Druckschrift 
Erg.Bd. (1908)
Entstehung
Seite
113
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Bacteriologica.

113

3. Nach Gram. Man färbt mit Anüinwasser-Gentianviolett oder mit Anilinwasser-Methylviolett unter Erwärmen mindestens 2 Minuten lang, spült flüchtig mit Anilinwasser abund bringt 1 / 22 Minuten lang in GRAMsche Lösung (1 g Jod, 2 g Kaliumjodid, in 5 gWasser gelöst, werden mit Wasser zu 300 ccm verdünnt). Dabei bildet sich in bestimmtenBakterienarten eine in Alkohol unlösliche Jodverbindung des Farbstoffs. Man bringt dasPräparat nun in absoluten Alkohol, bis es dem Auge farblos erscheint, und untersucht direktoder nachdem man einige Sekunden lang mit Fuchsinlösung nachgefärbt hat. Die nach Gram sichfärbenden Bakterien erscheinen darnach unter dem Mikroskope schwarzblau, alle anderen unddie Gewebselemente farblos, bei Nachfärbung rot. Die GRAMsche Färbung nehmen an: Milz-brand-, Tetanus-, Tuberkel-, Lepra-, Diphtherie-, Schweinerotlauf-, Mäuseseptikämie-Bacillen,die pyogenen Streptococcen und Staphylococcen, die FRÄNKELschen Pneumococcen, Micrococcustetragenus, Streptothrix, Actinomyces, Hefen, Kartoffelbacillen und andere. Setzt man dieAlkoholbehandlung zu lange fort, so können sich einige dieser Bacillen entfärben; leicht tundies Meningococcen. Will man eine Bakterienkultur auf ihr Verhalten bei der GRAMschenFärbung prüfen, so wende man nur junge Kulturen an.

Günther modifiziert die GRAMsche Methode so, daß er bei langsamer Entfärbungdes Präparates im absoluten Alkohol diesen durch 3 Proz. Salzsäure enthaltenden absolutenAlkohol ersetzt, genau 10 Sekunden lang einwirken läßt und dann wieder in absoluten Alkoholzurückbringt. Kutscher färbt vor Anwendung des GRAMschen Verfahrens mit einer Mischungaus gleichen Teilen Anilinwasser, Alkohol und 5 proz. Carbolwasser, der man so viel ge-sättigte alkoholische Gentianviolettlösung zusetzt, daß ein schillerndes Häutchen an derOberfläche erscheint. Die Lösung soll 1015 Minuten lang einwirken, dann abgespült werden.Nun bringt man in GRAMsche Jod-Jodkaliumlösung und verfährt weiter nach Gram. Beidieser Art bleiben auch die Erreger des malignen Ödems und des Bauschbrands gefärbt.

Weigbrt-Nioolle färben 15 Minuten lang unter Erwärmen in einer Mischung aus10 Teilen gesättigter Gentianviolettlösung in 95 proz. Alkohol und 100 T. lproz. Carbolwasser,bringen 1 Minute lang in eine Lösung aus 1 T. Jod, 2 T. Kaliumjodid und 200 T. Wasser,spülen das Präparat mit einer Mischung aus 3 Raumteilen absolutem Alkohol und 1 Raum-teil Aceton ab, bis das Präparat, farblos erscheint, spülen mit Wasser ab und trocknen oderfärben nach wie bei Gram.

4. Nach Claudius wirkt Pikrinsäure ähnlich wie Jodjodkaliumlösung, gibt wenigerNiederschläge und färbt auch die Erreger von Rauschbrand und malignem Ödem. Er be-wirkt die Färbung durch 1 Minute lange Einwirkung von 1 proz. wässeriger Methylviolett-lösung, spült das Präparat mit Wasser ab, tupft es mit Filtrierpapier trocken, spült in einerMischung aus gleichen Teilen gesättigter wässeriger Pikrinsäurelösung und Wasser, spült mitWasser ab, tupft mit Filtrierpapier und legt in Chloroform oder Nelkenöl, bis das Präparatungefärbt erscheint.

5. Zur Kontrastfärbung der Gewebe dient Pikrocarminlösung:

a) Nach Friedländer. 1 g Carmin wird in 1 g Ammoniakflüssigkeit und 50 g Wassergelöst und der Flüssigkeit so viel gesättigte wässerige Pikrinsäurelösung zugegeben, bis dersich bildende Niederschlag beim Umrühren nicht mehr gelöst wird. Der Niederschlag wirddann durch einen geringen Ammoniakzusatz wieder in Lösung gebracht und die Flüssigkeitzur besseren Konservierung mit einigen Tropfen Carbolsäure versetzt; vor dem Gebrauche istsie zu filtrieren.

b) Nach Weigert. 2 g Carmin werden mit 4 g Ammoniakflüssigkeit 24 Stunden langstehen gelassen, dann 200 g konzentrierte wässerige Pikrinsäurelösung zugefügt; nach 24 Stundenwird die Mischung tropfenweise mit Essigsäure versetzt, bis ein Niederschlag erfolgt, der danndurch tropfenweisen Zusatz von Ammoniak wieder in Lösung gebracht wird.

6. Kapselfärbung:

a) Nach Friedländer. Man taucht das Deckglaspräparat 1 3 Minuten in lproz.Essigsäure, trocknet schnell, färbt einige Sekunden mit gesättigter Anilinwasser-Gentianviolett-lösung, spült mit Wasser ab und untersucht. Erscheinen die Kapseln so stark gefärbt, daßsie die Bakterien selbst verdecken, so legt man das Präparat 10 Sekunden lang in lproz.Essigsäure oder 50 proz. Alkohol, spült mit Wasser ab und untersucht wieder.

b) Ribbert färbt die Präparate einige Sekunden lang in einer Mischung aus100 Teilen Wasser, 50 T. Alkohol, 12,5 T. Eisessig und so viel Dahlia, als sich in der Wärmelöst. Dann wird mit Wasser abgespült und darin untersucht.

c) Nicolle färbt mit einer Mischung aus 10 Teilen einer gesättigten Lösung von^entianviolett in 95 proz. Alkohol und 100 T. Carbolwasser, spült in einer Mischung aus3 Volumteilen absolutem Alkohol und 1 Volumteil Aceton ab und untersucht in Wasser.

7. Sporenfärbung nach Möller. Das auf dem Deckgläschen fixierte Präparat wirddurch 2 Minuten langes Einlegen in Chloroform von Fett befreit, abgespült, 5 Sekunden bis10 Minuten lang mit einer 5proz. Chromsäurelösung behandelt; die genaue Dauer dieser Vor-behandlung müssen Vorversuche mit den betreffenden Präparaten entscheiden. Dann wird^gespült und mit Anilinwasserfuchsin oder ZiEHLScher Lösung eine Minute lang in siedenderFlüssigkeit gefärbt. Zur Entfärbung bringt man 5 Sekunden lang in 5 proz. Schwefelsäure,

Handb. d. pharm. Praxis. Ergänzungsband. 8