Druckschrift 
A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
Entstehung
Seite
190
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

190

Serumtherapie und Verwandtes.

Wirkung beobachtet: Injection der verschiedenen Labfermente ruft dieBildung von Antilaben hervor. Es scheint demnach fast, als ob allediese Antikörper schon im normalen Blute vorhanden wären und beidem Immunisirungsvorgange in besonderer Weise quantitativ vermehrtwürden. Analoges sieht man bei Vergiftung durch Phosphor und Ar-senik (s. diese), welche einerseits zu Thrombosirungen Veranlassunggeben, andererseits aber Ungerinnbarkeit des Blutes (Fehlen von Fibrino-gen und Fibrinferment [Thrombin]) erzeugen können.

Es sei noch auf den fundamentalen Unterschied hingewiesen zwischender die Toxinwirkung „paralysirenden" Action der Antitoxine und demmit Unrecht sog. „antagonistischen" Verhältniss (s. S. 29f.) von bei-spielsweise Atropin und Eserin oder Pilocarpin, oder auch Morphin.Abgesehen davon, dass das Antitoxin un giftig ist, während das sog.„antagonistische" Gegengift auch giftig ist, so liegt der wesentlicheUnterschied darin, dass, wenn wir ausserhalb des Körpers eine ent-sprechende Menge Antitoxin zu einer Dosis Toxin hinzufügen, diesesletztere aufhört, ein Gift zu sein, während eine derartige Veränderungder Substanz bei Zusammenmischen der Lösungen von Atropinum sul-furicum und Pilocarpinum hydrochloricum nicht eintritt. Das Anti-toxin ist in der Wirkung wirklicher Antagonist des Toxins. Ob dieseantagonistische Wirkung darauf beruht, dass das Antitoxin das Toxinchemisch bindet oder zerstört, oder ob es nicht vielmehr auf die thieri-schen Zellen verändernd einwirkt, so dass diese gegen das Toxin wider-standskräftiger oder aggressiv seiner Herr werden, ist zwar noch nichtallenthalben mit Sicherheit entschieden, doch ist nach den grund-legenden Versuchen von Ehrlich eine rein chemische Beziehung sehrwahrscheinlich geworden. Die agglutinirende Wirkung des Ricins, diecoagulationswidrige des Cobragiftes (von der Brillenschlange), diehämolytische des Aalserums und des Crotins wird nämlich im Reagenz-glase genau nach denselben quantitativen Beziehungen durch die speci-fischen Antikörper aufgehoben, wie im Thierkörper, so dass die An-nahme einer einfachen chemischen Bindung für diese Körper jedenfallsanzunehmen ist und ein Einfluss „vitaler Vorgänge" bei der Neu-tralisirung des Toxins durch das Antitoxin hier nicht in Betracht zuziehen ist.

Das Diphtherieheilserum. Serum antidiphthericum (officin.).

Nachdem Löffler als ätiologisches Agens für die Diphtherie denbekannten, durch die staketenartige Nebeneinanderlagerung charakteri-sirten Bacillus erkannt hatte, hat der Streit über die alleinige Specifität