432
Kamala. Kawa-Kawa.
Kamala. (zu Bd. n s. 225.)
Bestandteile. Neuerdings wird das Vorhandensein von Isorottlerin nebenRottlerin in der Kamala angezweifelt, und man nimmt an. daß es sich bei früherenUntersuchungen wahrscheinlich nur um ein durch Harz verunreinigtes Eottierin gehandelthat. Der Schmelzpunkt des letzteren wird jetzt mit 199—200° angegeben. Bei der Spal-tung des Rottlerins treten nach Hermann und nach Tbllb neben Hydrozimtsäure und Essig-säure Homologe des Phloroglucins auf, woraus hervorgeht, daß Rottlerin ebenso wie dieStoffe der Filixsäurereihe und die Bestandteile der Kosoblüten und des Pannarhizomschemisch zu den Phloroglucinderivaten gehört. Es Desteht demnach zwischen allen diesenStoffen ein innerer Zusammenhang, der die gleiche Wirkung der Stoffe als wurmtreibendeMittel trotz ihrer äußerlichen Verschiedenheit erklärlich macht.
Handel und Verfälschung. Seitdem Farnkrautwurzelextrakt infolge mehrfachgezeigter schädlicher Nebenwirkungen als Bandwurmmittel ohne ärztliche Verordnungin den Apotheken nicht mehr abgegeben werden darf, gewinnt Kamala wieder an Bedeu-tung. Dies mit Kecht, denn frische, gut gereinigte Kamala gilt immer noch als eine derbesten, dabei ungefährlichen wurmtreibenden Drogen. Allerdings ist darauf zu achten,daß der Aschegehalt 5—6 Proz. nicht übersteigt, um so mehr, als die von Indien herein-kommende Handelsware durchgehends einen hohen Gehalt an mineralischen Beimengungen,meist aus rotem Quarzsand bestehend, sowie auch an pflanzlichen Gewebeelementen, vonden Früchten der Kamala stammend, aufweist; mit diesen beiden Faktoren ist also beimEinkauf besonders zu rechnen. Verfasser ermittelte während der letzten Jahre bei zahl-reichen Partien der Rohdroge einen Aschegehalt von 19,5—65 Proz.!
Die Bearbeitungsweise, die Rohdroge auf einen minimalen Aschegehalt herabzu-drücken, hat aber derartig Fortschritte gemacht, daß im Medizinaldrogenhandel eine Waremit 5—6, sogar 3—4 Proz. Asche jederzeit unschwer erhältlich ist. Bei richtiger Bearbei-tung leidet weder die Wirkung noch das Aussehen der Droge.
Es gestatten: Germ. IV Helv. IV Austr. VIII Suec. VIII Jap. IIIAsche sämtlich 6 Proz.
Eine Verfälschung der Kamala mit rotem Sandelholzpulver ist beobachtetworden, doch ist diese mikroskopisch leicht nachzuweisen. Lenz fand in der sonst probe-haltigen Kamala eines ersten Drogenhauses reichlich Stärkekörnchen von Form undGröße der Weizenstärke.
Kamakosin ist ein Bandwurmmittel der Firma Dr. Hugo Remmler in Berlin N,dessen wirksame Bestandteile Kamala und Koussin darstellen.
Küchenmeisters Bandwurmkapseln enthalten 0,2 g Coffein, 1 g Pelletierin, 5 g Ka-mala und 5 g Rieinusöl. Bezugsquelle: Salomonis-Apotheke in Dresden.
Kawa-Kawa. (zu Bd. n s. 639.)
Radix Kawa-Kawa von Piper methystiCUltl Forst. Gattung der Piperaceae.
Beschreibung (anatomische Merkmale). Der Querschnitt einer jüngeren Wurzelzeigt unter einem stark kollabierten Oberhautgewebe erst einige Schichten hypodermalenCharakters, dann folgt das Rindengewebe, das aus 8—10 Reihen weiter, gestreckter,lückenhaft verbundener, dünnwandiger Zellen besteht, schließlich die aus einer Zell-reihe gebildete Endodermis und ein einschichtiges Pericambium. Der zentrale Holzzylinderist anfangs tetrareh, wird aber bei zunehmendem Alter der Wurzel polyarch; die breiten,keilförmigen Holzstrahlen sind durch Markstrahlen, die aus 4— 6 Reihen gestreckterZellen bestehen, getrennt. Das Zentrum wird aus großen Zellen mit verholzten Wan-dungen gebildet. Rinden- und Markstrahlzellen enthalten meist viel Stärke, oft aber anderen Stelle Harz, das mit konz. Schwefelsäure bekanntlich rot wird. Bei älterenWurzeln treten am Pericambium Gruppen unregelmäßiger, sekundärer Gefäßbündel auf,das Mark schwindet mehr und mehr zugunsten des zentralen Holzzylinders.