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A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
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Cardio- et ängiotonica.

und bei der Geringfügigkeit der Pulsverlangsamung ist die z. B. in derMinute geleistete Arbeit ebenfalls wesentlich vermehrt. Einem vorder Digitaliseinwirkung durch maximale Arbeit erschöpften Herz-muskel erwachsen durch Digitalis keine neuen Kräfte. Es entwickeltalso die Digitalis in jenem Versuche Kräfte aus dem Reservevorratheder aufgespeicherten Spannkräfte.

Bei grösseren Dosen zeigt das Froschherz eine eigenartig ungleich-artige Action (unzweckmässigerweise sog. „peristaltische" Bewegun-gen), die darin besteht, dass während des einzelnen Herzschlages ein-zelne Stellen des Herzmuskels länger (oder dauernd) in — wie wirsehen werden nur scheinbarer — Systole bleiben, wenn bereits dieDiastole eingetreten ist. Indem dieser Zustand schliesslich den ganzenVentrikel befällt, entsteht als drittes Stadium: scheinbar systolischerStillstand des Ventrikels; die Vorhöfe erlahmen erst später diastolisch,nachdem, sie sich eine Zeit lang vergeblich abgemüht haben, ihrBlut in den Ventrikel überzupumpen. Mechanische Ausdehnung desVentrikels durch künstlichen Flüssigkeitsdruck lässt erkennen, dassinnerhalb des scheinbar systolisch zusammengeschrumpften Ventrikelsrhythmisch Diastole und Systole — unsichtbar — noch fortbestandenhatten: denn unter der passiven Ausdehnung, z. B. durch hohenFlüssigkeitsdruck, schlägt das Herz wieder rhythmisch; schliesslichaber erlahmt der rhythmische Antrieb — gleichviel ob man den Ven-trikel in seiner systolischen Contraction belassen oder ihn künstlichausgedehnt hat, — und das Herz ist todt. Jener scheinbar systo-lische Zustand bedeutet also nur ein Zusammenschrumpfen, eineElasticitätsänderung der Muskelsubstanz, — eine moleculare Aende-rung, die für die Kraftentfaltung des Digitalisherzens bedeutsam einenUntergrund erkennen lässt.

Der physiologische Mechanismus der geschilderten Wirkungen anWarm- und Kaltblütern: Obschon die am Menschen bedeutsamsteWirkung die Erhöhung des Blutdrucks ist, wollen wir im Interesseder Darstellung zunächst das Wesen der an Mensch und Säugethier inden früheren Stadien beobachteten Pulsverlangsamung besprechen.Sie beruht ausschliesslich auf einer Erregung im Vagusgebiete. Siekommt nämlich nicht zu Stande, wenn an einem Thiere vorher dieVagusperipherie, resp. die hemmenden Apparate im Herzen durchAtropin gelähmt worden sind. Dagegen sieht man an nicht-atropini-sirten Thieren, denen beide Vagi am Halse durchtrennt waren, durchDigitalis eine zwar geringere, aber zweifellose Pulsverlangsamung(z. B. von 150 auf 135) entstehen. Hieraus ist zu entnehmen, dass-auch ohne Zuleitung vom Vaguscentrum her in den Enden des Herz- I