Druckschrift 
Erg.Bd. (1908)
Entstehung
Seite
545
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Pilnlae.

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Pilulae.

Pillen mit Sebum ovile eignen sich nach W. Jawobski ausgezeichnet für die Dar-reichung von Arzneimitteln, die erst im Darm zur Wirkung gelangen sollen. Sie schmelzenweder, noch lösen sie sich im Magen auf. Es darf aber nur ein Talg verwendet werden,welcher nicht niedriger als bei 45° schmilzt. (Sebum ovile D. A.-B. IV Schmelzp. 4750°.)In einer Pille darf nicht mehr als 0,1 g Sebum ovile und von der zu verordnenden Substanzhöchstens ebensoviel enthalten sein. Bei Pillen, welche geringere Quantitäten von wirksamerSubstanz, z. B. 0,01 g, enthalten, müssen einige Zentigramme Pulv. Liquiritiae oder Magnesiausta zugesetzt werden. Als Streupulver eignet sich Pulvis Lycopodii oder Magnesia ustaam besten.

Pilulae keratinatae. Die Herstellung brauchbarer keratinierter Pillen, also solcher,die den Magen ungelöst passieren, im Darm dagegen sicher zur Lösung und Wirkung ge-langen, erfordert neben Erfüllung bestimmter Bedingungen große Sorgfalt und eine gewisset v bung. Wir teilen im nachfolgenden nach Angaben von Rungk (Pharm. Ztg. 1907) dieVorschriften zu den von Unna am häufigsten verordneten Dünndarmpillen mit; natürlichläßt sich jeder Arzneistoff in dieser Form dispensieren. Notwendig ist es dann nur, die Zu-sammensetzung in ähnlicher Weise zu machen wie bei den unten angegebenen Formeln, d. h.man muß vor allem die Pillenmassen stets unter Zusatz von Fett herstellen und möglichstunter Vermeidung von Pflanzenpulvern als Konstituens. Es geschieht dies um ein Quellender Pillen im Magen und das dadurch bedingte Zerspringen der Keratinhülle zu verhüten.

Unna läßt für seine Pillen stets ein aus Wachs und Talg bereitetes Sebum propilulis kerat. (s. weiter unten) verarbeiten. Natürlich kann man auch ebensogut Wollfettoder Kakaoöl zu demselben Zwecke gebrauchen. An Stelle von Pflanzenpulver nimmt manam besten Bolus alba, Caolin, Carbo pulv. oder Terra silicea (Kieselgur) und erzielt damitgute, plastische Pillenmassen. Vermeiden muß man, daß die Massen zu viel Pulver ent-halten, weil sie dann zu hart werden und die Gefahr vorhanden ist, daß die Pillen auchden Darm ungelöst passieren. PvüNGE empfiehlt, um diese Möglichkeit so gut wie auszu-schließen, stets einen kleinen Zusatz von Sapo medicat. pulv. zur Masse zu machen, undzwar ca. 1 / 21,5 Proz.; natürlich nur da, wo es mit dem Arzneistoff irgend verträglich ist.

Die fertigen Pillen überzieht man 56mal mit Keratinlösung (1:30), und zwar kannman fast stets ammoniakalische nehmen (deren Vorschrift s. weiter unten), da die Gefahr,daß das Ammoniak ev. zersetzend oder neutralisierend auf den Arzneistoff einwirkt, ziemlichausgeschlossen ist, wenn die Pillenmasse Fett enthält. Am besten eignet sich zum Über-ziehen ein Dragierkessel, in dem man die Pillen so lange laufen läßt, bis sie trocken sind. Dannfeuchtet man von neuem mit Keratinlösung an und so fort. Um zu vermeiden, daß diefeuchten Pillen aneinander kleben, bestreut man sie am besten einige Zeit nach dem An-feuchten mit Keratinlösung ein wenig mit Graphit. Hat man einen Dragierkessel nicht zurVerfügung, so muß man sich zum Keratinieren eines flachen Gefäßes (Teller, Blechdeckel)bedienen, auf dem man die feuchten Pillen so lange hin und her bewegt, bis sie getrocknetsind. Zum Verhüten des Aneinanderklebens rollt man sie, nachdem sie beinahe trockensind, in Graphitpulver. Man muß unbedingt vermeiden, daß die Pillen aneinander oder amTeller kleben bleiben, da dann die Keratinschicht verletzt und die ganze Prozedur unwirk-sam wird.

Zum Überziehen von Pillen wird von französischer Seite das sog. Maisin sehrempfohlen, da dasselbe den Einwirkungen des Magensaftes vorzüglich stand hält, im Darm-kanal aber gelöst wird. Man erhält es durch Extraktion von Maiskörnern mittels Alkoholsund Fällen der alkoholischen Lösung durch Wasser. Man trocknet und pulvert das Maisinund löst es zum Gebrauch in Eisessig 1:1 oder in Alkohol 1:2,5. Mit diesen unter Um-ständen noch etwas verdünnten Lösungen werden die Pillen überzogen. Dampft man dieLösungen aber ein, so erhält man eine dicke Paste, die sich zur Darstellung von Cachetsund Kapseln sehr gut eignen soll.

Überziehen von Pillen mit Salol nach Löffleb: Man nimmt einen Blechlöffel(1520 cm im Durchmesser), schmilzt in einer Ecke über einer kleinen Spirituslampe beica. 5060° C (nicht höher!) etwas Salol (0,50,75 g auf 30 Pillen), rollt die Pillen durch dasgeschmolzene Salol, dann sofort wieder auf die kälteren Stellen zurück und so weiter bis zumErkalten. Die Pillen werden in mit Watte ausgelegten Schachteln abgegeben, damit sienicht durch Stoßen Risse erhalten. Richtig hergestellt sind die Salolpillen den Keratinpillenvorzuziehen, weil der Überzug sicherer hält. Die Pillen werden mit kühlem Wasser ver-schluckt, damit in der Magenwärme nicht der Bezug schmilzt.

Das Versilbern der Pillen läßt sich mit einer Lösung von Gelatine in konzentrierterEssigsäure auf folgende Weise vornehmen: Man löst 10 Teile in Wasser aufgeweichter Gela-tine heiß in 45 T. Essigsäure, dampft bis zum spez. Gew. 1,15 ein, setzt 12 Proz. Alkoholzu und läßt erkalten. Zu je 4 kg der Pillen gibt man nun 13 g dieser Masse oder soviel, bis die Pillen bei dauernder Rotierung Neigung zeigen, zusammenzukleben. Dann gibtHandb. d. pharm. Praxis. Ergänzungsband. 00