Bacteriologica.
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physiologischen Wirkung bei Tierversuchen zu erkennen. Viele Bakterien sind soklein, daß man sie hei unmittelbarer mikroskopischer Untersuchung nicht mehr sehenkann, denn selbst das beste Mikroskop bildet nur diejenigen Gegenstände ab, die min-destens die Größe einer halben Wellenlänge des angewendeten Lichtes besitzen. Daswürde also für gelbgrünes Lieht etwa 0,28 fi (= 0,000 28 mm) sein. Die Bakteriengehen nun bei mehreren wichtigen Arten mindestens in ihrer Dicke unter diese Grenze,und man muß dann besondere Hilfsmittel anwenden, um sie sichtbar zu machen.
Das einfachste dieser Hilfsmittel ist die sog. Dunkelfeldbeleuchtung. Bei ihr wirddas die Bakterien enthaltende Objekt mit sehr starkem Lichte beleuchtet, dessen Strahlen-gang jedoch so geregelt ist, daß zwar das Objekt stark beleuchtet ist, daß aber die be-leuchtenden Strahlen nicht direkt in die Mikroskopröhre gelangen können. Unter diesenUmständen wird von den im Objekte vorhandenen Bakterien, Stäubchen usw. so viel Lichtnach dem Okulare hin abgebeugt, daß die betreffenden Gegenstände helleuchtend aufdunklem Grunde erscheinen; sie sind gleichsam in selbstleuchtende Gegenstände ver-wandelt, und bei dem Kontrast zwischen diesen und dem dunklen Grunde, gegen den siesich abheben, gelangen noch weit kleinere Gegenstände zur Wahrnehmung, als dies sonstmöglich ist. Jedoch ist das, was wahrgenommen werden kann, keine getreue Abbildung,sondern nur ein leuchtender und deswegen in seinen anscheinenden Dimensionen ver-zerrter Gegenstand, an dem man richtige Messungen keinesfalls vornehmen kann. Aufdie Weise — bei Anwendung des sog. Paraboloidkondensors von Zeiss in Jena — gelingtes, von Spirochäte pallida, dem sonst nur schwierig mit den besten und stärkstenMikroskopsystemen wahrnehmbaren Erreger der Syphilis, sogar Momentphotographien auf-zunehmen.
Das zweite, zurzeit wohl am meisten angewendete Hilfsmittel, die zarten, an sichungefärbten Bakterienformen sichtbar zu machen, beruht auf der Fähigkeit fast allerBakterien, unter geeigneten Bedingungen aus Farbstofflösuiigen Farbstoffe aufzunehmen,sich auszufärben. Die stark ausgefärbten Bakterien sind dann, namentlich bei entsprechendstarker Beleuchtung, die das Strukturbild bereits überstrahlt und daher mehr oder minderverschwinden läßt, deutlich sichtbar, gefärbt auf leuchtendem Grunde, der die Farben nochbesonders hervortreten läßt. Dabei ist es merkwürdig, daß einzelne Bakterienarten inganz besonderer Weise sich färben und durch Chemikalien entfärben lassen, so daß die ver-schiedenen Färbe- und Entfärbungsmethoden zur Erkennung bestimmter Bakterienarten,besonders pathogener Bakterien, dienen können.
I. Die Zusammensetzung der wichtigsten Nährmittel für Kulturver-suche (nach Abel) ist folgende:
1. Fleischwasser. 500 g feingehacktes, möglichst fettfreies Rind- oder Pferdefleisch(eventuell auch Fleisch anderer Tiere, Plazenten, Bullenhoden) werden mit 1 1 Wasser einehalbe Stunde lang bei etwa 50° C in einem bedeckten Gefäße digeriert, dann 1 /., — 3 / 4 Stundenwi Dampfbade erhitzt, koiiert, die Kolatur auf 1 1 gebracht und in einen mit Wattebausch7, u verschließenden Kolben filtriert.
Dieses Fleischwasser kann ohne wesentliche Beeinträchtigung seiner Nährfähigkeit fürdie meisten Kulturen in vierfacher Verdünnung angewendet werden. Es dient zur Herstellungvon Nährbouillon, Nährgelatine, Nähragar. Soll es aufbewahrt werden, so muß man es steri-lisieren, indem man es an drei aufeinander folgenden Tagen je eine halbe Stunde lang imßampfstrome erhitzt. Dabei werden jedesmal die Bakterien getötet, die etwa vorhandenenwiderstandsfähigeren entwicklungsfähigen Sporen keimen bis zum nächsten Tage meist ausund erliegen dann der abtötenden Wirkung der Hitze. Besitzt man einen Autoklaven, d. h.ei n auch unter Druck dampfdichtes verschließbares Gefäß, so kann man das Fleisehwasserdurch 15 Minuten langes Erhitzen auf 120° sterilisieren; bei dieser Temperatur werden Bak-terien und Sporen vernichtet.
2. Nährbouillon. Im Fleischwasser werden 0,5 Proz. Kochsalz und 1—5 Proz. Pepton(Witt e ) gelöst, die Lösung mit gelöstem Natriumcarbonat tropfenweise versetzt bis zuräffliphoteren Reaktion, d. h. empfindliches blaues Lackmuspapier soll eben nicht mehr gerötetWerden, rotes Lackmuspapier wird dann schon ganz schwach nach Blau verändert. EinÜberschuß an Alkali kann durch einen Tropfen Phosphorsäure zurückgenommen werden,schadet aber in der Regel nichts, wenn er nur gering ist. Man erhitzt jetzt x / 4 — 1 / 2 Stundelang im Dampfstrom undfiltriert. Die Reaktion desFiltrates wirdnochmals geprüft und nötigenfalls