Druckschrift 
2 (1920)
Entstehung
Seite
434
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

434

Natrium aceticum.

Das Natrium wurde früher gelegentlich zur Erzeugung von Brand- und Aetzschorfenz. B. bei vergifteten Bisswunden angewendet, wird aber zur Zeit therapeutisch nicht mehrbenutzt.

f Amalgama natrica. Natrinmnmalgam. Ein Amalgam mit 24 Proc. Na-trinmmetalL In metallisches Quecksilber, welches sich in einem Porccllanmörser be-findet, taucht man in ziemlich schneller Folge mit Hülfe eines kurz rechtwinkelig umge-bogenen nicht zu dünnen Glasstabes, welcher an seinem Ende zu einer Spitze ausgezogenist, Natriumscheiben von der ungefähren Grösse eines Markstückes, welche man auf denGlasstab aufspiesst, ein, wobei man das Natrium bis auf den Boden der Reibschale drückt.Die Operation ist unter einem Abzüge oder im Freien vorzunehmen, die Augen sind durcheine Brille, die Hand ist durch einen Handschuh zu schützen. Auch kann man daeQuecksilber in einer Porcellanschale auf dem Wasserbade erwärmen (auf 6070° C.) unddann ohne weitere Erwärmung Natriumstückchen von der Grösse einer halben Bohne mitHilfe des oben erwähnten Glasstabes bis auf den Boden des Gefässes in das Quecksilbereintauchen.

Bei einem Gehalte von 1 Proc. Natrium ist das Natriumamalgam dickflüssig, bei1,25 Proc. breiartig, bei 1,5 Proe. und darüber fest. Man bewahrt es in trockenen, gutverschlossenen Flaschen auf. Es dient als Reduktionsmittel in der synthetischen Chemie.

Kalium-Natrium. 10 Th. Natrium bilden mit 16 Th. Kalium eine flüssige, demQuecksilber ähnliche Legirung, welche bei -j- 8° C. breiartig, bei noch niedrigerer Tempe-ratur fest wirc). Das Entstehen dieser Legirung ist in den Apotheken wiederholt beobachtetworden, wenn absichtlich oder unabsichtlich Kalium- und Natriumstückchen (unter Petro-leum) in das nämliche Gefäss gebracht wurden.

Natrium aceticum.

I. Natrium aceticum CrystalÜSatum. Natrium aceticum (Germ. Helv.). Ab-täte de soude cristallisö (Gall.). Sodii Acetas (U-St.). Terra foliata Tartari crystal-lisata. Natriumacetat. Essigsaures Natron. C^IIaOjjNa -)- 3 H a O. Mol. Gew. = 136.

Darstellung. Das Salz wird durch den Handel in genügender Reinheit bezogen.Die Darstellung erfolgt in chemischen Fabriken durch mehrfaches Umkrystallisiren dessogen. Rothsalzes, d. h. des von den Holzessigfabriken in den Handel gebrachten rohenNatriumacetats. Kleinere Mengen kann man zweckmässig aus verdünnter Essigsäure undNatriumkarbonat bereiten.

Man verdünnt 100 Th. verdünnte Essigsäure (von 30 Proc. CjH 4 0 2 ) mit etwa200 Th. destillirtem Wasser und neutralisirt diese Flüssigkeit durch allmähliche Zugabevon reinem krystallisirten Natriumkarbonat (71 Th.) bis zur schwach-sauren Reaktion. Diefiltrirte Lösung wird auf etwa 200 Th. eingedampft und zur Krystallisation gebracht. Aus-beute etwa 65 Th.

Eigenschaften. Grosse oder kleine, färb- und geruchlose, wasserhelle, spiessigeoder säulenförmige, dem monoklinischen Systeme angehörende Krystalle von bitterlich-salzigem Geschmacke. Es ist bei 15° C. in 1 Th. Wasser löslich, eine solche koncentrirtewässerige Lösung bläut rothes Lackmuspapier schwach, röthet aber Phenolphthaleinlösungnicht. 2 Th. Natriumacetat lösen sich in etwa 1 Th. siedendem Wasser. Natriumacetatlöst sich ferner in etwa 23 Th. Weingeist von gewöhnlicher Temperatur oder in 1 Th.siedendem Weingeist. An warmer Luft verwittern die Krystalle. Beim Erhitzenschmilzt das krystallisirte Natriumacetat schon bei 75° C. in seinem Krystallwasser, da*letztere entweicht bei weiterem Erhitzen bis auf etwa 120° C. vollständig, und es hinter-bleibt nun festes, wasserfreies Natriumacetat als weisses, schuppenförmiges Pulver. Diesesschmilzt bei etwa 300° C. ohne Zersetzung, über 325° C. hinaus aber zerfällt es in Na-triumkarbonat und Aceton.