Urina.
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quollenen Substanz auf diesem haften bleiben. Dann giebt man einen Tropfen Wasserzu, deckt ein Deckglas auf und legt unter das Mikroskop. Hierauf lässt man von derSeite unter das Deckglas einen Tropfen gesättigter (!) Jodjodkaliumlösung zufliessenund beobachtet nun bei ca. lOOfacher Vergrösserung besonders an der Stelle, wo diebeiden Flüssigkeiten in einander diffundiren. Ist Sperma zugegen, so sieht man in dergenannten Zone, nicht aber da, wo die koncentrirte Jodlösung sich befindet, pracht-voll ausgebildete, schwarzbraune Krystalle massenhaft auftreten, welche den Teicbmann-schen Krystallen ähnlich sehen. Das Auftreten dieser Krystalle macht zwar das Vor-handensein von Sperma wahrscheinlich, aber absolut beweisend ist es nicht.
b) Prüfung. Man drückt das feuchte Zeugstück (s. oben) mit beiden Seiten aufeinen Objektträger, so dass auf diesem Theile der gequollenen Massen hängen bleiben,giebt Wasser zu, legt ein Deckglas auf und betrachtet bei ca. SOOfacher Vergrösserung.Bei Anwesenheit von Sperma sieht man mehr oder weniger zahlreiche Spermatozoon, wiesie Figur 204 darstellt, die sich durch ihre starke Lichtbrechung von der Umgebung ab-heben. Man unterscheidet den birnenförmigen Kopf mit einem Halse und an diesen an-schliessend den peitschenförmigen Schwanz. Gewöhnlich sind viele schwanzlose Köpfevorhanden, und man muss sich bemühen, völlig intakte Spermatozoon zu finden, da nurderen Auffinden beweisend für Sperma ist.
Gefärbte Präparate. Man macht, wie vorher angegeben, „Klatschpräparate :i aufeiner Anzahl Objektträgern, lässt sie eintrocknen und fixirt sie durch dreimaliges Hindurch-ziehen durch die Flamme. Dann übergiesst man mit Hämatoxylinlösung (s. S. 390) oderKarbolfuchsin (s. S. 1096), lässt 5 Minuten einwirken, spült mit Wasser ab und untersucht bei350facher Vergrösserung. Hatte man mit Hämatoxylin gefärbt, so sind die Spermatozoon(aber auch Zellkerne, Kokken u. dgl.) dunkelblauviolett gefärbt, bei Färbung mit Karbol-fuchsin sind sie roth. Man kann die Präparate trocknen und als Testobjekte mit Kanada-haisam einschliessen.
Untersuchung des Magensaftes. Für den Arzt ist es häufig von Wichtigkeit,Aufschluss zu erhalten über die Säure-Verhältnisse des Magensaftes, besonders ob dieserfreie Salzsäure enthält oder nicht, ob freie Milchsäure, Buttersäure oder Essigsäure zu-gegen sind. Bisweilen wird auch die Prüfung auf Pepsin und Labferment gefordert. —Der zu prüfende Magensaft ist eine Stunde nach einem Theefrühstück oder vier Stundenfach einer LEUBE'scben Probemahlzeit mit dem Magenrohr zu entnehmen, darauf durchGesicht und Geruch zu prüfen, dann zu flltriren und mit Lackmuspapier zu prüfen.
Qualitativer Nachweis der freien Salzsäure. Die von der Magenschleim-haut abgesonderte freie Salzsäure wirkt desinficirend auf den Mageninhalt, hält die Eiweiss-täulniss zurück, wirkt ausserdem noch peptonisirend. Der filtrirte Magensaft wird nach-stehenden Prüfungen unterworfen:
1) Methylviolett. Man bringt 1 ccm des zu prüfenden Magensaftes zu 5 ccmeiner stark verdünnten wässerigen Lösung von Methylviolett. Bei Anwesenheit freierSalzsäure geht das Violett in ein gesättigtes Azur- bis Himmelblau über. Empfindlichkeit0,25 0/e» HCL.
Milchsäure giebt diese Blaufärbung erst in Koncentrationen, welche im Magensaftselten oder gar nicht vorkommen.
2) Tropäolin 00 (Oxynaphthylazophenylsulfonsäure). Man vertheilt 4—5 Tropfeneiner gesättigten alkoholischen Tropäolin-Lösung durch Schwenken in einem kleinen Por-eellanschälchen und lässt den filtrirten Magensaft tropfenweise herabfliessen und einigeAugenblicke sich mischen. Man vertheilt die Mischung auf's neue an den Wandungender Schale, lässt wieder abfliessen und erhitzt schwach über sehr kleiner Flamme. Esentstehen alsdann an einzelnen Stellen violette bis lebhaft lilarothe Spiegel, und nur diesesind beweisend für die Anwesenheit freier Salzsäure. Empfindlichkeit 0,25 °/ 00 HCl. (DasTropäolin-Papier ist weniger zu empfehlen.)
3) Günzbukg's Vanillin-Phloroglucinprobe. Man bringt 3 Tropfen von Lösung aUnd 3 Tropfen von Lösung b in eine Porcellanschale, lässt 5 Tropfen Magensaft zufliessenund erwärmt unter Umschwenken vorsichtig. Bei Gegenwart von freier Salzsäure entstehenintensiv hochrothe Spiegel. Die Flüssigkeit darf nicht ins Sieden kommen. Empfind-lichkeit 0,05 •/„„ HCl. Empfehlenswerth!
Günzbueg's Reagens. Lösung a) Phloroglucin 2,0, Spiritus 15,0, Lösung b)Vanillin 1,0, Spiritus 15,0.
4. Congopapier. Man bringt in ein Probirglas 5 ccm Magensaft, fügt einStuckchen Congopapier hinzu und schüttelt um. Bei Anwesenheit freier Salzsäure färbtich dieses deutlich kornblumenblau. Empfindlichkeit 0,1°/ 00 HCl. (Pasch orientirende Probe.)
5) Boas' Pesorcinprobe. Man vermischt in einem Porcellanschälchen 5—6 TropfenMagensaft mit 2—3 Tropfen Boas' Resorcin-Reagens und erhitzt vorsichtig über sehrkleiner Flamme. Beim Eintrocknen entstehen rosa- bis zinnoberrothe Spiegel, falls Salz-säure zugegen ist. Die Färbung verblasst schnell und kann gelegentlich übersehen werden.