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2 (1902)
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555
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und

Papaver. 555

Papaver.

Gattung der Papaveraceae Papaveroideae.

1. Papaver somniferum L. Durch Kultur aus dem im Mittelrneergebiet hei-mischen Papaver setigerum D. C. entstanden. In zahlreichen Formen zur Opium- undOelgewinnung sowie als Zierpflanze kultivirt. Einjährig, kahl, blaugrttn bereift. BlätterZugleich eingeschnitten-gesägt, sitzend. Die oberen stengelumfassend. Blüthenstiele abstehend°ehaart. Blüthen weiss, violett oder roth, an der Basis dunkler, selten heller. Staubblätterzahlreich. Kapsel vergl. 2. Verwendung finden:

1) Das aus der unreifen Kapsel gewonnene Opium (vergl. dort).

2) Die unreifen Kapseln selbst:

Fructus Papaveris (Austr.). Fructns Papaveris imniaturi (Germ. Helv.). Papa-veris Capsulae (Brit.). Capita Papaveris. Codia. Mohnfrüchte. Unreife Mohn-köpfe. Mohnkapseln. Mohnkolben. Mohnkannen (Schlafthee). Capsule de pavothlanc ou offlcinal (Gall.). Tetes de pavot. Poppy Capsules. Poppy Heads.

Beschreibung. Die kuglige oder ovale Kapsel setzt sich aus bis 15 Karpellenzusammen, deren zusammengewachsene Bänder mit den Placenten nach innen mehr oderweniger weit vorspringen; nach unten ist die Kapsel fast immer kurz gestielt, oben trägtsie die breite Narbenscheibe mit den Narbenstrahlen, deren Anzahl der der Karpelle ent-spricht, lieber die Epidermis der Frucht vergl. Opium S. 514 Fig. 59. Im Gewebe einKranz von kräftigen Gefässbündeln, deren Zahl der der Placenten entspricht; ihnen vor-gelagert in einem unregelmässigen Halbkreis eine Gruppe von gegliederten Milchröhren,deren Inhalt das Opium ist. Ausserhalb dieses Kranzes noch zahlreiche kleinere, unregel-rnässig verlaufende Gefässbündel. Bei der wilden Form (P. setigerum) und der mit violettenBlüthen und dunklen Samen öffnet sich die Kapsel mit einer der Anzahl der Karpelleentsprechenden Zahl kleiner Klappen. Die Formen mit weissen Blüthen und weissen Samenspringen nicht auf, doch finden sich auch Zwischenformen. Form und Grösse der Kapselnsind abhängig von der Form, von der sie gesammelt werden. Frisch riechen sie narkotisch"ad schmecken bitter, beim Trocknen verliert sich der Geruch völlig, und der Geschmackwird viel schwächer.

Bestandtheile. Höchstens 0,12 Proc. Opiumalkaloide, davon 0,03 Proc. Mor-phin, 0,04 Proc. Narkotin. Asche 14,28 Proc. Der Alkaloidgehalt ist am höchstenunmittelbar nach dem Abfallen der Blumenblätter und nimmt beim Reifen ab, so dassganz reife Kapseln gar keine Alkaloide mehr enthalten sollen.

Einsammlung und Aufbewahrung, Man sammelt die Mohnfrüchte im Julinach dem Abfallen der Blumenblätter, trocknet sie, nachdem man sie gespalten und diejungen Samen entfernt hat, an einem luftigen, schattigen Orte, zuletzt bei gelinder Wärme,schneidet und bewahrt sie auf der Materialkammer auf. 100 Th. frische geben 14 Th. trockne.

Kauft man die Mohnköpfe vom Drogisten, so ist darauf zu achten, dass man auchWirklich solche erhält, die in unreifem Zustande gesammelt sind; als bestes Kennzeichendafür gilt ein bräunlich glänzender Ueberzug auf der Schnittfläche der Kapsel und desStieles, entstanden durch Eintrocknen des beim Schneiden ausgetretenen Saftes. Bei reifenKapseln fehlt derselbe.

Unreife Mohnköpfe dürfen im Geltungsbereiche der Austr. und Germ, im Handver-kauf nicht abgegeben werden. Nach Gall. sind sie jährlich zu erneuern.

Anwendung. Aeusserlich zu schmerzlindernden Umschlägen, hauptsächlich aberfcur Bereitung des Mohnsimps. Die innerliche Anwendung der Abkochung als Beruhigungs-mittel für kleine Kinder ist ein ebenso verwerflicher wie gefährlicher Missbrauch, da eroft genug den Anlass zu einem frühzeitigen Tode gegeben hat. Das Verbot der Abgabeohne ärztliche Verordnung ist deshalb vollkommen berechtigt, dagegen dürfte die Abgabereifer Kapseln keinem Bedenken unterliegen (vergl. Bestandtheile).

In Deutschland dem freien Verkehr entzogen.