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A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
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178
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Thierische Organe als Heilmittel.

jene Abfälle zur Ausscheidung nicht vorbereitet, dem Blute nicht über-geben werden können und sich in der Drüse, diese vergrössernd, an-häufen.

Wo derartige Unzulänglichkeiten einer Drüsenfunction sich bei einemMenschen zeigen, liegt es nun nicht allzufern, das Fehlende ergänzenzu wollen, und den betreffenden Organsaft — gewonnen aus dergleichen Drüse eines Schlachtviehs — dem kranken Menschenleibeirgendwie zuzuführen.

Der Erfolg hat gezeigt, dass in gewissen Fällen das Erstrebte sichthatsächlich erreichen lässt.

Nun liegt doch gar kein Grund vor, die so erzielten Erfolge undjene besprochenen vorausgesetzten Vorgänge (Unschädlichmachungvon Abfallstoffen, Anregung von physiologischen Functionen u. s. w.)irgendwo anders sich abspielend zu denken als in den Zellen, in denElementarapparaten unseres Organismus, in denen überhaupt die Vor-gänge des „Lebens" gesucht werden müssen. Daher muss man derAnsicht derer auf das entschiedenste entgegentreten, welche wegen derHeilwirkung eines Organ„saftes" den Schauplatz dieser Wirkung indie „Säfte" nach humoralpathologischer Auffassung, also in die ur-sprünglich extracellulären Flüssigkeiten verlegen möchten. Im Grundegenommen stehen wir bezüglich der Wirkung der specifischen Organ-stoffe vor keinem andersartigen Probleme als bezüglich der Wirkungirgend welches sonstigen als Heilmittel oder Gift in Frage kommendenchemischen Stoffes. Unterscheidend ist hierin nicht einmal ihr Vor-kommen im Gesunden und die unbedingte Nothwendigkeit ihrer An-wesenheit: denn das Gleiche gilt für Chlornatrium, Eisen, Phosphateund viele andere Arzneimittel. Wer wegen der Wirkung der Organ-stoffe — und das Gleiche gilt bezüglich der im nächsten Abschnitte zubesprechenden Antitoxine — an dem festen Gefüge der Cellularpatho-logie rütteln will, der hätte schon von der gesammten bisherigen Phar-makologie und Toxikologie aus mit ebenso viel Recht — oder vielmehrUnrecht — ins hurnoralpathologische Lager desertiren können.

Die erwähnten, durch das Einbringen von Organstoffen erzieltenHeilerfolge sind zuweilen nur dadurch zu dauernden zu gestalten, dassvon Zeit zu Zeit die betreffende Kur wiederholt wird. Hier scheintalso ein Vicariiren anderer Gewebe in der Production des Stoffessich nicht zu entwickeln. In anderen Fällen genügt eine einmalige(wochenlange) Kur, um bleibende Heilung zu erzielen. Hier ist ent-weder durch Beseitigung der zufällig eingetretenen Störung (Anhäu-fung von Abfallstoffen u. s. w.) die physiologische Production des be-treffenden Stoffes im Menschen an bewohnter Stelle wieder in Gang