Terpinura.
1029
Seiner Zusammensetzung nach ist das Terpinhydrat als mit 1 Mol. Wasser krystalli-sirendes Terpin aufzufassen; seine Formel ist daher C 10 H 1S (OH) 2 . H 2 0. Das Terpin ist, wie°hige Formel zeigt, ein zweiatomiger Alkohol. Kocht man Terpin (oder Terpinhydrat) mitverdünnten Säuren, so entstehen durch Abspaltung von 1 Mol. Wasser sauerstoffhaltigeKörper, und zwar Cineol und Terpineol, durch Abspaltung von 2 Mol. Wasser sauer*stofffreie Körper, nämlich die Terpene C J0 H ie , Dipenten, Terpinen und Terpineolen.
Prüfung. 1) Dem Terpinhydrat darf kein terpentinartiger Geruch anhaften, derdavon herrührt, dass zum Umkrystallisiren mit Terpentinöl denaturirter Spiritus verwandt"wurde. 2) Die heisse wässerige Lösung soll keine sauere Reaktion zeigen. In beidenFällen wäre Umkrystallisiren aus heissem Alkohol zu empfehlen. 3) Bestimmung desSchmelzpunktes zur Identificirung des Terpinhydrats. 4) Die heisse wässerige Lösungn 'iimt auf Zusatz von Schwefelsäure einen äusserst angenehmen, von dem gebildeten Ter-pineol herrührenden Fliedergeruch an (Identitätsreaktion).
Aufbewahrung. In dicht geschlossenen Gefässen an einem kühlen Orte, umAbdunsten des Krystallwassers thunlichst zu vermeiden.
Anwendung. Terpinhydrat wird in manchen Fällen an Stelle des Terpentinöleszum innerlichen Gebranch angewendet. Von Maxasse wird es gegen Keuchhusten inDosen von 0,5 — 1 g, täglich einmal zu nehmen, empfohlen.
II. Terpinollim. Tcrpinol (Gall.). Ist nicht zu verwechseln mit Terpineol.Wird Terpinhydrat oder Terpin mit massig verdünnten Mineralsäurcn gekocht, so
entsteht ein angenehm riechendes Oel, welches von Wiggees für einen einheitlichen Körpergehalten und Terpinol C 20 II 31 O genannt wurde. Seine Entstehung aus dem Terpin(hydrat)sollte nach folgender Gleichung vor sich gehen: 2 C 10 H 18 (OH) 2 = 3 ILO -J~ C 20 H M O. Wallachhat indessen gezeigt, dass dieses Oel ein Gemenge von Terpenen mit sauerstoffhaltigenVerbindungen (Cineol und Terpineol) ist.
In der Kegel wird es durch Destillation von 100 Th. Terpinhydrat mit 500 Th. einerJOproc. Schwefelsäure dargestellt. Das hierbei resultirende ölige Produkt, welches etwazwischen 160—220° C. übergeht, soll fraktionirt werden. Nur die bei 168° C. übergehen-den Antheile sollen als Terpineol aufgefangen werden. Sie bilden ein optisch inaktives,angenehm nach Hyacinthen riechendes Oel, welches in Wasser nahezu unlöslich, leichtlöslich dagegen in Alkohol und in Aether ist. Das spec. Gewicht beträgt 0,852 bei 15° C.JNach Wallach ist Terpinol ein Gemenge von mehreren verschiedenen Körper; nämlich^ eT n (sauerstoffhaltigen) Terpineol C )0 Hi 8 0 und drei (sauerstofffreien) Terpenen C, 0 H 1() :terpinen, Terpinolen und Dipenten. Für die Mengenverhältnisse, in denen die einzelnenSubstanzen sich bilden, ist die Koncentration und die Natur der gewählten Säure nichtgleichgültig. Bei einer Verdünnung der Schwefelsäure mit Wasser im Verhältniss von 1 : 2w erden relativ viel Terpineol, Terpinolen und Dipenten erhalten, mit sehr verdünnterSäure (1 : 7) dagegen bildet sich vorwiegend Terpinen. Es wäre daher für die therapeu-t'sche Verwendung des Präparates erwünscht, zunächst eine bindende Vorschrift auszu-arbeiten, welche die Erlangung eines konstanten Präparates gewährleistet.
Anwendung. Das Terpinol wird namentlich von Gdelpa und Moeba als ein dieSehleimhaut der Bronchien anregendes Mittel empfohlen, doch sind die Ansichten überseine Wirkungen noch getheilt. — Es gehört zu den ziemlich indifferenten Mitteln, ista uf die Harnwege ohne besondere Einwirkung. Da es durch die Lungen ausgeschiedenwir d, so wendet man es an, um auf die Schleimhaut der Luftwege einzuwirken. ManSieht es zur Vermehrung der Sekretion und zur Erleichterung der Hustenanfälle bei Bron-cll ialkatarrhen zu 0,5—1,0 g pro die in Kapseln. Grössere Gaben stören die Verdauung.— Das Terpineol dient ausserdem zur künstlichen Nachbildung des Flieder-Parfüms.
Aufbetvahrung. In gut verschlossenen Gefässen, vor Licht geschützt, umv erharzen zu vermeiden, wie ein ätherisches Oel.
III. Terebenum. (Brit. Ergänzb. U-St.). Tereben. Wurde früher für eine ein-heitliche Verbindung und zwar für die optisch inaktive Modifikation der Terpene gehalten.Es ist inzwischen nachgewiesen, dass auch das Tereben ein Gemisch verschiedener Körper ist.
m