Heilseruinarten, Antitoxine.
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wöhnung an Alkohol, Morphin, Nicotin u. s. w. Denn hier sind wederAntitoxine bekannt, welche diese narkotischen Stoffe in unserem Körperparalysiren, noch ist bisher der Versuch gemacht worden, durch Ueber-führen dieser aus einem abgestumpften Körper stammenden Antitoxine(in Serum oder sonstwie) in einem noch nicht gewöhnten OrganismusToleranz zu erzeugen. Deshalb muss die Aehnlichkeit der beiden „Ge-wöhnungen" zunächst als eine rein äusserliche betrachtet werden,—obschon die in beiden Kategorien später gelegentlich sich zeigendeUeberempfindlichkeit gegen die Toxe eine bemerkenswerthe Analogiedarstellt.
Aber es gibt doch jedenfalls Gifte, welche nicht von Mikroorga-nismen herrühren, bei denen durch vorsichtige Steigerung der Gift-gaben unter Antitoxinbildung ganz so wie bei den Toxinen Immunitätgegen sonst tödtliche Gaben erzielt werden kann. Es sind dies dieBlutgifte Ricin, aus den Ricinussamen (s. diese), ferner das ihm sehrnahestehende Abrin, aus den Jequiritysamen (von Abrus precatorius,einer Papilionacee), und die Schlangengifte. Und auch hier kannanalog der Wirkung des Diphtherie- und Tetanusheilserums, durchEinbringen des Serums eines in der angegebenen Weise giftfest —tolerant oder immun (ricinfest, abrinfest u. s. w.) gemachten Thieresein anderes Thier ohne Weiteres auch giftfest gemacht werden. So be-greift man jetzt auch, warum Schlangen gegen ihr eigenes Gift immunsind. So ist Vipernblut, in welchem man durch längeres Erwärmenbis 58 ° C. das in ihm in kleinen Mengen enthaltene (aus den Giftdrüsenresorbirte) Viperngift zerstören kann, nicht bloss ungiftig, sondern esimmunisirt — bis zu einem gewissen Grade den Empfänger. Die Sagevon der Heilkraft des Scorpionbluts gegen Scorpiongift könnte alsoein Korn Wahrheit enthalten.
Es möge hier auch an die Beobachtung Alex. Sgiimidt's erinnertwerden, dass intravenöse Einbringung des von ihm „Fibrinferment"genannten Stoffes in eben nur kritischer, d. h. beinahe, aber noch nichtganz (tödtlich-)thrombosirender Menge ein ganz kurz dauerndes Stadiumgesteigerter Gerinnungstendenz (frühzeitigere Gerinnung des aus derAder gelassenen Blutes), dann aber alsbald ein lange dauerndes Stadiumwesentlich verminderter Gerinnungstendenz als Reaction erzeugt —also eine Toleranz gegen weitere Fibrinfermentintoxication. Ebensoentsteht bei der Injection gewisser Enzyme — des Peptozyms — nebeneinem die Blutgerinnung hemmenden Stoffe ein zweiter immunisirenderStoff, der die Wirkung weiterer Peptozyminjectionen aufhebt. Auchbezüglich Tetanustoxin und dessen Antitoxin ist in Lymphe und BlutAnaloges ermittelt. So ist ferner bei gewissen Fermenten eine Anfci-