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A. Cloetta's Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre
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Antipyretica.

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II. Gruppe.

ANTIPYßETICl 1 ).

Die Antipyretica sind im Stande, die fieberhaft erhöhte Körper-temperatur zu erniedrigen. Sie scheinen auch jede nicht fieberhafteSteigerung der Eigenwärme, wie sie z. B. nach heissen Bädern, beiSommermärschen der Infanterie, bei starkem Tetanus u. s. w. vor-kommt, schneller zum Ausgleich zu bringen. Die normale Körper-temperatur wird erst durch sehr grosse, giftige Gaben erniedrigt.

Die Antipyretica beseitigen, indem sie die Körperwärme des Fie-bernden verringern, indirect auch diejenigen Fiebererscheinungen,welche (und soweit sie) directe Folgen der Körperüberhitzung sind: diePulsbeschleunigung, die Respirationsbeschleunigung u. s. w. Sind diesetheilweise von anderen Umständen abhängig, z. B. die Athemnoth vonpneumonischer Infiltration, die grosse Pulsfrequenz von Blutverlusten,Circulationsstörungen u. dergl. m., so bleibt dieser Antheil bestehen.Desgleichen schwindet oft die Pulsbeschleunigung nicht oder nichtganz, wenn das Mittel an und für sich pulsbeschleunigend wirkt, wasin den Kauf genommen werden darf, wenn die sonstige Qualität desPulses, insbesondere die Spannung, durch das Mittel an sich nichtschlechter, sondern besser wird.

Die Temperaturerhöhung ist aber nicht das innere Wesen des Fie-bers. Das „Fieber" beginnt mit dem Eindringen eines den Stoffwechselfermentartig beeinflussenden Krankheitsstoffes. Meistens ist dies Fer-ment ein organisirtes (Mikroorganismus); zuweilen, so beim „asepti-schen" Fieber, dürfte, ebenso wie es in einigen experimentell — z. B.durch sterilisirte Heujauche, ungeformte Fermente — erzeugten Tem-peratursteigerungen der Fall ist, entweder ein chemischer Körper(z. B. Stoffwechselproducte von Mikroorganismen) oder ein ungeformtesFerment die Fieberursache sein. Es bleibe übrigens unerörtert, ob imersteren Fall die Bakterien als solche oder die von ihnen producirten(ungeformten) Stoffe das chemisch Wirkende sind. Mit dem Eindringendes „Ferments", „Krankheitsstoffes", oder wie man es auch nennenwill, beginnt ein neuer Chemismus, eine qualitative Aenderung desStoffwechsels, die in einem gesteigerten Zugrundegehen von Organ-eiweiss und rothenBlutkörperchen sich äusserlich manifestirt; in Folgehiervon: Harnstoffausscheidung grösser als sie derselbe Mensch imgleichen Ernährungs- (resp. Hunger-)Zustande ohne Fieber gehabt

') Fieberbekämpfende Mittel.