Terebinthina.
1021
Herkunft und Handelssorten. Für den pharmaceutischen Gebrauch kommenfast ausschliesslich das amerikanische und das französische Terpentinöl in Betracht.
1) Das amerikanische Terpentinöl wird hauptsächlich aus dem Terpentin vonPinus Taeda L. (Loblolly Pine) und von Pinus australis Michx. (Pitch oder Yellow Pine)im östlichen Theile von Nordamerika, von Florida bis Nordkarolina, gewonnen.
Die 15—20 Barrels haltende kupferne Destillationsblase steht auf einem genauertenHerde und ist mit einer in einem Wasserfass befindlichen Kühlschlange verbunden. Diemit Terpentin und Wasser gefüllte Blase wird durch direktes Feuer geheizt. Währenddes Destillirens wird von Zeit zu Zeit Wasser zugesetzt, bis die Destillation beendet ist.5 Barrels Ron-Terpentin geben auf diese Weise 1 Barrel Terpentinöl.
Amerikanisches Terpentinöl dreht die Ebene des polarisirten Lichts nach rechtsl 'nd siedet zwischen 156 und 170° C. Das spcc. Gew. schwankt zwischen 0,850 und 0,876.
2) Französisches Terpentinöl ist das Produkt der Destillation des Terpentinsvon Pinus Pinaster Solander mit Wasser. Die Strandkiefer (Pin maritime oder Pin deBordeaux) bildet zwischen Bordeaux und Bayonne ausgedehnte Waldungen und wirdin ausgiebigster Weise zur Terpentingewinnung benutzt. Das französische Terpentinölbesitzt im Vergleich mit dem amerikanischen Oele einen entschieden feineren und an-genehmeren, etwas an Wacholder erinnernden Geruch. Es unterscheidet sich von demamerikanischen Terpentinöl hauptsächlich dadurch, dass es den polarisirten Lichtstrahlnach links ablenkt. In Bezug auf spec. Gewicht und Siedetemperatur bestehen bemerkens-werte Verschiedenheiten nicht.
3) Das österreichische Terpentinöl, von Pinus Laricio Poir. in Nieder-Oester-leich gewonnen, ist in seinen Eigenschaften den beiden vorher genannten Oelen ähnlich.
4) Das sogenannte deutsche (russische, polnische) Terpentinöl führt diesentarnen zu Unrecht, da es nicht aus Terpentin destillirt wird, und ist besser als Kienöl zubezeichnen. Es ist ein Nebenprodukt bei der Theergewinnung aus dem harzreichen Wurzel-bolze (Kien) der Kiefer, Pinus sylvestris L., durch trockne Destillation. Wegen seinesunangenehm brenzliehen Geruches kann es nur zur Herstellung ordinärer Lacke und Firnisse,zum Reinigen von Lettern und Druckplatten und ähnlichen Zwecken Verwendung finden.Es ist optisch rechtsdrehend, hat das spec. Gew. 0,865—0,870 und enthält grössere Mengenoberhalb 162° C. siedender Antheile. In seiner Zusammensetzung unterscheidet es sich vonTerpentinöl durch seinen Gehalt an Sylvestren C 10 H 16 .
Eigenschaften. Frisch destillirtes Terpentinöl ist dünnflüssig und farblos unddurch einen charakteristischen Geruch ausgezeichnet. Spec. Gew. 0,865—0,870 (Germ. IV).Wie bereits erwähnt, ist amerikanisches Terpentinöl in der Regel rechtsdrehend (Drehungs-winkel im lOOmm-Rohr bis + 14°), sehr selten jedoch auch schwach linksdrehend. Die optischeDrehung des französischen Oeles beträgt — 20 bis —40°. Terpentinöl löst sich in 12 TheilenWeingeist klar auf und geht bei der Destillation grösstenteils (d. h. etwa 80 Proc.) zwischen155—162° C. über. Die Reaktion ist meist schwach sauer.
Bestandteile. Terpentinöl besteht fast ausschliesslich aus Pinen C 10 H 16 , einemder verbreitetsten Terpene, und zwar enthält das französische Oel wohl ausschliesslich dielinksdrehende Modifikation, während im amerikanischen beide optische Antipoden vorhandenzu sein scheinen, wobei jedoch der rechtsdrehende überwiegt. Für das Vorkommen vonKamphen C 10 H 16 , und Fenchen C 10 H 16 , sind bis jetzt nur indirekte Beweise beigebrachtworden, doch ist an ihrer Gegenwart kaum zu zweifeln.
Prüfling. Terpentinöl wird als eins der billigsten ätherischen Oele selten ver-fälscht. Es kommt allein ein etwaiger Zusatz von Petroleum in Betracht. Ein damitversetztes Oel hat ein geringeres spec. Gew. und ist nicht in einem 12fachen Vol. 90proc.Spiritus löslich.
Oleum Terebinthinae rectificntum. Rektificirtes Terpentinöl wird nach der Vor-schrift der Germ. Helv. Austr. hergestellt, indem man 1 Th. Terpentinöl mit 6 Th. Kalk-wasser destillirt und die Destillation unterbricht, wenn etwa drei Viertel des Oeles über-gegangen sind. Das so erhaltene Destillat ist farblos, hat nach Germ, das spec. Gew.0,860—0,870 (Helv. Austr. 0,855 — 0,865) und destillirt vollständig zwischen 155 und