. — Mercurioxyd wird von einerheissen Harnstofflösung gelöst, und beim Erkalten scheidet sich eine krystallisirte Verbin-dung Mercurioxyd-Harnstoff aus.
Reaktionen: 1) Erhitzt man in einem Probirglase etwas Harnstoff, so schmilzt erzunächst, dann entweicht Ammoniak. Setzt man das Erhitzen fort, bis die Schmelze an-fängt sich deutlich zu trüben, löst den erkalteten Rückstand in Wasser, fügt etwas Na-tronlauge und einige Tropfen Kupfersulfatlösung hinzu, so wird dieses in der FlüssigkeitMit rothvioletter Färbung gelöst (Biuret-Reaktion). 2) Versetzt man eine koncentrirtewässerige Lösung von Harnstoff mit Salpetersäure, so scheidet sich der schwerlöslichesalpetersaure Harnstoff in Krystallbättem aus. 3) Nimmt man an Stelle von Salpetersäure«ine Lösung von Oxalsäure, so erhält man einen krystailisirton Niederschlag von Harn-stoffoxalat. Ueber die Formen dieser Krystalle siehe unter Urina. 4) Eine wässerigeHarnstofflösung giebt mit einer Lösung von Mercurinitrat einen weissen Niederschlag,welcher in Salpetersäure unlöslich ist, und aus welchem durch Natriumkarbonat gelbe»Quecksilber nicht abgeschieden wird.
Aufbewahrung. Unter den indifferenten Arzneimitteln.
Anwendung. Nachdem der Harnstoff zunächst als harnsäurelösendes Mittel an-gewendet worden war, wird er gegenwärtig auf Empfehlung von Klemperbb als Diureti-kum bei Hydrops und Ascites nicht renalen Ursprungs, Morbus Brightii, bei Nierenstein-erkrankungen verwendet. Man giebt Lösungen von 10—20,0 Harnstoff: 200,0 Wasser und2 war stündlich einen Esslöffel; der wenig angenehme Geschmack kann durch Nachtrinkenvon Milch beseitigt weiden. Ferner giebt man den Harnstoff in Form von Pulvern, mittalciumkarbonat und Natriumbikarbonat kombinirt.
Urea uitrica. Ureum nitricum. Hainstoffnitrat. Salpetorsaurer Harnstoff.tOXjHj.HNOj. Mol. Gew. = 123. In einer porcellanenen Schale werden 120 Th. remeSalpetersäure von 1,153 spec. Gew. bis zum Aufkochen erhitzt (um etwaige Spuren Sal-Petrigsäure zu verdampfen), dann bis auf ca. 60° C. erkaltet mit 29 Th. Harnstoff, welcherin gleichviel Wasser gelöst ist, versetzt, umgerührt und an einen kalten Ort gestellt. Au«