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A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
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RUBEFACIENTIA. VeSICANTIA. CaUTERIA.

welche andere unangenehme Empfindungen weniger zum Bewusstseinkommen u. s. w. Meistens dürfte die angebliche Wirkung gar nichtvorliegen.

Die „Hautreize" und die dadurch erzeugte Hauthyperämie(auch auf mechanischem Wege, z.B. durch Frottiren, unblutige Schröpf-köpfe, oder thermischem, elektrischem u. s. w.Wege erreichbar) werdenvorzugsweise angewendet gegen rheumatische Schmerzen, welche ohnebedeutende entzündliche oder fieberhafte Erscheinungen ihren Sitz imVerlaufe von Nervensträngen, Fascien oder Muskeln haben, ferner alsMilderungsmittel gegen Irritationssymptöme, wie solche bei den ver-schiedenen Formen von Rachen- und Lungenkatarrhen aufzutretenpflegen, bei Athmungsbeschwerden Asthmatischer und Stockung in demRhythmus der Respirationsbewegungen. Die physiologischen und thera-peutischen Wirkungen sind in allen diesen Fällen kurzdauernd, transi-torisch.

Energischer auf das Hautorgan wirken die Vesicantien: sie ver-anlassen nach einiger Zeit die Bildung eines serösen Exsudates aus demCorium, welches die Epidermis in Blasen abhebt. Lässt man die Flüs-sigkeit auslaufen und behandelt die Stelle indifferent, so heilt dieseVerletzung in wenigen Tagen. Wird dagegen die abgehobene Epider-mis entfernt und das blossgelegte Corium mit reizenden Präparaten ver-bunden, so erfolgt nach einigen Tagen eine Eiterung, welche Wochenund Monate lang unterhalten werden kann (nicht mehr üblich).

Angewendet werden — oder: wurden die Blasenpfiaster bei schmerz-haften entzündlichenVorgängen wie: Muskel- und Gelenkrheumatismus,circumscripten entzündlichen Affectionen des Periosts, Neuralgien, beischmerzhafter Pleuritis sicca und Pleuritis exsudativa serosa. (Siestehen hierin auf gleicher Stufe mit den topischen Blutentziehungen inForm von Blutegeln und Schröpf köpfen, welche jetzt übrigens auch sehrausser Mode sind — und das wohl mit Recht.)

Eine an derartigen Stellen durch reizende Verbandmittel (Ung. ba-silicum) in Scene gesetzte und unterhaltene Eiterung galt Manchem alsein Mittel zur Beförderung der Resorption von Exsudaten. Man wandtesie entweder unmittelbar über der erkrankten Stelle an, oder, wo dieswegen der Lage der Theile nicht möglich ist, an näher oder weiter davonliegenden Hautstellen.

Bei der Anwendung endlich der Cauterien wird entweder dielocal zerstörende oder die revulsive Wirkung ins Auge gefasst. Bei derersteren bezweckt man durch das Cauterium eine Vernichtung despathologischen Gewebes. Auch bediente man sich ihrer, um zunächstadhäsive Entzündungen hervorzubringen: z. B. bei Hernien, bei Echino-