Druckschrift 
2 (1920)
Entstehung
Seite
116
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

116

Ichthyolum.

Ichthyolum austriacum. Petrosulfol. Die Firma G. Hell & Co. bringt einÖsterreichisches Ichthyol in den Handel, welches in gleicher Weise wie das HamburgerPräparat, nur aus anderem bituminösen Rohmaterial dargestellt wird. Die Riechstoffe unddie Sulfate sollen diesem Präparat durch Dialyse entzogen werden. Kottmeyer giebtfolgende Unterschiede an:

Ichthyolum germanicum.

1) Rothbraune, klare, sirupdicke Flüssigkeit Tonbrenzlichem Geschmacke und intensivem Genicke.

2) Die wässerige Lösung ist im auffallendenLichte schwach lehmig braun.

3) Auf dem Platinbleche verbleibt beim Glühenkein Rückstand,

4) Fällt man die 10 proc. wässerige Lösung mitSalzsäure, so giebt das Filtrat mit Baryumchloridintensive Trübung, bedingt durch Ammonsulfat.

5) Verdunstungsrückstand bei 100° C, 45 Proc.,firnissartig, glänzend von rothbrauner Farbe, imdurchfallenden Lichte klar.

6) Gesammtschwefel auf die Trockensubstanzberechnet ist = 21,1 Proc.

Petrosulfol.

1) Rothbraun durchscheinende, klare Massevon der Konsistenz eines dicklichen Extraktes,von eigenthümlichem Geschmacke und schwachemGerüche.

2) Die wässerige Lösung fluorescirt grünlich.

8) Es verbleibt ein sehr geringer Rückstand vonalkalischer Reaktion.

4) Sulfate sind nur in Spuren vorhanden, daherzeigt das Filtrat nur geringe Opalescenz.

5) Verdunstungsrückstand bei 100° C. 4248Proc, firnissartig, glänzend, klar, rothbraun.

6) Gesammtschwefelgehalt auf die Trockensub-stanz berechnet ist = 16,3 Proc.

Ichthyolum austriacum veterinarium ist eine rohere Sorte des österreichischenIchthyols, zum Gebrauch in der Thierheilkunde bestimmt.

Das Petrosulfol kann vorläufig nicht an Stelle des eigentlichen Ichthyols gesetztwerden.

II. Desichthol. Beim inneren Gehrauche, ist der Geruch und Geschmack des Ich-thyols für manche Personen unangenehm. Da Geruch und Geschmack im wesentlichendurch das vorhandene flüchtige Oel (das Sulfon) bedingt werden, so befreit die Ichthyol-Gesellschaft das Ichthyol durch Destillation mittels Wasserdampf vom ätherischen Oel undbringt das so gereinigte Produkt alsDesichthol" in den Verkehr.

Dieses gleicht in allen Eigenschaften dem Ichthyol, nur besitzt es einen wenigerstarken Geruch. Angeblich soll das Desichthol auch nach folgendem Vorfahren hergestelltweiden:

10 Th. IchthyolsulfosaureB Ammonium werden in 7,5 Th. Wasser gelöst und mit2,5 Th. käuflicher Wasserstoffsuperoxydlösung von 3 Proc. versetzt. Man lässt etwa 24bis 48 Stunden unter bisweiligem Umrühren in der Kälte stehen, neutralisirt, wenn er-forderlich diese Lösung mit Ammoniak und dampft sie bis zum Gewicht von 10 Th. ein.

Das Desichthol dient aus den eben angeführten Gründen namentlich zur inneren An-wendung, indessen sind nicht unbegründete Zweifel ausgesprochen werden, ob dies schwachriechende Präparat auch wohl ebenso wirksam sei, als die stark riechenden.

III. Anytin. Behandelt man das Ichthyol-Eohöl mit konc. Schwefelsäure, so er-hält man ein Produkt, welches bestehen soll aus: Ichthyoldisulfosäure, ferner aus demätherischen Oele vom Charakter der Sulfone, endlich aus einem dritten, noch nicht näherbekannten Bestandtheile. Behandelt man das trockene Ichthyol mit absolutem Alkohol, sogeht die Ichthyoldisulfosäure in Lösung. Aus dem verbliebenen unlöslichen Rückstandekann man das Sulfon durch Petroläther ausziehen. Das Sulfon ist übrigens auch löslichin Aether, Chloroform, Benzol und Schwefelkohlenstoff, wenig löslich ist es in absolutemAlkohol, unlöslich in verdünntem Alkohol und in WasBer. Der in Petroläther unlöslicheRest ist nur löslich in Chloroform, Benzol oder Schwefelkohlenstoff.

Die sogenannte Ichthyolsulfosäure des Handels, welche, wie schon bemerkt, ein Ge-misch deT drei genannten Substanzen ist, ist nun in Wasser vollständig löslich. Das istauffällig und dadurch zu erklären, dass die anwesende Ichthyolsulfosäure die Löslichkeitder beiden anderen unlöslicheren Substanzen in Wasser vermittelt. Mithin kommt derIchthyolsulfosäure ein erhebliches Auflösungsvermögen zu. Als Anytin wird nun ein vomSulfon und dem dritten Körper thunlichst befreites Ichthyolammonium in den Handelgebracht.

Zur Darstellung lässt man auf Ichthyol-Rohöl konc. Schwefelsäure einwirken,reinigt das Reaktionsprodukt, neutralisirt es mit Ammoniak, trocknet es und zieht es mitabsolutem Alkohol aus. Der nach Entfernung des Alkohols hinterbleibende Rückstandwird auf einen Trockenrückstand von 50 Proc. gebracht.