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Ichthyolum.
mit Schwefel sulfurirte und das so erzeugte schwefelhaltige Oel (Thiol-Rohöl) durch Erhitzenmit konc. Schwefelsäure in wasserlösliche Substanzen überführte.
Darstellung. (D. R. P. No. 39416.) Zur Darstellung des Thiols wird nicht erstda« Thiol-Rohöl [durch Erhitzen von Brannkohlentheeröl (Gasöl) mit Schwefel gewonnen]isolirt, sondern die nach dem Aufhören der Schwefelwasserstoffentwicklung erhaltene Massedirekt mit einem gleichen Gewichtstheil starker Schwefelsaure behandelt und das Reaktions-produkt in Wasser gegossen.
Die sich hierbei ausscheidende harzartige Masse wird durch Auskneten mit WasserTon deT anhängenden Säure und dem unveränderten Mineralfett möglichst befreit. Dannlöst man die Masse in Wasser, neutralisirt die noch vorhandene Mineralsäure mit Ammo-niak oder einer anderen ähnlichen Base, entfernt das Mineralfett durch geeignete Extrak-tionsmittel (z. B. Schütteln mit Ligroin), fällt das gelöste Thiol durch ein indifferentes Salz(Kochsalz, Glaubersalz) aus und reinigt die ausgeschiedene Masse von anhängenden Salzendurch Dialyse.
Ein gehörig gereinigtes, von Mineralfett und Salzen freies, neutrales Thiol giebt,unter den nöthigen Vorsichtsmaassregeln getrocknet, ein nicht hygroskopisches, in Wasserlösliches, festes Produkt.
In den Handel gebracht wird Thiol in fester Form (Thiolum siccum in lamellisund pulveratum) und in koncentrirter wässeriger Lösung (Thiolum liquidum) gebracht.
Thiolum (Ergänzb.) Thiolum siccum. Thiol. Ein dunkelbraunes Pulver vonBebwach asphaltartigem Gerüche und etwas bitterlichem, zusammenziehendem Gcschmacke,welches sich in Wasser zu einer braunrothen, neutralen Flüssigkeit löst. In Chloroformist es löslich, in Weingeist und Benzol nur wenig löslich, in Petroleumbenzin, Aether undAceton fast unlöslich. Erhitzt verbrennt es unter Aufblähen und hinterlässt nicht mehrals 3 Proc. Asche. Dampft man 1 g Thiol mit 10 ccm Natronlauge ein und schmilzt denRückstand in einer Silberschale, so erhält man eine Masse, welche auf Zusatz von Salz-säure Schwefelwasserstoff entwickelt.
Prüfung. 1) Digerirt man 1 Th. festes Thiol mit 20 Th. eines Gemisches ausgleichen Theilen Salpetersäure und Wasser und filtrirt, so darf das Filtrat durch Baryum-uitrat nicht verändert werden (Schwefelsäure bez. Sulfate), mit Silbernitrat nur eine opali-sirende Trübung geben (Chloride). 2) Mit Petroleumbenzin geschüttelt, giebt es an diesesnur wenig einer färbenden Substanz ab, auch darf, wenn dasselbe verdunstet wird, keinerheblicher Rückstand bleiben (nicht sulfonirtes Mineralfett). 3) Mit Natronlauge erwärmt,lasse es den Geruch nach Ammoniak nicht erkennen (Verwechselung mit Ichthyol-Ammo-nium). 4) 1 g Thiol werde mit 3 g reinem Natriumnitrat gemischt. Diese Mischungwerde in kleinen Portionen in einen erhitzten Porcellantiegel eingetragen und zur Ver-puffung gebracht. Nach dem Erkalten befeuchte man den Tiegelinhalt mit Schwefelsäure,erhitze und wiederhole diese Behandlung, so lange noch rothe Dämpfe entwickelt werden.Wenn diese ausbleiben, so verjage man die überschüssige Säure durch Erhitzen, pulvereden Inhalt des Tiegels nach dem Erkalten und schüttele das Pulver mit 5 ccm Stanno-chloridlösung. Letztere darf innerhalb einer Stunde keine Schwärzung oder Bräunungzeigen (Arsen).
Thiolum liquidum. Flüssiges Thiol. Das Thiolum liquidum bildet einedunkelrothbraune sirupdicke Flüssigkeit,, welche mit Wasser in jedem Verhältnisse misch-bar ist, aus welcher Lösung aber durch Kochsalz oder Salzsäure eine dunkle, klebrigeMasse abgeschieden wird, die, ausgewaschen, in Wasser vollkommen löslich ist. In derwässerigen Thiollösung erzeugen Zinksulfat, Baryumohlorid, Bleiacetat amorphe Nieder-schläge, die auch nach dem Auswaschen mit Wasser von diesem nicht gelöst werden.Spec. Gew. etwa 1,080 —1,082. Ein bestimmtes specifisches Gewicht der gesättigtenwässerigen Thiollösung lässt sich nicht fixiren, weil bei der Darstellung des Thiols nichtimmer gleich lösliche Produkte entstehen und Schwankungen bis zu 5 Proc. vorkommon(Lösungen von 35—40 Proc. Thiol). Aus jedem festen Thiol kann aber eine 40procentigeLösung erhalten werden, wenn man die Lösung durch Zusatz von Glycerin unterstützt.
Nach Ergänzb. kann als „flüssiges Thiol" eine Lösung vorräthig gehalten werden,welche bereitet ist aus 2 Th. Thiol, 1 Th. Glycerin und 5 Th. Wasser. Diese Lösung ent-hält 25 Proc. festes Thiol und darf nicht verwechselt werden mit dem etwa 40 Proc.festes Thiol enthaltendem Präparat des Handels.
Anwendung. Dem Thiol kommen ähnliche therapeutische Eigenschaften zu wiedem Ichthyol. Es wirkt reducirend, austrocknend, verhornend, gefässverengerad und leichtantiseptisch. — Das pulverförmige Thiol eignet sich besonders zur inneren Darreichung,