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Terebinthina.
1) Französischer Terpentin. — Terebinthine commune. Terebinthine deBordeaux (Gall.) von PinuS maritima Poiret (gyn.: Pinus Pinaster Solander) (Coni-ferae — Pinoideae — Abietineae — Abietinae). Man gewinnt den Terpentin in Frankreichin der Gascogne, in dem als „Landes" bezeichneten Landstrich zwischen dem Meer, Garonne,Ciron, Douze, Midonze und Adour. Man beginnt im Februar die Bäume zu verletzen, indem maneinen Streifen Binde und Holz ausschlägt und das von Zeit zu Zeit bis zum Oktober fortsetzt.Der Terpentin wird dann in unter der Wunde angebrachten Töpfen aufgefangen. Er istvon weicher, dickflüssiger Beschaffenheit (Gemme molle) und nnrein. Man reinigt ihn,indem man ihn in Kesseln erhitzt, absetzen lässt und kolirt (Pate de terebenthine a lachaudiere) und ihn in durchlöcherterten Kisten der Sonne aussetzt (Pate de tereben-thine au soleil). Das am Baum angetrocknete Harz wird von Zeit zu Zeit abgekratzt, esheisst Barras oder Galipot.
Frisch ist der Terpentin durchsichtig, trübt sich jedoch an der Luft und wird dabei dicker.Im Handel hat er gewöhnlich die körnige Konsistenz von Honig. Nach langem Stehentrennt er sich in eine obere klare, dickflüssige,' dunkler gefärbte und eine untere festere Schicht,die unter dem Mikroskop wetzsteinförmige Krystalle erkennen lässt. Geruch charakteristischunangenehm, Geschmack scharf, bitter und ekelhaft. Die alkoholische Lösung röthetLackmus schwach. Löslich in Aether, Alkohol, Methylalkohol, Amylalkohol, Aceton, Benzol,Chloroform, Eisessig, Essigäther, Essigsäure, Petroläther, Terpentinöl, Tetrachlorkohlenstoff,Schwefelkohlenstoff, Toluol, in Wasser unlöslich, demselben aber bitteren Geschmack er-theilend.
Bestandtheile nach Brünig (1900). 28—29 Proc. ätherisches Oel (vergl. unten),6—7 Proc. Pimarinsäure C 14 H 22 0 2 , 8—10 Proc. Pimarsäure C 20 H 30 0 2 , 48—50 Proca- und /NPimarolsäure C l5 H 26 0 ä , Kesen 5—6 Proc, Bernsteinsäure, Bitterstoff,Farbstoff, Wasser und Verunreinigungen 1—2 Proe. Säurezahl direkt nachBrünig 122,99—123,67. Säurezahl indirekt 123,62—124,01. Verseifungszahl kalt126,36. Verseifungszahl heiss 125,74. Brünig nimmt hiernach an, dass Säurezahl undVerseifungszahl zusammenfallen, was mit dem Ergebniss seiner Untersuchung übereinstimmt,die nur freie Säuren und keine Ester aufgefunden hat. Nach E. u. K. Dieterich enthältdagegen der Terpentin geringe Mengen von Estern (Esterzahl 2,8—9,8).
2) Amerikanischer oder Virginischer Terpentin. — Terebinthina (TJ-St.). TbnSAmericanum (Brit.). — Turpentine. Frankincense. Hauptsächlich von Pit1US palustris
Miller, auch von P. Taeda L, P. heterophylla Elliot, P. echinata Miller in den Ver-einigten Staaten (Karolina, Georgia, Alabama, Mississippi) gewonnen. Im Frühjahr hautman in den Grund des Baumes 1 oder 2 horizontale Kerben und entrindet darübereinen Streifen bis auf den Splint, der von Zeit zu Zeit verlängert wird. Der Terpentinfliesst in die am Grunde befindliche Kerbe und wird von Zeit zu Zeit ausgefüllt. Auchhier wird das in der Wunde erhärtete Harz (scrape) herausgekratzt. Der zuerst ge-sammelte Terpentin ist von nahezu weisser Farbe (Jungfernharz, virgin dip, kommt als Waterwhite oder window glass [W. G.] in den Handel), die späteren sind gelblich [Fassmarke N.oder M. K.]. Eigenschaften sonst im wesentlichen wie bei 1.
3) Strassburger oder "Weisstannen-Terpentin. — Terebinthina Argentoratensisseu Alsatica. — Terebenthine d'Alsace, des Vosges ou de Strasbourg. Terebenthineau Citron. (Gall.) von Abies pectinata D. C. (syn.: Pinus Picea L., Abies excelsaLk.) (Coniferae — Pinoideae — Abietineae — Abietinae) früher in geringer Menge in denVogesen gesammelt, gegenwärtig scheint die Gewinnung fast ganz aufgehört zu haben.Man sammelt den Terpentin, indem man die an den Bäumen auftretenden Harzbeulenaufsticht.
Klar, durchsichtig, von Sirupkonsistenz. Geschmack balsamisch, etwas scharf, hinter-her bitterlich. Geruch wenig an' Terpentinöl, mehr an Melisse und Citrone erinnernd.Setzt keine Krystalle ab. Löslieh in Aether, Chloroform, Eisessig, Essigäther, Amylalkohol,Benzol, Toluol, Schwefelkohlenstoff und Tetrachlorkohlenstoff, theilweise löslich in Aethyl-und Methylalkohol, Aceton und Petroläther. Keagirt schwach sauer.