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Ricinus.
Prüfung. Zum Nachweis fremder Oele im Bicinusöl ist die Prüfung mitWeingeist wenig geeignet, da die Gemenge der Oele sich anders bezüglich der Löslich-keit verhalten als die reinen Oele. Besser benutzt man die Unlöslichkeit des Bicinusöleain Petroleumdestillaten, worin sich alle anderen fetten Oele lösen. Man vermischt das Oelmit dem 8 fachen Volum Vaselinöl und lässt bei 10—15° 0. stehen, es scheidet sich danndas Bicinusöl am Boden ab. Natürlich lässt sich die Methode auch umgekehrt verwenden,um in einem Oele Bicinusöl nachzuweisen.
Dagegen verwendet man Alkohol bei folgender Probe: 10 com Bicinusöl schütteltman mit 50 com Weingeist von 0,829 spec. Gew. bei 17,5° C. in einem graduirten Cylinder.Eine starke Trübung, die auch beim Erwärmen auf 20° C. nicht verschwindet, zeigt noch10 Proc. fremde Zusätze (Sesamöl, Leinöl, Büböl, Baumwollsamenöl) an. Nachweis vonBaumwollsamenöl Band I, S. 124.
Handelswaare. Aufbewahrung. Das in Italien und Frankreich aus ein-heimischen Samen gepresste Oel, Oleum Bicini medicinale, Ol. Bicini Italicum al-bissimum, welches allein den Anforderungen der Arzneibücher entspricht, kommt indicht verlötheten oder mit Schraubenverschluss versehenen Kanistern l ) von 20 kg Inhaltin den Handel.
Da das Oel bei der Aufbewahrung in kühlen Bäumen einen körnigen Bodensatibildet, so stellt man diese Blechgefässe vor dem Umfüllen einige Zeit unter bisweiligemWenden und Bütteln an einen massig warmen Ort, füllt dann (wobei ein geschickter De-fektar keinen Trichter benutzt) den gesammten Inhalt in nicht zu enghalsige Flaschenbis zum Halse und verschliesst sie sorgfältig. Um ein nochmaliges, späteres Umfüllen zuvermeiden, wählt man zweckmässig Vorrathsgefässe von gleicher Grösse und wechselt siebei Bedarf einfach aus. Das Gesagte gilt natürlich auch für das Abfüllen in das Stand-gefäss der Officin. Man versieht dieses, um es stets sauber zu halten, mit einem Tropfen-sammler (ein spiralig zusammengerollter Streifen Celluloid oder Weissblech, den man miteiner kleinen Tülle versieht, erfüllt den gleichen Zweck) und bedeckt die Oeffnung miteiner Glaskappe oder verschliesst mit einem kantig geschliffenen Glasstöpsel.
Banzig gewordenes Bicinusöl lässt sich durch Digestion mit Magnesiumkarbonatund Filtrircn wiederherstellen, falls man es nicht für äusserliche Zwecke verwenden kann.
Anwendung. Bicinusöl ist ein mildes, sicheres, rein mechanisch wirkendes Ab-führmittel, das von unangenehmen Nebenwirkungen zwar frei ist und deshalb auch vonKindern, Wöchnerinnen etc. gut vertragen wird, von manchen Personen aber nicht ein-___________ genommen werden kann, da ihr Magen es immer wie-der von sich giebt. Die Unannehmlichkeit des Ein-nehmens beruht hauptsächlich auf der zähen, dick-flüssigen Beschaffenheit des kalten Oeles, weshalb manes am besten mit heisser Fleischbrühe, Milch oder Kaffeenimmt, auch wohl auf Bier und mit diesem überschich-tet oder damit zum Schaum geschüttelt, seltener in^-•Sji ^|P^ Brausemischungen oder als Gallerte (s. unten). Es giebt
ferner besondere Löffel zum Einnehmen des Oeles. Einesehr beliebte Anwendungsform bieten die elastischenGallertkapseln, die fabrikmässig in verschiedenen Grös-sen, von 0,3—10 g Inhalt hergestellt werden. Vom Arzte wird Bicinusöl häufig als Emul-sion verordnet; es genügt hier 1 j i bis '/, Gummi arabicum. Zum Abwägen des Oeles be-dient man sich hierbei einer kleinen Blechschale mit Fuss (Fig. 104) aus welcher es sichmit Hülfe eines Karteublattes ohne Verlust in den Emulsionsmörser entleeren lässt.
Man nimmt das Oel zu 15—30 — 60 g. Im Klystier zu 30—50 g in Haferschleim.Seine stärkere Wirkung führt man darauf zurück, dass es vom Darm weniger wie andereOele resorbirt wird. Auch äusserlich gebraucht man es bei Verstopfung als Einreibung inden Unterleib; ferner zu Pomaden, Haaröl, in Weingeist gelöst zu Haarspiritus. Im Haus-halte dient es zum Einfetten von feinerem Schuhwerk, in der Technik zur Türkischroth-färberei.
Fig. 104. Gefüss zum Abwägeu *onOleum Riciui.
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*) Ueber zweckmässige Verwendung der leeren Ricimisölkanister siehe Bd. I. S. 307,Fußnote.